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Ein Rezept gegen die Einsamkeit

Alten Menschen fehlt es zusehends an Gesellschaft zu Hause – an jemandem zum Reden oder Zuhören. Am Zürichsee schafft seit einem Jahr ein Verein Abhilfe, der ihnen Besucher vermittelt.

Von Monica Mutti Vorbei sind die Zeiten, als die Grossmutter ins Stöckli einzog, tagsüber ein waches Auge auf die Enkel warf oder da und dort im Haushalt mithalf. Das Mass aller Dinge ist längst das Einfamilienhaus oder allenfalls die Wohnsiedlung. Da bleibt kaum Platz. Und wenn doch, dann eher fürs Aupair als für die betagten Grosseltern. Viele Senioren können sich zudem kaum mehr frei bewegen, Gehschwierigkeiten oder Sehschwächen hemmen sie. Oder der Verlust des Ehepartners, der für sie da war. Deshalb verbringen immer mehr alte Menschen ihre Tage alleine zwischen Küche, Wohn- und Schlafzimmer. Dem versucht der vor einem Jahr gegründete Verein «Besuchsdienst zu Hause oberer Zürichsee» entgegenzuwirken. Finanziert wird er durch Mitglieder und Spenden sowie durch die dem Verein angeschlossenen Gemeinden Uetikon, Männedorf, Stäfa und Oetwil. Ziel des Vereins ist es, Freiwillige zu finden, welche die Betagten regelmässig besuchen, um einige Stunden mit ihnen zu verbringen. Je nach den Wünschen der Senioren geht das vom Guetslibacken, Kartenspielen oder Spazierengehen übers Vorlesen bis hin zum gemeinsamen Tagesausflug. Wichtig ist das erste Gespräch Die pensionierte Stäfner Psychologin Maria Herzog klärt in einem ersten Gespräch jeweils die Bedürfnisse der Betagten ab. Sie ist Vermittlerin und Koordinatorin des Vereins. In den Gesprächen erfahre sie viel über die Menschen, die besucht werden möchten, erklärt sie. Nur so könne sie für jeden eine passende Besucherin finden. Auch die interessierten Freiwilligen führen zuallererst einmal ein Gespräch mit Herzog. «Die wichtigste Voraussetzung für Besucher ist es, sich für die älteren Menschen und deren Leben zu interessieren», sagt die Psychologin. Im anschliessenden Einführungskurs, der von Fachleuten der Pro Senectute geleitet wird, erhalten die künftigen Besucher das notwendige Rüstzeug zu Themen rund um Altersfragen. Sechs ältere Männer und acht Frauen profitieren seit einem Jahr vom Besuchsdienst. Eine von ihnen ist die 82-jährige Uetikerin Elsbeth Effinger, die von der gebürtigen Deutschen Anja Schmidt besucht wird. Die 44-Jährige wohnt seit sieben Jahren in Erlenbach. Die gross gewachsene Schmidt und die kleine Effinger könnten optisch nicht unterschiedlicher sein – dennoch seien sie das absolute Dream-Team, finden sie einhellig. «Ich bin Elsbeths Augen», sagt die Deutsche. «Und ich zeige ihr die Schweiz», entgegnet die Seniorin lachend. Sie unternimmt leidenschaftlich gerne Tagesausflüge. «Seit ich so schlecht sehe, kann ich das alleine nicht mehr machen.» Ihren Kindern fehle dafür die Zeit, weil sie berufstätig sind. Als ihr eine Nachbarin vom Besuchsdienst erzählte, war sie sofort Feuer und Flamme und meldete sich bei Maria Herzog, die den Kontakt vermittelte. Seither reisen die zwei Frauen kreuz und quer durch die Schweiz. Luzern, Einsiedeln, Flims und Bern sind nur einige der Destinationen, die sie besucht haben. Heute steht für einmal kein Ausflug, sondern ein Nachmittag bei der Seniorin und deren Katze Shila auf dem Programm. Bei Kaffee und Kuchen wird viel erzählt und gelacht, der Nachmittag vergeht wie im Flug: «Ich habe viel von dir gelernt, Elsbeth», sagt Schmidt, «und ich wünsche mir, im Alter auch so optimistisch und mutig zu sein wie du.» Diese freut sich über das Kompliment, ihre Augen blitzen schelmisch: «Ja, wir haben miteinander das grosse Los gezogen.» Kontakt: Maria Herzog, 044 796 22 72. Bezeichnen sich als absolutes Dream-Team: Elsbeth Effinger und Anja Schmidt (v. l.). Foto: Daniel Kellenberger

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