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Ein hehres Haus aus dunklen Zeiten

Das Luxushotel Lutetia in Paris, einst von den Nazis besetzt, wird von israelischen Investoren gekauft.

Von Oliver Meiler Was hat die Lobby dieses noblen Hauses nicht schon erlebt in den 100 Jahren seines bewegten Lebens. Im Hotel Lutetia im VI. Pariser Arrondissement, der vielleicht besten Adresse auf der Rive Gauche, der linken Uferseite der Seine, Zimmer ab 300 Euro, verkehrten Schriftsteller und Politiker, Schauspieler und Wirtschaftskapitäne. Seine Nähe zum Café de Flore und zum Deux Magots, der Treffpunkte der Denker und Dichter, verlieh dem Haus nach dem Krieg eine Aura des intelektuellen Glamours. In seiner Bar sassen Jacques Prévert und Jean Cocteau. In seinem Restaurant assen die Neuen Philosophen Austern. Die Art-Déco-Fassade des Palasts, erbaut 1910, ist eine mächtige Landmarke – und ein Mahnmal. Wenn nun nämlich eine israelische Immobilienfirma das Hotel kauft, das dringend einer Renovation bedarf, um mit anderen Luxushäusern in der Stadt Schritt halten zu können, dann entbehrt das nicht einer starken symbolischen und historischen Bedeutung. Das Lutetia diente den Nazis im Zweiten Weltkrieg, als sie Paris besetzt hielten, als Hauptquartier des Dienstes für Gegenspionage und als eine Trophäe ihres Feldzuges. Der Chef der Abwehr, des Geheimdienstes und des Generalstabs, Admiral Wilhelm Canaris, wohnte in einem Zimmer mit Sicht auf den Boulevard Raspail. De Gaulles Hochzeitsnacht Als Paris dann wieder frei war, liess Charles de Gaulle, der in dem Hotel seine Hochzeitsnacht verbracht hatte, im Lutetia die Zentrale für alle Nachrichten über Deportierte einrichten. Im Empfang gab es eine Pinwand mit Informationen und Fotos. Wer nach seinen Lieben suchte, erfuhr im Lutetia von deren Schicksal, vom Ort der Deportation und in vielen Fällen von deren Tod. Manche von jenen, die die Gräuel in den Konzentrationslagern überlebten und heimkehrten, schlossen ihre Familien in den Hallen dieses Hauses wieder in die Arme. Und so treffen sich bis heute regelmässig Angehörige von Deportierten im Lutetia, halten die Erinnerung wach Die Pariser Zeitung «Le Figaro» berichtet, das Immobilienunternehmen Alrov aus Tel Aviv zahle dem hoch verschuldeten amerikanischen Fonds Starwood, dem das Hotel zuletzt gehörte und der es schon länger loswerden wollte, 150 Millionen Euro. Es heisst, die 230 Zimmer sollen nun auf den neuesten Stand gebracht werden. Weniger aus Überlegungen der Denkmalpflege, freilich, denn aus kommerziellen. 1945: Befreite Kriegsgefange vor der Pinwand in der Lobby. Foto: AFP

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