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Für das Lindehus in Turbenthal soll es eine Zukunft geben

Zurück zum Start für den Zweckverband Altersheime Tösstal. Für die Mitglieder der Heimkommission ist ein Rücktritt aber kein Thema – trotz der deutlichen Abfuhr am Abstimmungswochenende.

Von Pia Wertheimer Turbenthal/Wila/Wildberg/Zell – Nachdem das Volk am Wochenende den Altersheim-Plänen der Behörden einen dicken Strich durch die Rechnung machte, leckt sich die Heimkommission des Zweckverbandes Altersheime Tösstal die Wunden. An der gestern anberaumten Medienorientierung war aber keine Verliererstimmung spürbar: «Ausser dem Kalendertag hat sich für uns seit Samstag nichts verändert», sagte Martin Lüdin (FDP), Präsident des Zweckverbandes und Gemeindepräsident von Zell. Tatsächlich stehen die Heime Im Spiegel in Rikon und das Lindehus in Turbenthal nach dem Abstimmungswochenende vor einem Status quo. Mit total 3150 zu 1398 haben die Stimmbürger der vier beteiligten Gemeinden die Umwandlung des Zweckverbandes in eine Aktiengesellschaft abgelehnt. Lüdin konnte der Ohrfeige des Volkes gar etwas Positives abgewinnen: «Ungewöhnlich viele Stimmbürger haben sich mit der Vorlage befasst und gingen an die Urnen.» Dort hätten sie deutlich kundgetan, dass sie das vorgelegte Projekt nicht unterstützten. Standortfrage ist zentral Nach Ansicht der Heimkommission, welcher Gemeinderäte der beteiligten Kommunen angehören, scheiterte die Vorlage vor allen Dingen an drei Argumenten: Zum einen habe die gewählte Rechtsform – eine gemeinnützige Aktiengesellschaft – den Beigeschmack von gewinnbringend, Konkurs und Willkür eines Privaten und stiess darum auf Ablehnung. Die Heimkommission sei nun gefordert, alternative Rechtsformen zu evaluieren. Umstritten sei auch die Frage nach dem Betreiber der Heime gewesen. Der Souverän wolle offensichtlich von einer Public-private-Partnership nichts wissen. Die Frage stelle sich nun, ob die öffentliche Hand weiterhin für die beiden Heime verantwortlich sein solle. Schliesslich müsse das Gremium prüfen, wie viele Heimstandorte es künftig noch geben solle und über welche Kapazität die Häuser verfügen müssen. So habe das Volk zu nur einem Standort in Rikon mit einem grösseren Angebot deutlich Nein gesagt. «Wir wollen nach einer Lösung suchen, die das Lindehus miteinbezieht», versprach der Turbenthaler Gemeindepräsident Georg Brunner (FDP). In welcher Form liess er hingegen offen. Er führte aber den 75,8-Prozent-Nein-Stimmen-Anteil in seiner Gemeinde auf die fehlende Perspektive für das Turbenthaler Heim zurück. Sein Wildberger Kollege Roland Bänninger (SVP) sieht ebenfalls die geplante Schliessung des Lindehus als grössten Stolperstein der Vorlage. «Die Wildberger orientieren sich nach Turbenthal – auch in der Altersheimwahl.» Der Wilemer SVP-Gemeinderat Hans-Peter Meier glaubt zudem, dass der Vorschlag einer Public-private-Partnership zehn Jahre zu früh komme. «Ob Wila bereit ist, zwei Standorte zu finanzieren, muss sich allerdings weisen – das wird das Volk entscheiden.» Der Zeller Gemeindepräsident begründet die Abfuhr grundsätzlicher: «Es ging um etwas Neues, und das weckt per se Angstgefühle. In solchen Fällen liegt ein Nein näher als ein Ja.» Die Vorstellung, mit einem privaten Betreiber kutschieren zu müssen, sei laut Lüdin aber in seiner Gemeinde ein starkes Motiv gegen die Vorlage gewesen. Machbarkeit an oberster Stelle Seit der Ausarbeitung der gescheiterten Vorlage habe sich einiges geändert, hielt Lüdin fest. So tritt per Januar 2011 die neue Pflegefinanzierung in Kraft, und schon bald gelte auch ein neues Spitalgesetz. Diese neuen Rahmenbedingungen müssten ins neue Projekt einfliessen. «An oberster Stelle steht aber die Machbarkeit – und zwar in technischer, betrieblicher, finanzieller und regulatorischer Hinsicht», sagt Lüdin. Wann die Stimmbürger von Turbenthal, Wila, Wildberg und Zell über eine neue Vorlage abstimmen werden, steht in den Sternen. Für Lüdin steht allerdings fest: «Wir können es uns nicht leisten, vier Jahre zu warten.» Er verspricht, die Bevölkerung stets auf dem Laufenden zu halten. Einer Mitwirkung im grossen Stil steht er allerdings skeptisch gegenüber. Die Wunschliste sei dafür zu gross. «Es geht darum, sich auf das zu konzentrieren, was realistisch ist.» Rücktritte kein Thema Trotz der deutlichen Abfuhr des Souveräns will die Heimkommission in ihrer bisherigen Besetzung weiter wirken. «Das Nein richtet sich nicht an uns persönlich», resümiert der Präsident des Zweckverbandes. Und erhält Schützenhilfe des Gemeindepräsidenten von Turbenthal: «Es wäre schade, wenn das Know-how auf der Strecke bliebe, denn die Grundlagen haben sich nicht geändert.» Roland Bänninger will aber Mutationen im Gremium nicht ausschliessen: «Es ist denkbar, dass wir Personen involvieren, die sich für den Erhalt des Lindehus stark gemacht haben.» Einer der Gründe für die deutlichen Ablehnung der Vorlage war die geplante Schliessung des Lindehus.Foto: Nathalie Guinand

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