Zum Hauptinhalt springen

Eine wichtige Zwischenstation auf dem Weg nach Südafrika

Die Klimakonferenz müsste eigentlich in Mexico City stattfinden, um die Dringlichkeit des Klimaschutzes zu betonen.

Klimagipfel Von Martin Läubli In der Touristenhochburg Cancún an der karibischen Küste Mexikos geht es in den kommenden zwei Wochen in die nächste Runde der internationalen Klimapolitik. Delegationen von 193 Staaten der UNO-Klimakonvention versuchen, wieder Bewegung in die verfahrenen Klimaverhandlungen zu bringen. Im Gegensatz zur letzten Klimakonferenz in Kopenhagen werden diesmal aber keine grossen Erwartungen geschürt. Niemand spricht von einem neuen Klimavertrag, dem Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls, das 2012 ausläuft. Trotzdem hat die mexikanische Regierung ehrgeizige Ziele. Die mexikanische Aussenministerin und diesjährige Präsidentin der Klimakonferenz, Patricia Espinosa, hat angedeutet, dass sie sich Teilerfolge erhofft – zum Beispiel beim Schutz der Regenwälder, bei der Finanzierung des Klimaschutzes oder beim Transfer von Umwelttechnologien in die Entwicklungsländer. Die Klimakonferenz müsste eigentlich in der mehr als 1500 Kilometer entfernten Hauptstadt Mexico City stattfinden, um die Dringlichkeit des Klimaschutzes zu unterstreichen. Mit rund 25?Millionen Einwohnern gehört sie zu den grössten Metropolen der Welt. Die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in städtischen Siedlungen. Und in 40 Jahren werden es laut UNO vermutlich 6 von 10 Menschen sein. 70 Prozent der globalen Emissionen stammen aus städtischen Gebieten. Über 3000 Städte weltweit sind in Küstengebieten gebaut, die weniger als 10 Meter über dem Meeresspiegel liegen. Knapp zwei Drittel sind in Entwicklungsländern, vor allem in der Karibik, in Lateinamerika und Afrika. Die Häufigkeit starker tropischer Wirbelstürme nimmt voraussichtlich durch die Erderwärmung zu. Diese Zahlen sind nicht neu und werden an den Klimaverhandlungen jedes Jahr von Wissenschaftlern und NGOs verkündet. Deshalb fordern die Vertragsstaaten der Klimakonvention jeweils bei der Eröffnung der Konferenzen, es müsse dringend gehandelt werden. Auch dieses Jahr. Die EU zum Beispiel geht mit dem Klimaziel voran, 20?Prozent der Treibhausgasemissionen zu reduzieren – sogar 30?Prozent, falls andere Staaten mitziehen. Die Realität sieht anders aus: Die USA haben in Cancún nichts anzubieten, weil nach den Parlamentswahlen im Herbst die Klimadebatte blockiert ist. Und China ist zwar gewillt, national in den Klimaschutz zu investieren, will die Anstrengungen aber nicht von internationalen Experten überprüfen lassen. Dennoch ist Cancún eine wichtige Zwischenstation auf dem Weg zu einem neuen Klimavertrag, der in Südafrika wieder verhandelt werden soll. Eine grosse Rolle spielt dabei auch die Finanzierung des Klimaschutzes. Im Beschluss von Kopenhagen versprachen die Industrieländer, bis 2020 jährlich 100 Milliarden für die Entwicklungsländer zu sprechen. Die Vertragsstaaten sollen deshalb in Cancún einem Klimafonds zustimmen. Die Weltbank, so eine Idee, würde die Gelder verwalten. Offen ist allerdings, wie diese riesige Geldsumme generiert werden soll. Unter anderem mit Steuern auf CO2-Emissionen oder mit Taxen auf Flugzeugtickets, so Vorschläge eines UNO-Expertengremiums. Die mexikanische Konferenzführung hat am ersten Tag auf konstruktive Verhandlungen gepocht. Doch wie gewohnt: «Man fürchtet, dass die Verhandlungen wegen Prozedurfragen nicht vorankommen», sagt Patrick Hofstetter vom WWF Schweiz und Mitglied der Schweizer Delegation. Drei Stunden diskutierten gestern Delegierte, welchen Status in den Verhandlungen ein Bericht des Vorsitzenden der Arbeitsgruppe für langfristigen Klimaschutz erhalten solle.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch