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Fehraltorfer erteilen dem Gemeinderat eine deutliche Abfuhr

Die Gemeindeversammlung lehnte das Sanierungsprojekt des Gemeinderats mit 777 zu 133 Stimmen klar ab. Er wollte die Kempttalstrasse umgestalten.

Von Pia Wertheimer Fehraltorf – Den Fehraltorfern bliess ein rauer Sturmwind entgegen, als sie am Montagabend den Weg an die Gemeindeversammlung unter die Füsse nahmen. Während sich die Stimmbürger üblicherweise im Heiget-Huus versammeln, nahmen sie diesmal ihr politisches Recht in der Reithalle Barmatt wahr. Der erste Versuch, die Rechnungsgemeindeversammlung durchzuführen, scheiterte am 7. Juni an den 800 erschienenen Fehraltorfern. Sie fanden in der Mehrzweckhalle Heiget nicht Platz. Grund für den Grossaufmarsch war die traktandierte Umgestaltung und Sanierung der Kempttalstrasse. Einem rauen Wind sah sich auch der Gemeinderat in der Reithalle ausgesetzt. Er sass 941 Fehraltorfern gegenüber. Als Gemeindepräsident Wilfried Ott (SVP) mit den Worten «so, jetzt sind wir so weit» das vierte Traktandum ankündete, waren in seiner Stimme die Zweifel hörbar. Er wusste vom Widerstand, welcher sich in der Bevölkerung gegen die Umgestaltung der Kempttalstrasse regte (siehe Interview). Mit Plakaten hatten sich die Anwohner Luft gemacht (der TA berichtete). Für das Vorhaben beantragte der Gemeinderat 1,39 Millionen Franken. «Schon in den 1970er-Jahren empfanden die Fehraltorfer die Verhältnisse auf der Kempttalstrasse als unzumutbar», blickte Ott zurück. Daraufhin konzipierte die Behörde eine Südumfahrung. Der Souverän schickte die Vorlage am 27. Mai bachab. 2006 gaben anlässlich einer Umfrage 80 Prozent der Befragten an, dass die Verkehrssituation in Fehraltorf schlecht bis sehr schlecht sei und dass sie der Verkehr störe. «Darauf haben wir reagiert», hielt Ott fest. Der Kanton müsse die Verkehrsachse sanieren und der Gemeinderat wolle die Gelegenheit nutzen und die Strasse nicht nur verschönern, sondern auch gleich umgestalten. Er strebe so mehr Sicherheit, weniger Lärm, weniger Staus und dadurch ein attraktiveres Zentrum an. Ott legte die Karten offen auf den Tisch: «Weniger Verkehr wird es dadurch nicht geben, er wird aber langsamer und gleichmässiger also leiser durch unser Dorf gefahren.» Stefan Matt vom Komitee gegen Umgestaltung Kempttalstrasse und Anwohner der Kempttalstrasse liess die gemeinderätlichen Argumente nicht gelten: «Die Sicherheit wird im Gegenteil schlechter und dies zu sehr hohen Kosten.» Das Vorhaben sah vor, eines der beiden Lichtsignale zu entfernen. «Das ist ein Fehler, nur bei den Lichtsignalen können Schulkinder und Senioren sicher über diese Strasse.» Zudem würden bei geringerem Tempo die Abstände zwischen den Autos kleiner. Dies mache die Situation für Fussgänger und Einbieger schwieriger. Matt bezweifelte zudem, dass die angegebenen Kosten ausreichten, müsste die Gemeinde im Falle einer Enteignung doch auch für den entgangenen Umsatz des betroffenen Gewerbes aufkommen. «Der Steiner-Beck verliert zwei Parkplätze, auch der Coiffeur Salon Centro muss zwei Felder hergeben.» Matt und Ott kreuzten die Klingen zum Thema bereits im Vorfeld: Im präsidialen Blog warb Ott für die Umgestaltung, worauf Matt erwiderte: «Glauben Sie einem Exekutivpolitiker nicht alles.» Auch Hanspeter Bachofen wohnt an der Kempttalstrasse und wehrte sich gegen den Plan des Gemeinderats. Er fragte die Versammlung: «Ist es eine Verschönerung, wenn die Hälfte Ihres Sitzplatzes zubetoniert wird?» Kreisel wird gebaut Die gegnerischen Voten schienen kein Ende zu nehmen, als Johanna Bernet das Wort ergriff: «Ich habe das Gefühl, dass jeder zum Strassenbauexperten geworden ist. Haben Sie Vertrauen in den von uns gewählten Gemeinderat und sagen Sie Ja.» Sie blieb mit 132 weiteren Fehraltofern damit aber in der Minderheit. In der Schlussabstimmung erteilte die Gemeindeversammlung dem Gemeinderat mit 777 Nein- zu 133 Ja-Stimmen eine gewaltige Abfuhr. Ott: «Dann wird die Kempttalsstrasse nur saniert.» Auch ein zweites Geschäft betraf die Kempttalstrasse: Die Exekutive beantragte einen Kredit von 363 150 Franken für den Bau eines Kreisels bei der Einfahrt der Russikerstrasse. Die Gesamtkosten für das Vorhaben belaufen sich auf rund 1,5 Millionen Franken. Die Differenz berappt der Kanton. Der Gemeinderat hatte wohlweislich die beiden Kempttalstrasse-Geschäfte getrennt, um den Bau des Kreisels nicht zu gefährden. Trotzdem übten einige Anwohner auch hier Kritik. Andy Brülhart monierte, dass die Strecke von Wetzikon nach Effretikon mit Kreiseln gespickt sei. «Jeden Morgen staut sich dort der Verkehr.» Gerhard Schmid von der kantonalen Baudirektion hielt dagegen: «Unsere Erkenntnisse zeigen das Gegenteil. Kreisel verflüssigen den Verkehr, und zwar in allen Richtungen.» Schliesslich bewilligten die Fehraltorfer den Kreditantrag des Gemeinderates grossmehrheitlich. Ja sagten sie auch zur Jahresrechnung 2009 der Politischen Gemeinde. Diese schliesst mit einem Minus von 1,3 Millionen Franken ab, wobei sich ein Aufwand von 34,8 Millionen Franken und ein Ertrag von 33,5 Millionen Franken gegenüberstehen. Grünes Licht gaben die Fehraltorfer zudem für ein Darlehen von 250 000 Franken für den Verein Pferdesportzentrum Fehraltorf. Damit wollen die Pferdesportler einen Allwetterreitplatz mit Aussenboxen auf dem Areal Barmatt erstellen. Schliesslich wählten die Fehraltorfer sämtliche vorgeschlagenen Kandidaten für das Wahlbüro.

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