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Frauen in der Politik: «Die Zeichen stehen auf Sturm»

40 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts warnt die Frauenzentrale Zürich vor einem Verlust bei den Wahlen 2011.

Von Ruedi Baumann Zürich – Trotz Frauenmehrheit im Bundesrat stehen die Vorzeichen für das Zürcher Wahljahr «auf Sturm», befürchtet die Zürcher Frauenzentrale. Ein Grund, weshalb die Frauen bereits jetzt für die Kantonsrats- und Nationalratswahlen im nächsten Jahr mobilisieren, sind die zum Teil deutlichen Wahlniederlagen der Frauen bei den Zürcher Gemeindewahlen im Frühjahr, aber auch Alarmsignale aus anderen Kantonen. Der Slogan «Ein Drittel ist nicht genug» gelte nach wie vor, betont Präsidentin Irène Meier im Dezember-Bulletin der Frauenzentrale. Die Resultate der letzten Wahlen sind für die Frauen ernüchternd. Die Frauenanteile in den Exekutiven und in den Parlamenten im ganzen Kanton sind gesunken. In den Gemeindeexekutiven um 10 Prozent. In jeder zehnten Zürcher Gemeinde regieren ausschliesslich Männer, zum Beispiel in Bülach und Wetzikon. Auch in den Gemeindeparlamenten ging die Anzahl der Frauen zurück, von 159 auf 147. Und im Regierungsrat, der einst von vier Frauen dominiert wurde, sind mit Regine Aeppli (SP) und Ursula Gut (FDP) nur noch zwei Frauen. Nach dem markanten Anstieg zwischen 1988 und 1998 gibts für den Rückgang mehrere Gründe, wie Meier und andere Expertinnen feststellen: Die meisten Politikerinnen, die heute an der Spitze sind, haben ihre Karrieren in den 90er-Jahren gemacht, der Nachwuchs fehlt zum Teil. Die bessere Ausbildung und die stärkere Berufsorientierung haben die Prioritäten der Frauen mehr auf die Berufslaufbahn verschoben. Die mangelhafte Vereinbarkeit von Beruf und Familie bringt wenig Anreiz, sich auch in der Politik zu engagieren. Das leuchtende Beispiel des Bundesrates sowie ein weitverbreiteter Unwille, sich noch mit Geschlechterfragen zu befassen, dämpft den Elan der Parteien. Die zunehmende Personalisierung der Politik durch die Medien kann vor allem verheiratete Frauen mit Kindern abschrecken. Die Wahlbeteiligung der Frauen liegt generell unter jener der Männer. Zu wenig Frauen wählen Frauen. Frauen haben bei den bürgerlichen Parteien ein Nominierungsproblem und bei den linken ein Wahlproblem. Die Zürcher Frauenzentrale appelliert ausdrücklich an die Parteien, in ihren Anstrengungen nicht nachzulassen. Besonderer Handlungsbedarf bestehe bei SVP, EDU und EVP. Im Frauenzentrale-Bulletin ist zudem ein Aufruf publiziert, beim Wählen zu panaschieren und zu kumulieren: Männer zu streichen und durch Frauen zu ergänzen.

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