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«Ein Dorfvater will ich nichtsein»

Urs Mettler, der neue Uetiker Gemeindepräsident, zieht Bilanz nach einem halben Jahr im Amt.

Mit Urs Mettler sprach Anna Moser Uetikon – Auf den lauten Wahlkampf folgte das leise Warmlaufen als Gemeindepräsident. Doch Urs Mettler hat neue Ideen für Uetikon – etwa was die Prävention von Jugendkriminalität angeht. Urs Mettler, man hat den Eindruck, dass in Uetikon im letzten halben Jahr politisch nicht allzu viel gegangen sei. Täuscht das? Tatsache ist, dass mit dem kommunalen Richtplan ein grosses Projekt gerade noch unter dem alten Gemeinderat fertiggestellt worden ist. Anderes ist in der Zwischenzeit aufgegleist worden, aber noch nicht spruchreif – etwa, was die künftigen Standorte für den Fussball- und den Tennisclub angeht. Neu gegründet haben wir einen Sport- und Freizeitausschuss, dem drei Gemeinderäte angehören. Dieses Thema ist bisher nicht intensiv behandelt worden. Im Frühling hat Uetikon mit einem eher hart geführten Wahlkampf Schlagzeilen gemacht. Wie läuft unterdessen die Zusammenarbeit mit Ihrem damaligen Konkurrenten Christian Schucan (FDP)? Sehr gut. Der Wahlkampf ist abgehakt. Zwar habe ich an den ersten zwei, drei Sitzungen gewisse Bemerkungen noch persönlich genommen. Seither haben wir aber an einer Klausur an der Teambildung gearbeitet. Mir war es wichtig, dass die Gemeinderatsmitglieder voneinander wissen, was ihre persönliche Motivation ist, in dieser Behörde mitzuwirken. Wir haben uns auch gemäss einer Typologie eingeteilt. Ich glaube, gegenüber dem alten Gemeinderat ist die Zusammensetzung heute eher ausgewogener (lacht). Im Gegensatz zu Ihrem Vorgänger Kurt Hänggi sind Sie noch berufstätig. Wie haben Sie sich mit der Doppelbelastung eingerichtet? Aus meinen bisherigen acht Jahren als Gemeinderatsmitglied konnte ich den Aufwand relativ gut abschätzen. Ich arbeitete vorher zu 80 Prozent in der Bank, heute sind es noch 70. Für die anfallenden Aufgaben des Präsidenten reicht das nicht ganz. Ich nehme mir jedoch die Freiheit heraus, dies im Nebenamt zu machen. Ein «Dorfvater» alten Stils kann und will ich nicht sein. Wie sehen Sie denn Ihre Rolle? Wenn ich in Uetikon unterwegs bin, werde ich immer wieder auf Dorfpolitisches angesprochen, und das ist auch gut so. Wenn mich jedoch Leute wegen ihren Nachbarschaftsproblemen anrufen, grenze ich mich ab. Themen, die in ein bestimmtes Ressort gehören, delegiere ich an den zuständigen Gemeinderat. Das Extremste war, als mich eine Frau aus einer anderen Seegemeinde anrief und fragte, ob ich das Verhalten «ihres» Gemeindepräsidenten nicht auch daneben fände. Am 26. November sind Sie in der Diskussionssendung «Arena» zum Thema Jugendgewalt aufgetreten. Eine Folge der Publizität, die der Haupttäter im «Fall München», der Uetiker Mike B., Ihrem Dorf gebracht hat? Nein, überhaupt nicht. In Uetikon war der «Fall München» kaum ein Thema. Als mich TeleZüri anrief, um einen Kommentar zu den Strafanträgen zu bekommen, habe ich abgewinkt. In der «Arena» war ich nicht wegen Mike B., sondern weil Jugendgewalt und Perspektivenlosigkeit für mich wichtige Themensind. Was ist Ihr Standpunkt dazu? Wichtig wäre, dass zwischen den verschiedenen Akteuren wie Schule, Schulsozialarbeit, Sozialamt und Polizei ein Austausch bestünde. Unterdessen kann im Kanton Zürich die Schule informiert werden, wenn ein Schüler verurteilt wurde. Um präventiv zu wirken, ist es dann aber schon zu spät. Lieber wäre uns eine Art Frühwarnsystem, das auf dem Austausch von Informationen basiert. Das Problem ist, dass man damit ans Amtsgeheimnis stösst. Gibt es schon konkrete Ideen zum weiteren Vorgehen in Uetikon? Unser Schulpräsident Christoph Alder und ich streben eine intensivere Zusammenarbeit von Schul- und Politischer Gemeinde an. Dass ich in diesem Bereich stärker involviert bin als mein Vorgänger, ist naheliegend, weil ich selber zwei schulpflichtige Kinder habe. Urs Mettler Der parteilose Gemeindepräsident und ehemalige Uetiker Finanzvorstand (48) ist seit acht Jahren im Uetiker Gemeinderat. Mettler ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

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