Zum Hauptinhalt springen

Drei Flaschen mit Walliser Sonnenlicht

Das kleine Sogar-Theater in Zürich bringt eine Erzählung der Autorin Felicitas Hoppe auf die Bühne. Der Monolog der Schauspielerin Regula Imboden überzeugt.

Von Andreas Tobler «Dies ist der beste Platz der Welt.» Mit dieser Überzeugung nimmt die Erzählung Fahrt auf, die Felicitas Hoppe, Spycher-Preisträgerin des Jahres 2004, über ihren gewonnenen Schreibaufenthalt im Wallis verfasste. In «Der beste Platz der Welt» schildert die Autorin, wie sie in ihrer Liebe zu «einsilbigen Ortschaften» nach Leuk kam und sich in die «Einsiedelei» auf einem Plateau über der Rhone zurückzog. Hier, in einer Schreiberklause am Rücken der Ringackerkapelle, beginnt sich Hoppes Fabulierlust zu entfalten: Von Mister Notwimper wird erzählt, einem entfernten Verwandten des Matterhorn-Erstbesteigers Edward Whymper; von zwölf ungerechten Richtern, die zu mitternächtlicher Stunde in der Kapelle mit Totenschädeln und Gebeinen kegeln, und vom Klosterbruder Andreas, der Flaschen mit Walliser Sonnenlicht abfüllt und sie so schnell wie möglich «über Bern und Basel bis Frankfurt und von da aus weiter bis nach Hannover» bringt, «wo Unserherrgott sich niemals betrank, weshalb die Gegend dort feucht und neblig ist». Fabelhaft leicht Nun hat die Schauspielerin Regula Imboden Hoppes Preisträgerprosa als Monolog für die Lesebühne des kleinen Zürcher Sogar-Theaters eingerichtet: Stehend, bald aber auch an einem kleinen Tischchen sitzend, trägt Imboden mit offenem Blick ins Publikum die Erzählung vor. Unterstützung erhält sie dabei von Javier Hagen, der ihr Textstücke vor- und nachspricht und am Laptop sitzend einen atmosphärischem Sound aus wummernden Klängen und Gesprächsfetzen produziert. Als Illustration des Textes erscheinen auf der Leinwand die stimmigen Schwarzweissfotos von Marco Volken, die an den Schauplätzen der Erzählung aufgenommen wurden. Und wenn Hoppes Prosa als Projektion auf der Leinwand erscheint, kommt der Text auszugsweise auf der Hautlandschaft zu liegen, die Regula Imbodens schulterfreies Kleid freigibt. So tauchen wir in die Textwelt von Felicitas Hoppe ein, in der alles fabelhaft leicht erscheint, und werden erst wieder an die Oberfläche der grauen Wirklichkeit gespült, als die Autorin den besten Platz der Welt verlässt und mit drei Flaschen Sonnenlicht als Proviant die Rückreise ins Flachland antritt. Nächste Vorstellungen: Samstag, Montag und Dienstag jeweils 20.30 Uhr, am Sonntag um 11 Uhr.Weitere Daten auf: www.sogar.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch