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Güsel sammeln beim Gassigehen

Bei jedem Hundespaziergang haben zwei Frauen aus Oberglatt und Kloten einen Abfallsack dabei. Das bringt sie in völlig falschen Verdacht.

Von Beatrix Bächtold Oberglatt/Kloten – «Ihr Hund muss aber ein grosses Häufchen gemacht haben.» Diesen Satz hören Ursula Guggisberg und Gabi Krebser immer wieder, wenn sie eine prall gefüllte Plastiktüte in einen der öffentlichen Abfallkübel werfen. «Es sieht wirklich so aus, als würden wir heimlich unseren Hausmüll entsorgen», sagt Ursula Guggisberg. In Wirklichkeit sammeln die beiden Frauen auf ihrem Spaziergang Abfall vom Wegrand ein und entsorgen ihn. «Ist doch klar, dass wir ihn nicht nach Hause nehmen», verteidigt sich die Oberglatterin. Solle ihr doch mal einer sagen, wohin sonst damit. «Inzwischen eine Manie» Angefangen hat alles vor ungefähr zwei Jahren. «Da ist uns der Unrat entlang der Spazierwege im Dreieck zwischen Oberglatt, Bachenbülach und Winkel zum ersten Mal bewusst geworden. Wir haben begonnen, ihn einzusammeln», erzählt sie. Irgendwann haben sich die beiden Frauen mit Plastiktüte, Handschuhen und Gummistiefeln ausgerüstet und sich gezielt ins Abfallrevier begeben. «Inzwischen ist es eine Manie. Beim Anblick der Aludosen, der PET-Flaschen und leeren Verpackungen zwickt es uns förmlich in den Fingern», sagt Guggisberg. «Wir bringen es nicht fertig, am Müll vorbeizulaufen. Es stört uns mehr, wenn wir ihn liegen lassen, als wenn wir uns bücken und ihn einsammeln», pflichtet ihr die Klotenerin Gabi Krebser bei. «Im Laufe der Zeit haben wir sicher riesige Berge Abfall beseitigt», sagt Guggisberg. Während am Wegrand Dosen und Zigarettenschacheln dominieren, ändern die Fundsachen, je weiter man ins Dickicht vordringt. «Unter Büschen scheinen Windeln und Chipssäcke aus dem Boden zu wachsen, während weiter hinten im Wald gebrauchtes Klopapier besonders gut gedeiht.» «Manchmal kommen wir uns richtig doof vor», sagt Guggisberg. Krebser stimmt zu: «Ich frage mich oft, ob wir denn die Deppen der Nation sind. Wir räumen gratis den Dreck auf, den andere machen, und werden dafür am Abfallkübel noch dumm angemacht. Das nervt.» Als Helden fühlen sich die beiden Frauen nicht. «Wir machen einfach weiter und hoffen, dass wir andere mit unserem Sammelvirus anstecken können», sagt Krebser, bückt sich und fischt eine PET-Flasche aus dem Gebüsch.? Schon wieder eine Aludose am Strassenrand: Ursula Guggisberg (l.) und Gabi Krebser haben das Gefühl, dass der Unrat im Frühling besonders eifrig spriesst.Foto: beb

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