Zum Hauptinhalt springen

Friedhof Herrliberg spaltet die Generationen

Emil Bühler nervt sich über lärmende Jugendliche, die sich regelmässig bei der Abdankungshalle des Friedhofs aufhalten.

Von Frank Speidel Herrliberg – Es ist ein friedliches Plätzchen vor dem Herrliberger Friedhof: Die Sonne scheint durch die Bäume, und Sitzbänke laden zum Verweilen ein. Dies weiss auch die Herrliberger Jugend zu schätzen. Regelmässig trifft man sich deshalb abends vor dem Gottesacker. Dies wiederum stört die Nachbarn aus den gegenüberliegenden Häusern. Einer dieser Nachbarn ist Emil Bühler. Immer wieder regt sich der 80-Jährige über den Radau auf, den die Jugendlichen spätabends noch veranstalten. Es werde gekifft, laut Musik gehört und rumgelärmt, schreibt Bühler in einem Leserbrief. Friedhofsbesucher würden sich nicht mehr zu den Gräbern getrauen: «Sie fürchten sich davor, von den Jugendlichen angepöbelt zu werden», sagt Bühler.Früher habe er die Jugendlichen noch persönlich gekannt. Sogar die Handynummern habe er von einigen gehabt. Wenn es spätabends dann jeweils laut geworden sei, habe er einfach kurz angerufen. Die Jugendlichen hätten ihm dann eine gute Nacht gewünscht und seien schlafen gegangen. Zu jenen, die sich heute vor dem Friedhof aufhalten, habe er den Draht aber nicht mehr. Mehrmals sei er schon von ihnen angepöbelt worden. In der Kirche hätten drei von ihnen sogar versucht, ihn auszurauben: «Sie haben mir eine Ohrfeige verpasst und mir gesagt, dass ich ihnen mein Geld geben solle.» Geld habe er keines bei sich gehabt. Unverrichteter Dinge seien die Jugendlichen wieder abgezogen. Angst vor der Dunkelheit Nach Ansicht von Emil Bühler lässt sich das Problem mit dem Lärm vor dem Friedhof ganz einfach lösen: indem man die Lichter bei den Unterständen während der ganzen Nacht brennen lässt. Doch dagegen sträube sich der Herrliberger Liegenschaften-Vorstand Ernst Frei (SVP). Dieser habe ihm gesagt, es sei zu teuer, das Licht die ganze Zeit anzulassen, sagt Bühler. Dies sei so nicht ganz korrekt, entgegnet Ernst Frei. Man wolle das Licht deshalb nicht brennen lassen, weil die Jugendlichen dann nur noch länger beim Friedhof sitzen blieben. Auf Druck von Emil Bühler habe er ja bereits die Gemeindepolizei öfters vor Ort patrouillieren lassen. Die Jugendlichen gänzlich vertreiben will Gemeinderat Frei nicht. «Irgendwo müssen die sich ja aufhalten können.» Der Platz vor dem Friedhof sei nicht dafür bekannt, als Treffpunkt von Jugendlichen zu gelten. Er sei kein sogenannter Brennpunkt. Emil Bühler trifft auf eine Passantin, die mit ihrem Hund am Friedhof vorbeispaziert. Die beiden begrüssen sich, und Bühler fragt die Dame, ob sie sich bei Friedhofsbesuchen jeweils fürchte. «Bei Dunkelheit ist mir schon etwas mulmig», sagt die ältere Frau. Schliesslich wisse sie nicht, wer auf den Bänken im Verborgenen sitze. Habe sie eine Taschenlampe dabei, fühle sie sich wohler – und getraue sich zu dem Grab zu gehen, das sie besuchen will. Appell an die Jungen Das Licht abends einzuschalten, kommt für Gemeinderat Ernst Frei nicht infrage. «Ich muss dies nicht tun, nur weil Herr Bühler dies so will», sagt er. Für Bühler bleibt also nur noch der Appell, den er direkt an die Eltern der Herrliberger Jugend richtet: «Bitte erzieht eure Kinder so, dass sie sich spätestens um 23 Uhr nach Hause begeben.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch