Zum Hauptinhalt springen

Herrliberg lehnt beim Bau eines schnellen Netzes eine Kooperation mit der Swisscom ab

Im Glasfaserstreit in Herrliberg kontert die Swisscom. Der Telecom-anbieter bezichtigt die Gemeinde, ein Monopol aufzubauen.

Lorenzo Petrò Herrliberg – Die Gemeinde Herrliberg fordert Hauseigentümer auf, keine Glasfasernetzanschluss-Verträge mit der Swisscom zu unterschreiben. Der ehemalige Monopolist wolle sich mit dem Bau eines eigenen Netzes eine stärkere Position für die Verhandlungen mit den Gemeindewerken erkämpfen, schreibt sie in einem Brief an alle Bürger. Die Swisscom kritisiert Herrliberg baut derzeit zusammen mit den Meilemer Werken ein eigenes Netz, das meifi.net, das allen Dienstanbietern zu gleichen Konditionen offenstehen soll. Werkvorstand Felix Besser (FDP): «Die Swisscom versucht uns unter Druck zu setzen, indem sie verstärkt Exklusivverträge mit Liegenschaftsbesitzern abschliesst.» Mit dem angestrebten Swisscom-Netz soll ein Fait accompli geschaffen werden. Swisscom-Sprecher Olaf Schulze zeigt sich erstaunt vom Vorgehen der Gemeinde. Er kritisiert, dass Herrliberg die Swisscom als «bösen Aggressor» darstellt. «Zumal das Open-Access-Modell von meifi.net der Herrliberger ja auch ein neues Monopol schafft.» Die Telekommunikationsanbieter wie die Swisscom oder die GGA Maur dürften nur auf Basis einer durch die Gemeindewerke vorgegebenen Technologie auf das Netz zugreifen. Zu Konditionen, die die Gemeinde alleine festlegen könne. Für die Swisscom und andere Anbieter sei dies nicht akzeptabel, sagt Schulze, da sie ihre Produkte nicht mehr selber gestalten und auch die Servicequalität nicht mehr eigenständig bestimmen könnten. Zwar habe die Gemeinde Herrliberg nach langen Verhandlungen ein erstes Angebot für die Nutzung einer eigenen Faser gemacht. «Es war jedoch finanziell und vor allem auch aus technologischer Sicht unattraktiv und inakzeptabel», so Schulze. Baukooperation ausgeschlossen Man habe die bisherigen Vorschläge der Gemeinde aus diesen Gründen abgelehnt, sagt Schulze. Und nicht, wie die Gemeinde suggeriere, weil man im Hintergrund am eigenen Netz weiterbauen wolle, um die eigene Verhandlungsposition zu stärken. An einem neuerlichen Treffen, das gestern stattgefunden hat, habe die Swisscom deshalb einen Lösungsvorschlag basierend auf einer Baukooperation vorgestellt. Genau das lehnt die Gemeinde Herrliberg jedoch ab. «Das haben wir schon vor einem Jahr, zu Beginn der Verhandlungen, klargemacht», sagt Felix Besser von den Gemeindewerken. Die Verhandlungsstrategie der Swisscom sei äusserst destruktiv. «Es ist idealerweise Aufgabe der öffentlichen Hand, die Infrastruktur zur Verfügung zu stellen», sagt er. Die öffentliche Hand sei ein Garant für günstige Preise, weil sie die getätigten Ausgaben nicht so schnell wieder hereinholen müsse wie ein privater Investor. Wettbewerb limitiert Auch die Kritik, ein neues Monopol zu schaffen, lässt Besser nicht gelten. «Der Wettbewerb läuft über das Angebot, nicht über die Infrastruktur.» Gerade das Beispiel der Swisscom als Besitzerin der herkömmlichen Kupferkabel zeige, dass diese die Letzte Meile nicht zu fairen Konditionen an ihre Mitbewerber weitervermiete, sondern den Wettbewerb limitiere. Zudem führe der Aufbau von zwei parallelen Glasfasernetzen zu einem teureren Angebot für den Endkunden. «In diesem Punkt sind wir uns mit der Swisscom für einmal einig», sagt Besser.Rechnen wird sich die Investition ins Glasfasernetz in frühestens 20 Jahren, sagt Besser. Damit könne die Gemeinde aber gut leben. «Wir kommen vom Leitungsbau her, wo man üblicherweise mit einer Lebensdauer von 30 bis 70 Jahren rechnet.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch