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«Fast jede zweite Zecke trägt die gefährlichen Borrelien in sich»

Lange Hosen, helle Kleider und in der Sonne picknicken schützt vor der Ansteckung, sagt ein Experte.

Nachgefragt Mit Martin Sieverssprach Pascal Münger Gibt es aufgrund des milden Frühlings mehr Zecken in den Wäldern der Region als in anderen Jahren? Bei Sammelaktionen an Standpunkten in Horgen, der Station Sihlwald und am Türlersee hat mein Kollege Thomas Hufschmid von der Fachstelle Phytomedizin eine ähnliche Anzahl Zecken gefunden wie in den letzten Jahren. Bei der Station Sihlwald wurden innert einer Stunde an die 200 Zecken eingefangen. Wie gross ist die Gefahr, sich mit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder der heimtückischen Lyme-Borreliose anzustecken? Die Gefahr von FSME ist eher gering. Erstens kann man sich dagegen impfen lassen, was ich jedem, der sich oft im Wald, an Waldrändern und Wiesen aufhält, empfehle. Dazu kommt, dass nur eins bis fünf Prozent der hiesigen Zecken mit dem Virus infiziert sind. Im letzten Jahr gab es schweizweit 95 Fälle von FSME. Das Gefährliche am Virus ist jedoch, dass er sich im Speichel der Zecke befindet und damit sofort beim Stich auf den Menschen übertragen wird. Ist das bei den Bakterien, die zu einer Borreliose führen, anders? Die Borrelien befinden sich im Darm der Zecken. Sie werden während der Blutmahlzeit übertragen. Das dauert mehrere Stunden. Wer also eine Zecke sofort entfernt – auch der Kopf sollte vollständig aus der Wunde gezogen werden –, hat nur ein geringes Ansteckungsrisiko. Trotzdem stecken sich schweizweit jedes Jahr bis zu 12 000 Personen an. Das liegt daran, dass beinahe jede zweite Zecke die Borrelien-Bakterien in sich trägt. Eine Zecke lebt ungefähr 24 Monate und braucht in dieser Zeit drei Blutmahlzeiten. Sie ist von Geburt an nicht mit Bakterien infiziert, sondern steckt sich von anderen Tieren im Wald an. Was ist das Gefährliche an der Lyme-Borreliose? Die grosse Gefahr besteht darin, dass die Krankheit chronisch werden kann. Am Anfang richten die Borrelien nur lokalen Schaden an und sind mit Antibiotika gut zu bekämpfen. Wird eine Lyme-Borreliose jedoch nicht behandelt, werden weitere Organe befallen, was eine Behandlung immer schwieriger macht. Es können das zentrale Nervensystem oder das Hirn angegriffen und irreparable Schäden verursacht werden. Bei einem Zeckenbiss geht man daher lieber einmal mehr zum Arzt als einmal zu wenig. Welche Symptome treten bei einer Ansteckung zu Beginn auf? Häufig sind das Grippesymptome wie Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, steifer Nacken und Fieber. Diese Anzeichen können mit einer saisonalen Grippe verwechselt werden. Ein sicheres Zeichen ist es, wenn sich rund um die Einstichstelle ein roter Fleck bildet, der sich innert Tagen bis zur Grösse einer Faust ausweitet. In diesem Fall sollte man sofort einen Arzt aufsuchen. Und wie sollte ich mich vor einem allfälligen Zeckenstich schützen? Kurze Hosen sind im Wald tabu. Zudem empfehle ich helle Kleidung. So sind die dunklen Zecken sofort erkennbar und können weggewischt werden. Martin Sievers Der Professor ist Leiter der Fachstelle Mikrobiologie und Molekularbiologie am Institut für Biotechnologie der ZHAW.

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