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Ergiebiger politischer Humus

Der Bezirk Horgen stellt überdurchschnittlich viele Regierungsräte. Einen Grund dafür sehen die Amtsinhaber im politischen Bewusstsein.

Von Daniela Haag Das linke Seeufer und das Sihltal scheinen ein gutes politisches Pflaster zu sein. Mit dem Adliswiler Thomas Heiniger (FDP) und dem Wädenswiler Ernst Stocker (SVP) belegt der Bezirk Horgen zwei Plätze im sieben Sitze zählenden Regierungsrat. Eine starke Vertretung, schliesslich gibt es zwölf Bezirke. Die Delegation dürfte nach den Wahlen vom 3. April noch steigen, denn der Adliswiler Mario Fehr (SP) ist ein aussichtsreicher Kandidat. Doppelvertretungen aus dem Bezirk Horgen oder anderen Bezirken habe es früher schon gegeben, relativieren die gewählten Regierungsräte diese Häufung. «Man darf das nicht überbewerten», sagt Heiniger. «Aber Agglomerationsgemeinden sind politisch interessant.» Dies könne dem politischen Nachwuchs förderlich sein.Heiniger war selbst 20 Jahre lang im Stadtrat von Adliswil, davon 13 als Präsident. «Unter den Gemeindevertretern herrscht eine gute politische Kultur», sagt er. Es sei nicht erstaunlich, wenn man an der Politik Gefallen finde. Stocker, der wie Heiniger als Stadtpräsident in die kantonale Regierung gewählt wurde, findet mögliche Ursprünge für das grosse politische Bewusstsein in der Geschichte des Bezirks. Seit dem Bockenkrieg nähmen die Horgner gerne die Möglichkeit wahr, mehr Einfluss in Zürich zu nehmen, philosophiert er. Mit dem ihm eigenen trockenen Humor fügt er an: Man könnte auch sagen, das raue Wetter an der Pfnüselküste härte die Einwohner ab. Sie seien deshalb robust, was in der Politik von Vorteil sei. Pragmatisch ist seine dritte Erklärung: «Man muss einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.» Vor dem Duo Heiniger/Stocker vertrat schon das Gespann Eric Honegger (FDP, Rüschlikon) und Hans Hofmann (SVP, Horgen) den Bezirk im Regierungsrat. Sie amteten zwölf Jahre gemeinsam (1987–1999). Die Herkunft habe bei der Wahl keinen Einfluss, sagt Honegger. Wo jemand Wohnsitz nehme, hänge selten von politischen Umständen, vielmehr von persönlichen Wünschen ab. Hofmann sagt: «Im Kanton Zürich spielt die regionale Herkunft keine Rolle.» Die bisherigen Regierungsräte sehen in der Doppelvertretung kein Problem für den Kanton. Dass die Regierung möglicherweise noch «Horgen-lastiger» wird, könnte für die Exekutive sogar von Vorteil sein, wenn man den Regierungsratskandidaten Fehr argumentieren hört. In den grossen Vorortsgemeinden Adliswil, Horgen und Wädenswil halte keine Partei die Mehrheit, sagt er. Deshalb suchten die Politiker Konsenslösungen und lernten, Kompromisse einzugehen. Politiker durchliefen in den Städten und Gemeinden eine gute Schule. Kein Schaden für Kanton So vorteilhaft die amtierenden, ehemaligen und möglicherweise zukünftigen Regierungsräte von ihrer politischen «Kinderstube» sprechen, so vorbildlich stellen sie auch die Auswirkungen auf die Tätigkeit im Gremium dar. Eine Doppelvertretung aus dem Bezirk führt demnach weder zu Filz, noch schade sie dem Kanton. Stocker sagt, er habe sowohl Heiniger wie auch die anderen Regierungsräte schon vor seiner Wahl gekannt. Die Geschäfte aus dem Bezirk kenne man zwar à fond, «aber es existiert keine Bezirksfraktion». Man sei zwar mit den «Ecken und Winkeln» im eigenen Bezirk vertraut, sagt Heiniger. Beim Seeuferweg oder den Hochspannungsleitungen spiele dies auch eine Rolle. Die persönliche Kenntnis sei aber nicht die einzige Form, wie er sich ein Bild von einem Geschäft mache. Er sei auch nicht der Vertreter des See-Spitals aus dem Bezirk Horgen in der Kantonsregierung. Vielmehr sei er als Gesundheitsdirektor der Spitalversorgung des ganzen Kantons verpflichtet. Mario Fehr Der Adliswiler kandidiert am 3. April für den Zürcher Regierungsrat. Er gehört der SP an. Thomas Heiniger Der Adliswiler ist seit dem 15. April 2007 Zürcher Regierungsrat. Er gehört der FDP an. Ernst Stocker Der Wädenswiler ist seit dem 1. Mai 2010 Zürcher Regierungsrat. Er gehört der SVP an.

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