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Hans Werner Kettenbachs «Nachlass zu Lebzeiten»

Kurz & kritisch Literatur Beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs ging auch ein grosser Teil des Vorlasses verloren, den Hans Werner Kettenbach seiner Heimatstadt vermacht hatte. Der literarische Verlust war überschaubar; aber der Kladderadatsch war doch ein Anlass für Kettenbach, sein Werk – vierzehn Romane, Erzählungen, Hörspiele, zahllose journalistische Arbeiten, persönliche Erinnerungen und heimatkundliche Schnurrpfeifereien – noch einmal durchzusehen und alte und neue, bislang noch nicht oder nur in Zeitungen veröffentlichte Texte in einem Band zusammenzutragen. Kettenbach wird oft als Krimiautor und Frohnatur unterschätzt. Aber er ist, wie selbst diese literarische Resteverwertung zeigt, nicht nur ein engagierter Journalist, sondern auch ein beachtlicher Erzähler, der die engen Grenzen des Krimigenres immer weiter in Richtung Psychothriller, Liebesroman und Gesellschaftspanorama erweiterte. Erzählungen wie «Blitzschlag» oder «Frau Wallots Vermieter», in denen er von den Demütigungen und Blamagen alternder Schürzenjäger berichtet, sind allerdings nicht immer ganz frei von muffig-frivoler Koketterie. Das Altwerden in Würde und Stolz ist so etwas wie der rote Faden dieses Buchs. Man kann Alter und Tod verdrängen wie Goethe oder aber ihnen unerschrocken und gefasst gegenübertreten. Kettenbach will jedenfalls von Besserwissern in Ruhe gelassen werden, die ihm raten, was ihm in seinem Alter – er ist 82 – schadet und was sich nicht mehr gehört. Martin Halter Hans Werner Kettenbach: Tante Joice und die Lust am Leben. Geschichten und anderes. Diogenes, Zürich 2010. 423 S., ca. 38 Fr.

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