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Entwicklungshilfe im Sand

Unverhofft muss die Klotener Juniorin Joana Heidrich an der Seite von Isabelle Forrer gegen die weltbesten Beachvolleyballerinnen bestehen. Eine neue, lehrreiche, eigentlich aber einfachere Aufgabe für sie.

Von Deborah Bucher Eingefädelt haben den Deal die Trainer Sebastian Beck und Markus Egger. Isabelle Forrer aus dem Beachvolley-Nationalteam war nach dem Ausfall von Standardpartnerin Sarah Meyer-Schmocker auf schnellen Ersatz angewiesen. Egger schlug der 28-Jährigen seinen Schützling Joana Heidrich (19) aus dem Schweizer Nachwuchspool vor. Zwar noch nicht vom Leistungsausweis her, aber bezüglich ihrer Möglichkeiten auf der Position der Blockspielerin bildet die Zürcher Unterländerin die ideale Ergänzung zu Forrer. Zudem kennen sich die beiden aus dem nationalen Leistungszentrum in Bern. Die routinierte Verteidigerin und Angriffsvorbereiterin bezeichnet ihre temporäre Neuerwerbung deshalb «als naheliegendste Lösung». So fand das Duo zusammen, ohne aber je einmal zusammengekommen zu sein. «Unsere Wege kreuzen sich in Bern regelmässig. Doch haben wir noch nie gemeinsam trainiert, dafür häufig nacheinander», sagt Heidrich. Weil die Zeit drängte, kam es auch vor dem Debüt beim A1-Turnier in Winterthur zu keiner Übungseinheit in dieser Besetzung. Gleichwohl feierten die zwei vor einer Woche auf Anhieb einen Sieg, bekamen dann aber mit zwei Niederlagen und dem 5. Rang die Limiten aufgezeigt. Zurück zur Basis Für Forrer, die 2007 und 2008 bei den Schweizer Meisterschaften der Elite als Zweite auf dem Podest gestanden hatte, zog der Teamwechsel eine erhebliche Umstellung nach sich. Sie schildert ihre neu gewonnenen Erkenntnisse frei von jeder Wertung und attestiert Heidrich ein grosses Potenzial. Die Voraussetzungen seien aber ganz anders. Mit Meyer-Schmocker, die seit Wochen an Schmerzen in der Hüfte laboriert, eine Operation in Betracht ziehen muss und deshalb für den Rest der Saison ausfallen dürfte, verbindet sie eine eingespielte und zuletzt fruchtende Zusammenarbeit auf höchstem Niveau. Als zweitbestes Tandem im Land hinter Simone Kuhn/Nadine Zumkehr verbesserten sie sich in der Weltrangliste bis auf Platz 28. «Wir konnten an Details feilen und intensiv nach Lösungen suchen», erklärt sie. Mit der 1,90 m grossen Heidrich, die noch im Juniorenalter ist, hat sie eine Partnerin zur Seite, «auf die ich noch sehr stark schauen muss». Deshalb fühlt sie sich manchmal mehr als Coach denn als Athletin. «Wir arbeiten an der Basis und im technischen Bereich», so Forrer. Heidrich sammelt in neuer Konstellation wertvolle Erfahrungen. Vor drei Tagen erlebte sie auf der World Tour in Klagenfurt (Ö) ihre Feuertaufe an einem Grand Slam im Ausland. Dabei überstand das ungleiche Duo die erste Qualifikationshürde, ehe es sich gegen die an Nummer 3 gesetzten Fernandez/Baquerizo (Sp) eine Niederlage in drei Sätzen einhandelte. «Mit etwas Glück hätten wir auch gewinnen können», analysiert die KV-Schülerin. Der heftig einsetzende Regen habe ihren Spielfluss gestört. «Die erschwerten Bedingungen deckten die Abstimmungsprobleme auf. Durch die Nässe wurde der Ball schwerer, wir konnten nicht mehr wie gewünscht Druck erzeugen.» So fanden sie nach dem Satzausgleich im Tiebreak (9:15) kein Mittel mehr, um dagegenzuhalten. Wie Forrer spricht auch Heidrich von einer ganz anderen Erfahrung. Zumal sie diese auf einem Level machen muss, auf dem sie gar nicht erprobt ist. Trotzdem hat die Indoorakteurin bei der NLA-Mannschaft von Kanti Schaffhausen den Eindruck, dass es ihr fast leichter fällt. «Isabelle kann mir ihre Erfahrung und ihr Wissen weitergeben und mich im Spiel auf Fehler hinweisen. Ich profitiere viel von ihr.» Deshalb glaubt Heidrich, dass dieses Experiment hilfreich für ihre weitere Entwicklung sei. Erste Fortschritte liessen sich bereits konstatieren. Bei den Annahmen fühlt sie sich sicherer, weil «Isabelle haargenau voraussagen kann, wohin ich mich bei längeren Services verschieben muss». Zudem haben beim Passspiel die Bälle ihrer Mitspielerin immer die gleiche Höhe und Präzision und werden damit zu idealen Vorlagen für Heidrich. U-23-WM nicht vernachlässigen Bei dieser Rochade gibt es eine Verliererin: Marlen Brunner (21), ihre bisherige Weggefährtin. Das Klotener Gespann wurde 2009 mit dem Beach Award «Youngster of the year» ausgezeichnet und war auch heuer mit einem 4. Platz beim nationalen A1-Turnier in Zug und einer starken Qualifikation auf der World Tour in Gstaad vielversprechend unterwegs. «An Marlens Stelle würde ich genau gleich reagieren: zunächst mit Enttäuschung und erst dann mit Verständnis», fasst Heidrich die Antwort ihrer Partnerin auf die temporäre Trennung zusammen. Drei Einsätze, am Wochenende in Lausanne, um Spielpraxis zu sammeln, und dann erneut auf der grossen Bühne in Polen und Norwegen sind noch mit Forrer geplant. Dann springt die Vertretung wieder ab. «Der Verband hat ermöglicht, dass ich mit Marlen noch eine Exhibition in Rorschach spielen kann und wir Ende August an die U-23-Weltmeisterschaft auf Kos reisen.» Joana Heidrich springt kurzfristig beim zweitbesten Schweizer Duo ein. Foto: PD Bildlegende Text. Foto: TA-Archiv

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