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Die Winkelzüge von SVP-Kantonsrat Frei

Der Klotener Unternehmer hat seinen Wohnsitz heimlich ins steuergünstige Winkel verlegt – dort aber noch nie gewohnt.

Von Ruedi Baumann und Felix Schindler Kloten/Winkel – Heinrich Frei ist ein Ur-Klotener. Er war einst Nati-A-Eishockeyspieler beim EHC Kloten und langjähriger Feuerwehrkommandant, heute ist er ein erfolgreicher Geschäftsmann; das Familienunternehmen wurde 1876 gegründet. Was kaum jemand weiss: Der offizielle Wohnsitz des Kantonsrats ist ein baufälliges, unbewohnbares Einfamilienhaus in Winkel. Pikant: Der Steuerfuss 2010 liegt in Kloten bei 110 Prozent, in Winkel bei tiefen 76 Prozent. Frei dürfte in Winkel also eine schöne Summe an Steuern sparen. Über sein Einkommen kann nur spekuliert werden, doch der Unternehmer ist zweifellos gut betucht: Er ist Inhaber und Geschäftsführer eines Logistik- und Recyclingunternehmens, das pro Jahr zwischen 6 und 9 Millionen Franken Umsatz macht und rund 50 Angestellte beschäftigt. Gemeinden schnüffeln nicht In der Stadt Kloten bestätigt Stadtdirektor Thomas Peter, dass sich Frei 2009 ordnungsgemäss nach Winkel abgemeldet habe. Und in Winkel bestätigt die Gemeinde, dass Frei zugezogen sei. In Kloten heisst es auf der Stadtverwaltung bloss, dass Frei die notwendigen Belege vorgelegt habe. Kriminalistische Nachforschungen stelle man bei Wohnortswechseln im Normalfall nicht an. Man könne schliesslich nicht kontrollieren, ob das Bett am Morgen noch warm sei. Nachträglich sind solche Überprüfungen ohnehin kaum möglich. Auch Arnold Meyer, Gemeindepräsident in Winkel, kann nicht bestätigen, ob Frei tatsächlich in seinem Haus wohnt. «Es gibt für uns keinen Anlass, dem nachzugehen, wir schnüffeln unseren Einwohnern nicht hinterher.» Schliesslich bekommt Winkel die Steuereinnahmen, die eigentlich Kloten zustehen. Frei leert nur den Briefkasten Dass Heinrich Frei nie in Winkel gewohnt hat, ist aber offensichtlich. Die Telefonnummer, die er im offiziellen Kantonsratsverzeichnis führt, lautet auf seine alte Adresse am Bungertwiesweg in Kloten. In Winkel dagegen ist auf die Liegenschaft bloss eine Handynummer eingetragen, die seit über einem Jahr nicht mehr gültig ist. Die Umgebung war völlig verwildert, bis ein Gartenbauunternehmen vor ein paar Monaten ausgeholzt hatte. Jetzt deuten Bauvisiere darauf hin, dass auf dem Grundstück bald gebaut werden soll. Die Nachbarn bestätigen, dass Freis Liegenschaft an der Haldenstrasse 13 in den letzten Jahren unbewohnt war und die Familie Frei noch nie dort gelebt habe. «Abends brennt jeweils Licht im Haus, aber es ist unbewohnbar und der Heizöltank längst leer», sagt ein Anwohner. Und die Nachbarin vis-à-vis sagt: «Er kommt wenigstens hin und wieder vorbei, um den Briefkasten zu leeren.» Heinrich Frei erklärte gestern Donnerstag auf Anfrage, dies stimme so nicht. «Ich habe schon in Winkel gewohnt.» Er plane, die Liegenschaft in der nächsten Woche abzubrechen und einen Neubau zu erstellen. Er habe das in den 70er-Jahren erbaute Haus zuerst sanieren wollen, dann aber eingesehen, dass ein Neubau zweckmässiger sei. «Leider haben die Nachbarn Einsprachen erhoben, weshalb sich die Arbeiten verzögert haben.» Als Motiv für den Wohnortwechsel gibt Frei familiäre Gründe an. «Nach dem Auszug der Kinder war unser Haus in Kloten zu gross geworden.» Das neue Haus erscheint jedoch optisch nicht unbedingt kleiner. Steuerliche Überlegungen seien nicht ausschlaggebend gewesen, betont Frei. «Das hängt vom Einkommen ab. Bei mir kommt es mehr oder weniger aufs Gleiche hinaus.» «An der Grenze des Zulässigen» In Kloten kommt diese «Steuerflucht» eines prominenten Einheimischen schlecht an. Vor allem auch, weil Frei im Kantonsratswahlkampf so offensiv wie kein anderer auf Plakaten und Filmchen seine Verwurzelung mit Kloten hervorstreicht. «Das ist hart an der Grenze des Zulässigen und weckt Zweifel an Freis Glaubwürdigkeit», sagt der Klotener EVP-Kantonsrat Peter Reinhard. Einerseits wird Frei vorgeworfen, das Steuergesetz zu umgehen, weil er durch einen falschen Wohnsitz massiv Steuern spare. Steuertechnisch gilt als Wohnsitz der «Lebensmittelpunkt» und nicht die Gemeinde, in der man seine Papiere lagert. Das Steuerdomizil ist zudem verbunden mit der «Absicht des dauernden Verbleibs». Heinrich Frei betont, gegen Ende des Jahres im Neubau in Winkel einzuziehen. Frei riskiert trotzdem, dass er in Kloten Steuern nachzahlen muss. Auch die Feuerwehr ist erzürnt Unbeliebt – vor allem in der Feuerwehr – hat sich Frei zusätzlich durch seine Plakate in Feuerwehruniform gemacht. Obschon er vor sieben Jahren ausgetreten ist, wirbt er noch immer in gelber Offiziersjacke und mit Funkgerät am Ohr. Seinen Werbefilm hat er unter anderem im Feuerwehrmagazin Kloten gedreht und dabei auch einen Materialwart ohne Einwilligung gefilmt. Trotz Aufforderung des Mannes, diese Passagen zu entfernen, hat Frei bisher nicht reagiert. Nicht gut kommt auch an, dass er seine Kehrichtfahrzeuge mit Frei-Werbeplakaten bekleistert – die Fahrzeuge sind im Auftrag der Gemeinden unterwegs. Zweifelhafte Steuertricks: Kantonsrat Heinrich Frei.Foto: Nicola Pitaro Dieses Haus in Winkel ist angeblich der Wohnsitz von Unternehmer Frei.

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