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GC auf der Suche nach einer Heimat

Nach dem gekündigten Mietvertrag im Stadion Letzigrund ist offen, wo die Zürcher ab Sommer spielen.

Von Peter M. Birrer und Peter Bühler Über dem Campus in Niederhasli scheint die Sonne, der Chef steht mitten auf dem Kunstrasen, hat die Arme hinter dem Rücken verschränkt, und zwischendurch ruft er fordernd: «Qualität! Qualität!» GC trainiert wieder, und Ciriaco Sforza steht beachtlich viel Personal zur Verfügung. Ausser Cabanas und Voser haben sich alle zurückgemeldet, die sich im alten Jahr mit langen Verletzungen herumgeplagt hatten, Smiljanic und Rennella, Callà und D’Angelo, und um keinen zu vergessen, fasst der Trainer später zusammen: «Es ist erfreulich, dass fast alle wieder da sind.» Zu den Rückkehrern kommen Neue: Milan Gajic und Andres Vasquez, ausgeliehen vom FCZ, dazu Roman Bürki von YB. Zur Probe ist ein Argentinier namens Franco Lanaro eingeladen worden, ein 22-jähriger Mittelstürmer. Dafür ist der Brasilaner Silas nach einem halben Jahr in die Heimat abgeschoben worden. Sforza erklärt energisch: «Wer heute hier war, bleibt bis Ende Saison, auch Salatic.» Was macht ihn so sicher? «Wir haben die Spieler im Griff.» Und wenn ein ausländischer Interessent kommt? «Dann muss der Check sehr gross sein.» Sforza ist im neuen Jahr nicht anders als im alten, unerschrocken verbreitet er Zuversicht, wo immer sich die Gelegenheit bietet. Er pflegt negative Meldungen mit bemerkenswerter Leichtigkeit an sich abprallen zu lassen. Und darum kann es nicht überraschen, wie er die Nachricht kommentiert, dass sein Arbeitgeber den Stadionmietvertrag mit der Stadt Zürich gekündigt hat: «Das ist nicht mein Aufgabengebiet, dafür sind andere zuständig.» Aarau/Winterthur: Kein Thema Sforza meint den Vorstand mit Präsident Urs Linsi, der mit dem Wegzug aus dem Letzigrund im Sommer droht, wenn die jährlichen Miet- und Polizeikosten von drei Millionen Franken nicht drastisch gesenkt werden. Bloss: Wohin sollen die Grasshoppers ziehen? Im Vertrag mit der Stadt ist fixiert, dass eine Kündigung nur rechtens ist, wenn bis Ende Juni dieses Jahres ein neuer Standort präsentiert wird. Was Linsi wirklich im Schilde führt, will er nicht preisgeben, er behauptet nur, dass es sich nicht bloss um einen erpresserischen Akt handle. Und aus dem Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich heisst es, man sei daran interessiert, GC in der Stadt zu halten. Die Verhandlungen seien im Gang. Die Ausgangslage ist klar: Wer 2011/12 in der Super League spielen will, muss über ein taugliches Stadion verfügen oder ein Bauprojekt vorlegen können. Und darum fallen Optionen, wie sie schnell herumgereicht wurden, gleich wieder weg. Das Aarauer Brügglifeld und die Winterthurer Schützenwiese erfüllen die Anforderungen nicht. Das Licht etwa genügt so wenig wie die Kapazität an Sitzplätzen. Ein Ausbau wäre sehr teuer, diese Kosten würde im Fall von Winterthur die Stadt als Eigentümerin kaum übernehmen. «Sollte sich GC melden, würden wir die Sache prüfen», sagt FCW-Geschäftsführer Andreas Mösli, fügt aber auch an: «Es wäre ein Riesenaufwand.» Für Edmond Isoz, Direktor der Swiss Football League (SFL), ist es auch aus zeitlichen Gründen ein Ding der Unmöglichkeit: «Aarau und Winterthur sind auch in einem halben Jahr nicht Super- League-tauglich.» Und der GC-Campus in Niederhaslierfüllt die Voraussetzungen so wenig wie der Utogrund in der Stadt Zürich. Isoz’ Unverständnis für Zürich Bliebe St. Gallen als mögliche Ausweichvariante. In der Ostschweiz besteht das Interesse, die Auslastung der AFG-Arena zu erhöhen, an Gesprächsbereitschaft fehlt es auch nicht. Dass der Rekordmeister künftig seine Heimspiele 80 Kilometer entfernt austrägt, scheint niemand ernst zu nehmen, sondern als absurden Gedanken auszulegen. Womit der Schluss nicht fernliegt, dass Urs Linsi halt doch eine Drohgebärde gestartet hat und am Ende zurückkrebsen muss, weil der ungeliebte Letzigrund die einzige Möglichkeit bleibt – es sei denn, GC verabschiede sich am Ende der Saison in die Challenge League. Dann könnten die Stadien von Aarau oder Winterthur in Betracht gezogen werden. Liga-Direktor Edmond Isoz vermutet, dass Linsi mit dem gekündigten Vertrag Druck ausüben will, und sagt dann: «Dass Zürich es nicht fertigbringt, ein Stadion wie Thun, Luzern oder Neuenburg zu bauen, das ist schon speziell.» Das findet auch Sforza, der sich eigentlich nur damit beschäftigen will, wie er seine Fussballer für den Abstiegskampf am besten rüstet: «Eine Stadt wie Zürich ohne Fussballstadion – unverständlich.» Analyse Seite 9 Rückkehrer Smiljanic und Neuzuzug Gajic (rechts) im ersten Training – in welchem Stadion spielen sieab Juli?Foto: RetoOeschger

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