Zum Hauptinhalt springen

Ex-Pilot schreibt gegen Fluglärm

Die Fliegerei hat in Werner Alex Walsers Leben seit jeher eine wichtige Rolle gespielt. Nun hat der ehemalige Nürensdorfer einen Roman über die Anflugschneise geschrieben.

Von Andrea Söldi Nürensdorf – Und wieder dringt ein Dröhnen durch die Fensterscheiben. Werner Alex Walser sitzt am Tisch in seinem Haus in Nürensdorf. Vor sieben Jahren ist der ehemalige Swissair-Pilot zwar von seinem Fluglärm-belasteten Wohnort weggezogen ins ruhige sankt-gallische Bronschhofen. Dieser Tage ist er jedoch wieder vor Ort, weil im Nürensdorfer Haus Schallschutzfenster eingebaut werden. «Wir machen das zunächst auf eigene Kosten. In welchem Rahmen sich der Flughafen beteiligt, ist noch unsicher», sagt Walser. Seit er und seine Frau weggezogen sind, wird das Haus von seinem Sohn bewohnt. Fliegen und die damit verbundenen Emissionen haben den 70-Jährigen einen grossen Teil seines Lebens umgetrieben. Nun bildet der Konflikt um den Fluglärm auch den Hintergrund für sein drittes Buch. «Ein Roman braucht einen Konflikt, und der Fluglärm bot sich geradezu an», findet der Schriftsteller. Seines Wissens gebe es noch keine andere Prosaliteratur, die das Thema aufgreife. «Das Kreuz des Ostens» ist ein fiktiver Roman mit kriminalistischen Elementen. Schützenhilfe für den «Osten» Als Anwalt der Fluglärmgeschädigten möchte sich der Schriftsteller zwar nicht verstehen. Wenn er aber mit seinem Buch dem «Osten» ein wenig den Rücken stärke, dann könne ihm das nur recht sein. «Ich will meine Figuren sprechen lassen.» Dies tut er zum Beispiel mit der Schwägerin des Protagonisten Theodor Maibach, die ziemlich ungelegen zum Herrenanlass mit Animierdame aufkreuzt: «Und? Lässt du mich bei diesem Lärm noch lange hier draussen stehen?, rief sie und deutete zu dem Flugzeug hoch, das unvermittelt über sie hinwegdonnerte.» Maibachs Ehefrau erholt sich derweilen bei einem Kuraufenthalt vom Fluglärm. Eine Prise «Sex and Crime» hält den Leser bei der Stange, legte ihm sein Verleger nahe. Das fiktionale Schreiben hatte sich Walser in Kursen angeeignet, nachdem er mit seinem ursprünglichen Manuskript abgeblitzt war. Dies, obschon er beim selben Verlag bereits zwei Biografien herausgegeben hatte, die sich bestens verkauften: 2003 hielt er in «Eden und Kerosin» seine Erinnerungen als Pilot fest; 2005 folgte «Feldgrau und swissairblau», wo er unter anderem auf seine Zeit als Berufspilot bei der Schweizer Luftwaffe zurückblickt. Mit 60 Jahren wurde Walser pensioniert. Ungern gab der passionierte Flieger seinen Beruf auf, aber nun hatte er endlich Zeit für seine zweite Leidenschaft: das Schreiben. Jeden Morgen stehe er um sechs Uhr auf und arbeite diszipliniert, sagt Walser. Sein Tagesablauf sei streng strukturiert. Wenn dann der Text nach langem Kneten endlich sitze, sei das, wie bei Sonnenuntergang in San Francisco zu landen, oder: «wie wenn man auf dem Hongkonger Kaitak-Flughafen eine feine Landung hingeschmirgelt hat». Und als Schreibender erlangt Walser dieses Gefühl erst noch, ohne selber Verursacher des Lärms zu sein, unter dem er, seine Familie und viele andere leiden. Am 19. Oktober 2001 um halb sechs Uhr morgens ging es los: Nachdem Deutschland den Anflug über süddeutsche Gebiete verboten hatte, donnerten die Jets von einem Tag auf den anderen über Nürensdorf. Walsers Haus liegt – wie jenes der Romanfigur Maibach – direkt in der Anflugschneise. «Ab fünf Uhr schlief ich jeweils im Luftschutzkeller weiter», erzählt seine Frau Ursula. Seit ein Teil der Anflüge über den Süden abgewickelt wird, beschränkt sich das Röhren und Dröhnen auf die Mittag- und Abendstunden. «Natürlich brauchen wir den Flughafen», ist Walser klar. Aber man müsse den Lärm zeitlich und geografisch gerecht verteilen. Der «Osten» werde vom Flughafen zu wenig ernst genommen, findet der ehemalige Nürensdorfer. Selber in einem Flugzeug gesessen hat Walser seit seiner Pensionierung nicht mehr. Für Ferien hat er kaum Zeit. Bereits arbeitet er an seinem nächsten Roman. Mit der Fliegerei werde dieser jedoch nichts zu tun haben, verrät der Schriftsteller. Rund um den Flughafen Zürich-Kloten schwelt seit Jahren ein Streit um die Verteilung des Fluglärms. Dem ehemaligen Swissair-Piloten Werner Alex Walser dient er als Hintergrund für einen süffigen Unterhaltungsroman. In «Das Kreuz des Ostens» erzählt er die Geschichte von Theodor Maibach, der mit seiner Frau Frau Vega in einem traumhaft gelegenen Schloss im zürcherischen Sommerberg lebt. Dieses hat nur einen Nachteil: Es kommt von einemTag auf den anderen direkt unter eine Anflugschneise zum Flughafen Zürich zu liegen. Als Vega wegen des Fluglärms zur Kur im Ausland ist, lädt Maibach seine alten Freunde zu einem «Sennenball» auf sein Anwesen ein. Dabei verunfallt eine polnische Animierdame tödlich. Damit nicht genug: Kurz nach ihrer Rückkehr wird Vega von einem Gegenstand schwer verletzt, der die gläserne Kuppel ihres Schlafzimmers durchschlägt. Das ist zu viel für Theodor Maibach, er erleidet einen Hirnschlag.In der Luxusklinik, wo er zur Rehabilitation weilt, trifft er auf Flughafendirektor Enz, seinen Erzfeind.Werner Alex Walser: Das Kreuz des Ostens. Appenzeller-Verlag. 248 S., 38 Fr.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch