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«Ich schöpfe Kraft und Hoffnung aus der Beziehung zu Gott»

Ein Schweizergardist opfert im Ernstfall sein Leben für den Papst. Auch der Effretiker Jan Eberle, 20, würde dies ohne Zögern tun.

Mit Jan Eberle sprach Monika Kessler Ihre Altersgenossen gehen in die Disco, schlafen sonntags aus und können in den wenigsten Fällen etwas mit dem Vatikan anfangen. Warum haben Sie sich dazu entschlossen, Schweizergardist zu werden? Ich habe im letzten Jahr eine Schnupperwoche absolviert, und es wurde mir bald klar, dass dies genau die richtige Aufgabe ist für mich. Ich finde, es ist für jeden Schweizer, der dem Heiligen Vater dienen möchte, eine grosse Ehre, in die Garde aufgenommen zu werden. Heisst das, dass es wichtig ist, als Gardist gläubig zu sein? Eigentlich schon. Der Glaube sollte im Leben eines Gardisten eine grosse Rolle spielen, denn alles, womit man im Vatikan zu tun hat, dreht sich um den Glauben. Wer nur zweimal im Jahr die heilige Messe besucht, ist hier definitiv fehl am Platz. Die Identifikation fehlt dann einfach. Ich kann an schweren Tagen aus der Beziehung zu Gott Kraft und Hoffnung schöpfen. Welche Hoffnung? Es ist wichtig zu wissen, dass das Leben nach dem Tod weitergeht und nicht einfach alles ein abruptes Ende hat. Hatten Sie schon Gelegenheit, den Papst zu treffen? Nein, ich werde ihm wohl an der Vereidigung am 6. Mai das erste Mal begegnen. Das ist gleichzeitig der Gedenktag der Gardisten, die 1527 bei der Plünderung Roms für den Papst ihr Leben liessen. Das könnte auch Ihnen blühen. Dessen bin ich mir bewusst. Doch der Tod gehört zum Leben, und so betrachtet ist der Moment, wo wir diese Welt verlassen, etwas Natürliches. Lernt man während der fünfwöchigen Rekrutenschule der Schweizergarde, mit solchen Dingen umzugehen? Nicht direkt. Grundsätzlich muss jeder für sich entscheiden, ob er eine derartige Aufgabe übernehmen will oder nicht. Den Rekruten wird aber gezeigt, wie ein gewöhnlicher Tag im Dienst aussieht, wo sich die Posten befinden und auf welche Details man besonders achten muss. Keine Kampfausbildung oder dergleichen? Doch, schon. Wir hatten frühmorgens jeweils einen Selbstverteidigungskurs, und anschliessend lernten wir den Umgang mit der Hellebarde. Wie erlebten Sie Ihre Ausbildung? Gut. Es gibt immer angenehme und weniger angenehme Dinge. Mich nervte zum Beispiel, dass wir etwa fünfmal am Tag das Tenü wechseln mussten. Wie viel Zeit bleibt Ihnen für sich selber? Es ist sehr wenig. Auch nach Feierabend ist man selten allein. Ich wohne in einer Kaserne innerhalb der vatikanischen Mauern und teile während der Rekrutenschule das Zimmer mit neun Kameraden. Danach werden wir in Zweier- oder Dreierzimmern untergebracht. Und wie sieht Ihr Arbeitstag aus? Er ist unregelmässig. Im Nachtdienst läuft meist nicht so viel, dafür haben wir tagsüber vor allem an den Eingängen zum Vatikan viel zu tun. Da kommen Pilger und Touristen, die den Vatikan besichtigen wollen. Ist es nicht schwer, den ganzen Tag still zu stehen und keine Miene zu verziehen? Man braucht als Gardist viel Disziplin und Geduld. Wer sich konzentriert, aktiv mitdenkt und genug Selbstbeherrschung besitzt, der meistert diese Aufgabe ohne Probleme. Jan Eberle will drei Jahre lang Schweizergardist bleiben.Foto: zvg

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