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«Fast wie Schach – nur schneller»

Paul Remund, Stadtpräsident von Opfikon, präsidiert auch den Schweizerischen Subbuteo-Verband.

Politiker auf dem Gartenstuhl (1) In der TA-Sommerserie stellen sie ihre ungewöhnlichen Hobbys vor Mit Paul Remund sprach Alexander Lanner Opfikon – Mit der Halskrause, die Paul Remund wegen seiner kürzlich erfolgten Halswirbeloperation tragen muss, fällt ihm das Spielen nicht leicht. Mit dem Finger schnippt er seine Spielfigur gegen den Ball, kommt so immer näher zum gegnerischen Tor. Schiessen darf er erst in der Schusszone, welche durch eine Linie die gegnerische Hälfte nochmals halbiert. Häufig kommt Remund allerdings nicht mehr zum Spielen. Seit er vor acht Jahren in die Politik eingestiegen ist, fehlt ihm schlicht die Zeit dafür. Herr Remund, wie sind Sie zum Subbuteo-Spiel gekommen? Das war 1974 an der Züspa. Die Zeitung «Die Vorstadt» hat an ihrem Stand ein Subbuteo-Spielfeld aufgestellt, das die Besucher ausprobieren konnten. Seither hat mich das Spiel nicht mehr losgelassen. 1975 haben wir den Subbuteo-Club Wallisellen gegründet, seit 1982 amte ich als Präsident des Schweizerischen Verbandes. «Fussballverrückt» war ich aber schon immer: Beim FC Wallisellen habe ich alle Juniorenabteilungen durchlaufen und später bei den Aktiven auch das Traineramt der zweiten Mannschaft übernommen. Nach dem Erreichen des Veteranen-Alters war aber Schluss mit meiner Aktivkarriere. Was macht für Sie den Reiz dieses Tischfussballspiels aus? Das Spiel kommt sehr nahe an den echten Fussball heran. Das Regelwerk ist so weit wie möglich übernommen worden. Offside, Eckball, Freistoss oder Einwurf gibt es alles. Auch Welt- und Europameisterschaften werden durchgeführt. Das Tempo ist zum Teil enorm hoch. Zudem nehmen Strategie und Taktik einen sehr hohen Stellenwert ein. Leider schaffe ich es heute nur noch, an drei bis vier Turnieren pro Jahr teilzunehmen. Ist Subbuteo ein teures Hobby? Nicht unbedingt. Das Tuch kostet rund 100 Franken, mit Holzrahmen etwa 250 Franken. Eine komplette Mannschaft inklusive Ersatzfiguren und Torhüter hat früher nur etwa 10 Franken gekostet. Heute bezahlt man für Figuren, die speziell bemalt und richtigen Profispielern nachempfunden sind, etwa 120 Franken. (Remund spielt mit dem FC Bayern München, Anm. d. Red.) Trikots mit Namen, Frisuren und Hauttöne sind den jeweiligen Spielern angepasst. Dies ist übrigens mein Lieblingsspieler (er hält die Figur von Michael Ballack in die Höhe). Sie arbeiten auf dem Betreibungsamt. Muss ein guter Subbuteo-Spieler auch ein Zahlenmensch sein? Das hilft nicht unbedingt. Klar muss man jeweils überlegen, was als Nächstes drankommt. Im Kopf sollte man sich schon die nächsten drei bis vier Züge zurechtgelegt haben. Es ist fast wie beim Schach – nur schneller. Um richtig gut zu werden, braucht es auch viel Übung. Wer das erste Mal – vielleicht gleich gegen einen geübten Gegner – spielt, kommt anfangs mit dem Tempo nicht mit. Bereits seit 1947 wird das Spiel professionell betrieben. Besonders verbreitet ist das Spiel allerdings nicht. Wie ist dies zu erklären? Es steht und fällt mit den Menschen, die sich dafür engagieren. Als ich vor über 30 Jahren mit dem Subbuteo-Spielen begonnen habe, gab es rund 150 lizenzierte Spieler in der Schweiz. Heute sind es landesweit nur mehr 30. Und an die Turniere kommt aber jeweils nur etwa ein Dutzend. Hätte ich nicht in die Politik gewechselt, wäre mehr Zeit geblieben, um das Spiel an speziellen Veranstaltungen Kindern und Jugendlichen näherzubringen. Vielleicht wäre so der eine oder andere Nachwuchsspieler eingestiegen. In den 80er-Jahren konnte man die Subbuteo-Ausstattungen noch im Franz Carl Weber kaufen. Heute muss man alles über das Internet bestellen. Subbuteo – vom lateinischen Wort für Baumfalke (falco subbuteo) abgeleitet – ist ein Tischfussballspiel. Der englische Vogelliebhaber Peter Adolph reichte 1947 für das Spiel ein Patent ein. Das Spielfeld ist ein grünes Tuch von etwa 80 mal 120 cm. Ein Spiel dauert zweimal 15 Minuten. Jeder Spieler verfügt über 10 frei bewegliche Feldspieler, die auf einem halbrunden Sockel stehen. Gespielt wird Subbuteo, indem man den Zeige- oder Mittelfinger gegen den Sockel schnippt, welcher dann den Ball trifft. Nur der Angreifer darf den Ball spielen. Er verliert den Ballbesitz, wenn er ihn mit seiner Figur verfehlt oder der Ball eine gegnerische Figur berührt. Mit demselben Spieler darf der Ball höchstens dreimal nacheinander gespielt werden. Bei jedem Zug des Angreifers darf der Verteidiger einen Zug machen, um dem Gegner das Spiel zu erschweren. In der Schweiz wird eine Meisterschaft sowie ein Cup durchgeführt. Paul Remund wurde 2005 sowie 2006 Cupsieger und war mehrfacher Vize-Schweizer-Meister. 1985 erreichte er den 4. Platz im Europa-Cup. (all) Paul Remund dirigiert sein Subbuteo-Team über das Feld. Foto: Christoph Kaminski

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