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Eglisauer Rhii-Märt steht vor dem Aus

Sinkende Umsatzzahlen sind der Grund für die Schliessung des Volg-Ladens. Die Kunden sind entrüstet.

Vor zwei Monaten haben die Landi Rafzerfeld, die Landi Wil und die Landi Zürcher Unter-land fusioniert. Die Genossenschaft tritt nun unter einem Dach mit dem Namen Landi Zürcher Unterland auf. Der Geschäftsführer ist Ruedi Menzi aus Bülach. Insgesamt gehören 17 Volg-Läden in den 11 Unterländer Gemeinden Bachenbülach, Bülach, Eglisau, Hüntwangen, Neerach, Niederglatt, Nürensdorf, Oberwil, Stadel, Wasterkingen und Wil zur neu gegründeten Genossenschaft. Menzi gibt als Grund für die Fusion das Bündeln der Synergien an. In den Volg-Läden werden vorwiegend Lebensmittel angeboten, in den Landi-Läden sind es unter anderem Haus- sowie Gartengeräte. (db) Von Doro Baumgartner Eglisau – Die Eglisauer reagieren mit Wut und Unverständnis auf die per Inserat angekündigte Schliessung des Volg- Rhii-Märts am 28. August. «Es ist eine Katastrophe», ärgert sich etwa Yolanda Weidmann. Seit Jahrzehnten ist sie eine «sehr gute Kundin im Quartierladen». Ganz überrascht über das Aus ist die Eglisauerin aber nicht. Früher konnten Kunden im Volg-Rhii-Märt nebst Lebensmitteln auch typische Landi-Artikel wie Gartengeräte, Erde, Dünger und vieles mehr kaufen. Seit zwei Jahren werden diese Artikel nicht mehr angeboten. Die Gründe dafür kennt Weidmann nicht, verstehen könnte sie diese sowieso nicht, wie sie sagt. In Eglisau habe es viele Bauern und Leute mit Gärten. «Diese kaufen nun ihre Werkzeuge und Samen woanders ein.» Mit einer ausladenden Handbewegung sagt die Eglisauerin: «Schauen Sie, früher war dieser Parkplatz voll mit Autos – heute ist er fast leer.» Schreibtischtäter nennt Weidmann die Leute, die für die Schliessung «ihres Quartierladens» verantwortlich sind. Keine Metzg mehr im Städtli «Das ist das Letzte», empört sich Walter Schibli aus Eglisau über die Schliessung. Welche Idee hinter diesem Entscheid steht, kann er nicht begreifen. «Frisch und freundlich» lautet der Slogan der Volg-Läden. Und so sei er auch immer bedient worden. «Einen solchen Service werden wir in einem Grossmarkt bestimmt nicht finden.» Vor allem vermissen werden Weidmann und Schibli die integrierte Dorfmetzgerei Hafner, welche Frischfleisch anbietet. Weidmann fragt sich: «Ist es nicht traurig, dass es in Eglisau – mit knapp 4000 Einwohnern – in Zukunft keine Metzgerei mehr geben wird?» Sie könne sich nicht vorstellen, abgepacktes Fleisch in der Migros oder im Coop einzukaufen. «Da weiss man nämlich nie, was drin ist.» Metzger Roger Hafner, Inhaber der Dorfmetzgerei Hafner, und seine beiden Angestellten müssen sich nun auf Jobsuche machen, denn: «An einem anderen Ort im Städtli eine Metzgerei zu eröffnen, liegt für mich finanziell nicht drin», sagt der Metzger. Auch für ihn war es absehbar, dass der Volg verschwinden würde. Immer weniger Leute seien in den Laden gekommen. «Ich hätte hier keine Überlebenschance gehabt.» Während er laut über seine Zukunft nachdenkt, gibt er einem kleinen Mädchen ein Wursträdli. Andrea Frei, die Mutter des Mädchens, sagt: «Wir haben den Einkauf im Volg immer mit einem Spaziergang verbunden.» Das sei nun vorbei. Besonders geschätzt hat sie die familiäre Atmosphäre. «Es ist ein Armutszeugnis, dass dieses Geschäft schliessen muss.» Es ist der zweite und letzte Volg-Laden, der in Eglisau aufgibt. Bereits 2008 wurde die Filiale an der Wilerstrasse 35 geschlossen. Angestellte weiterbeschäftigt Den Ärger und den Frust kann Ruedi Menzi, Geschäftsführer Landi Zürcher Unterland (siehe Box), verstehen. Er macht die schlechte wirtschaftliche Lage für den Entscheid geltend: «Kein anderer Volg hat so schlechte Umsatzzahlen», sagt er. Zudem herrsche ein grosser Verdrängungskampf: Migros, Coop und Tankstellenshops würden die kleinen Läden immer mehr zur Aufgabe zwingen, auch der geplante Fachmarkt beim Bahnhof Hüntwangen wird eine zusätzliche Konkurrenz darstellen. Entlassungen gibt es keine in Eglisau. Die Angestellten werden in anderen Filialen beschäftigt. Der Vorwurf, dass der Volg mit Landi-Artikeln mehr Umsatz gemacht hätte, weist Menzi zurück. «Eine Schliessung hätten wir trotzdem nicht ausschliessen können.» Ein Mieter für das frei werdende Lokal hat die Landi noch nicht gefunden. Nur noch knapp einen Monat lang werden Roger Hafner und seine Angestellten ihre Kunden bedienen. Foto: Nathalie Guinand

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