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IM BRENNPUNKT: ROGER FEDERER UND DIE DAVIS-CUP-PARTIE GEGEN ITALIEN IN GENUA

Mit seinem heutigen Einsatz gegen Simone Bolelli signalisiert Roger Federer, wie wichtig ihm der Davis-Cup ist. Der Traum vom Titel lebt weiter.

Aufschlag Richtung Salatschüssel

Wenn Stanislas Wawrinka gegen Andreas Seppi und danach Roger Federer gegen Simone Bolelli heute Freitag in den ersten beiden Einzeln der Playoff-Partie gegen Italien aufschlagen, könnte es der Beginn einer Reise sein, an deren Ende eines der letzten grossen Ziele des Weltranglistenersten steht: der erstmalige Gewinn des Davis-Cups.

Dass Federer seine Karriere 2009 mit dem Grand-Slam-Rekord und dem ersten French-Open-Titel abrunden konnte, dürfte die Chancen erhöht haben, dass er sich nun noch einmal vehement auf die Jagd nach der «hässlichsten Salatschüssel der Welt» macht, wie der Pokal gern genannt wird.

Der Davis-Cup-Titel sei schon ein Ziel für ihn, sagte Federer gestern Mittag an der Auslosung im ehrwürdigen Palazzo San Giorgio am Hafen von Genua. «Ich stand schon 1998 als Ersatzmann im Team, seit 1999 habe ich jedes Jahr mindestens eine Begegnung bestritten, und auch wenn ich nicht dabei bin, verfolge ich diese Partien so intensiv, wie ich kann. Mein Dilemma ist, dass ich wegen meiner grossen Erfolge nicht allen Zielen nachgehen kann, die ich gern erreichen würde.» Über das Davis-Cup-Jahr 2010 wolle er aber noch nicht sprechen.

Dass er nur vier Tage nach dem US Open-Final auf einem anderen Kontinent, einem anderen Belag und mit anderen Bällen gegen den starken Italiener Bolelli (ATP 64) antritt, unterstreicht die Bedeutung, die er dieser Begegnung zumisst. Auch er weiss: Wenn die Schweiz in Italien verliert, spielt sie nächstes Jahr in der Europazone und müsste zuerst wieder aufsteigen, womit der Davis-Cup-Titel frühestens 2011 ein Ziel sein könnte. Das Jahr danach ist bereits wieder ein olympisches, weshalb der Davis-Cup für Federer 2012 kaum erste Priorität geniessen dürfte.

Immer mehr starke Gegner

Die Schweiz verfüge über ein Team, das den Davis-Cup gewinnen könne, sagte in Genua auch Italiens Captain Corrado Barazzutti. Federer relativierte: «Unser Team hat definitiv grosses Potenzial. Das Problem ist nur, dass es viele starke Nationen gibt; auch solche mit sechs, sieben Top-50-Spielern, was eine grosse Rotation ermöglicht.» Heute gebe es fast keine leichten Begegnungen mehr, «selbst diese Playoffs sind oft sehr schwierig». Er erinnerte an das Jahr 2007, als die Schweiz mit ihm in Prag gegen Tschechien abstieg und im vergangenen Jahr erstmals seit 1994 wieder in der zweiten Liga spielen musste. Um den Davis-Cup zu gewinnen, benötige man eben auch etwas Glück. Das fehlte etwa 2003, als Federer im Halbfinal in Australien gegen Lleyton Hewitt nach einer 2:0-Satzführung noch verlor. Davor hatte er zehn Davis-Cup-Einzel in Folge gewonnen - inzwischen sind es auch schon wieder zehn.

Der heutige Freitag werde für sein Team zu einem wichtigen Tag, wobei schon ein 1:1 ein guter Zwischenstand wäre, fand Federer, der in der Nacht auf gestern neuneinhalb Stunden durchschlafen konnte. Weiter vorausblicken wollte er nicht, «wir schauen von Tag zu Tag, zumal wir die Aufstellung problemlos ändern können». Wer am Samstag das Doppel bestreiten wird, ist noch offen. Vielleicht sogar der Dübendorfer Michael Lammer, der für Stéphane Bohli ins Team kam, obwohl er im Einzelranking als Nummer 161 hinter dem Genfer (146) klassiert ist. Das könnte mit seinen zuletzt starken Leistungen im Doppel zu tun haben, spekulierte er.

Der Fitnesstrainer reiste an

Wie wichtig Genua für Federer ist, zeigt sich auch daran, dass er seinen Fitnesstrainer Pierre Paganini für zwei Tage ans Mittelmeer kommen liess. Er versuchte, das Maximum aus der kurzen Zeit herauszuholen, die ihm zur Vorbereitung blieb. «Der Jetlag und die veränderten Spielbedingungen im Vergleich zum US Open sind zwar schwierig, aber solche Umstellungen gehören für uns zum Alltag», sagte er. «Ich denke, es ist ertragbar.»

Federers Davis-Cup-Bilanz, Seite 37

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