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Ein Maultier namens Ines

Ines Meyer aus Richterswil hat einen Film über Maultiere gedreht. Dabei lernte sie viele Maultierverrückte kennen. Der Film ist nun im Stall zu sehen.

Von Daniel Stehula Richterswil/Hütten – Zwei Tage und eine Nacht harrte Ines Meyer im Stroh aus. Sie wartete darauf, dass eine Pferdestute ihr Fohlen gebären würde. Die Stute war von einem Esel gedeckt worden, und das Fohlen würde ein kleines Maultier sein. Maultier-Fachleute hatten ihr versichert, dass eine solche Geburt noch nie gefilmt worden sei. Umso besser. Ines Meyer drehte gerade Material für ihren Film «Muli» – einen Dokumentarfilm über Schweizer Halterinnen und Halter von Maultieren und Mauleseln. Als das Fohlen schliesslich zur Welt kam, war es bereits wieder Tag. Sein Besitzer nannte es nach Ines Meyer. Die Geburt des Maultierfohlens kann man derzeit miterleben – der Dokumentarfilm befindet sich auf einer Tour durch Schweizer Ställe. «Der Rahmen passt perfekt zum Inhalt des Films», sagt Meyer. Sie weist darauf hin, dass nur der Rahmen rustikal sei. Das Filmmaterial hingegen sei in HD-Qualität gefilmt. Im Herbst kommt der Film in die Kinos. Die in Richterswil aufgewachsene Meyer ist keine Tierfilmerin. Was sie zum Maultier brachte, war anfangs eine Auftragsarbeit. Doch sie entwickelte sich zu einem der grösseren Projekte, die Meyer neben ihren Filmen zum Broterwerb anpackt. Die Interessengemeinschaft (IG) Maultier hatte sich zu ihrem 20-Jahr-Jubiläum einen Film über die IG und das Maultier gewünscht. «An der Generalversammlung waren alle für einen grossen Film», erinnert sich Meyer. Einige der Vereinsmitglieder halfen bei der Recherche – «die Szene ist sehr eng vernetzt», sagt Meyer – und dabei, Sponsoren für das Filmprojekt zu sammeln. So kam sie zum Maultier. Wer ist der Vater? Maultier und Maulesel sind zwei verschiedene Tiere und irgendwie doch dasselbe. Beides sind unfruchtbare Hybriden, die aus einer Kreuzung zwischen Pferd und Esel entstehen. Sie sind trittsicher wie Esel und annähernd so stark wie Pferde. Säumer vertrauten auf die Qualitäten der Tiere, das Militär und die Älpler ebenso. In den Dreissigerjahren des vergangenen Jahrhunderts lebten rund 4000 Maultiere und Maulesel in der Schweiz. Heute sind es noch knapp 500. Der technische Fortschritt verdrängte die Mulis. Deshalb braucht man Eselsbrücken, um Maultier und Maulesel auseinanderhalten zu können. Im Film sagt es ein Maultierzüchter so: «Ähnlich wie beim Menschen ist in der Regel der Vater der Esel.» Ein Maulesel hat ein Pferd zum Vater. Obwohl das Tier im Zentrum ihres Films steht, interessierte sich Meyer vor allem für die Menschen, die Mulis halten – die Dressur- und Springreiten mit ihnen machen, mit ihnen wandern und sie allein zum Einkaufen ins Dorf schicken. Menschen wie Josefine Jacksch aus Hütten, in deren Stall der Film gezeigt wird. Die Maultierhalter kommen laut Meyer aus allen Bevölkerungsschichten. Ihnen ist eines gemeinsam: «Wenn sie den Narren am Muli gefressen haben, dann geben sie es nicht mehr her», sagt Meyer. Während der Dreharbeiten hat auch sie ihr Herz an das Maultier verloren. Eines ist quasi für sie bestimmt: das Fohlen Ines. «Wegen des Namens kann es der Bauer kaum verkaufen», sagt Meyer. Aber ihr fehlen Geld und Zeit, um Teil der Maultiergemeinschaft zu werden. Der Dokufilm «Muli» wird am 13. 8. im Stall der Familie Blum, Froh Ussicht 1, in Samstagern gezeigt und am 4. 9. bei Josefine Jacksch, Frohe Aussicht, in Hütten.www.maultier-film.ch Das neugeborene Muli, das den Namen der Filmerin trägt. Foto: PD «Wenn sie den Narren am Muli gefressen haben, geben sie es nicht mehr her.» Ines Meyer, Regisseurin

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