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Die SBB im Winterstress

Dank tüchtigem Heizen auch unter freiem Himmel kommt die Bahn in der Schweiz gar nicht so schlecht durch Schnee und Eis.

Von Walter Jäggi Zu den aufmerksamsten Lesern von Wetterkarten gehört die achtköpfige Sonderequipe, die bei den SBB rund um die Uhr die Wintereinsätze koordiniert und Massnahmen anordnet. Nähert sich die Temperatur dem Gefrierpunkt, werden beispielsweise die Lokomotiven in der Nacht am Strom gelassen, und die Heizungen in den Wagen bleiben eingeschaltet. Die Züge werdennicht mehr in der Waschstrasse gereinigt, das Eis an den Fahrzeugen muss manuell mit Hochdruckreinigern entfernt werden. Automatisch arbeiten die Weichenheizungen:7000 der rund 16?000 Weichen auf dem SBB-Netz werden elektrisch oder mit Propangas beheizt, Sensoren schalten sie ein und aus. Das Heizenunter freiem Himmel brauchtviel Energie, sichert aber die Funktion dieser für den Betrieb kritischen Elemente. Importierte Verspätungen Die grössten Probleme mit dem Winter haben die SBB nicht mit ihren Zügen oder Weichen, sondern mit den Nachbarbahnen. «Fast jeder Zug aus Frankreich und Deutschland hat gegenwärtig Verspätung», sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig. Das zwinge die SBB dazu, viele Ersatzzüge bereitzustellen; zudem müssen die später eintreffenden internationalen Züge an den Schweizer Taktzügen vorbeigelotst werden. Eine kostspielige Sache für die SBB. Für die Reisenden äussern sich diese Probleme darin, dass im Dezember 20 Prozent aller Züge Verspätung hatten. Laut den Störungsdatenbanken der SBB betreffen die häufigsten Pannen sommers wie winters die Sicherungsanlagen. Rund 40?000 Störungen bei Signalen und Stellwerken werden jährlich registriert. Nicht immer lassen sie sich schnell beheben. Wenn ein Stellwerk streikt Zu den gröberen Stellwerkstörungen gehört die Panne, die sich am Dienstagabend im Bahnhof Schlieren ereignete. Weil ein Bauteil im Stellwerk plötzlich ausfiel, konnten die Signale nicht mehr automatisch gestellt werden. Es mussten nicht nur Techniker, sondern auch Zugverkehrsleiter nach Schlieren geschickt werden, die das Stellwerk vor Ort manuell bedienten. Zwar kann ein Zug bei einer Signalpanne ein Rotlicht überfahren, wenn der Lokführer über Funk die Bewilligung erhält. «Bei einem einzelnen Zug geht das, aber ein ganzer Bahnhof kann so nicht betrieben werden», sagt Ginsig. Mit Handarbeit wurde der Betrieb in Schlieren während des ganzen Dienstagabends aufrechterhalten, am Mittwoch um 5 Uhr früh waren die Reparaturarbeiten beendet. Auf die Frage, ob denn ein komplexes Computernetz wie die Bahnsicherheitsanlagen nicht von Hackern mit Viren lahmgelegt werden könnte, betont Mediensprecher Christian Ginsig, dass dieses Netzwerk keinerlei Verbindungen zum Internet habe. Das Stellwerk- und Signalnetz läuft mit einem speziellen Betriebssystem, das von aussen nicht erreichbar ist. Schnee kostet die Bahn viel Geld.Foto: Alessandro Della Bella (Keystone)

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