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Die Hälfte zahlt Alimente nicht zurück

Die Gemeinden im Bezirk Meilen haben letztes Jahr für 1,2 Millionen Franken Alimente bevorschusst. Zurückerstattet wurde davon nur knapp die Hälfte.

Von Jacqueline Surer Die Ehe von Alice und Sebastian Müller ist am Ende. Das Paar ist so zerstritten, dass nur noch eine Scheidung infrage kommt. Der dreijährige Max und die fünfjährige Aline bleiben bei der Mutter. Um für den Lebensunterhalt der Kinder aufzukommen, bestimmt das Gericht die Höhe der Alimente, die der Vater seiner Ex-Frau bezahlen muss. Zu Beginn läuft alles wie geplant. Aber nach einem Jahr fangen die Probleme an. Sebastian Müller geht es psychisch immer schlechter. Er wird arbeitslos, trinkt zu viel und überweist die Alimente immer seltener pünktlich. Eines Tages zahlt er gar nicht mehr. Wenn ein Vater die Unterstützungsbeiträge für seine Kinder nicht überweist, kann die Ex-Frau, die in der Regel die Kinder betreut, schnell in finanzielle Not geraten. Um diese Situation abzufedern, hat der Kanton Zürich in den Siebzigerjahren die Alimentenbevorschussung eingeführt. In diesen Fällen springen die Gemeinden in die Bresche und schiessen die Unterhaltsbeiträge vor, die der Ex-Partner nicht bezahlt. Als Druckmittel benutzt Im Bezirk Meilen haben im letzten Jahr 239 Personen eine Alimentenbevorschussung bezogen. Insgesamt haben die Gemeinden dafür 1,2 Millionen Franken ausgegeben. Knapp die Hälfte des Betrags, 538 000 Franken, wurden an die Gemeinden zurückerstattet, was einer Rücklaufquote von 46 Prozent entspricht. Am tiefsten in die Tasche greifen musste die Gemeinde Hombrechtikon, die 254 000 Franken bevorschusste, gefolgt von Meilen (208 000 Franken), Stäfa (186 000 Franken) und Männedorf (171 000 Franken). Am anderen Ende der Skala besetzt Herrliberg den obersten Rang. Die Gemeinde musste nur in einem Fall Alimente bevorschussen, was sie 4970 Franken kostete. Sämtliche Abklärungen rund um die Bevorschussung werden von der Alimentenhilfe des Bezirks Meilen im Auftrag der Gemeinden durchgeführt. Diese Stelle hat auch den Auftrag, das bevorschusste Geld bei den Schuldnern einzutreiben. Wenn selbst mit einer Betreibung oder mittels eines Schuldscheins kein Geld zu holen ist, sind die Gemeinden gezwungen, die Beträge abzuschreiben. In den meisten Fällen sei der Wille der Väter zu bezahlen zwar da, sagt Gaby Hedinger von der Alimentenhilfe des Bezirks Meilen. «Aber oft sind sie aufgrund ihrer finanziellen Situation schlicht nicht in der Lage dazu.» Manchmal werde Zahlungsverweigerung aber auch als Druckmittel benutzt, um dem anderen eins auszuwischen, etwa wenn sich Paare um das Besuchsrecht für die Kinder stritten. Es seien jedoch nicht immer nur die Männer, die nicht bezahlten. «In seltenen Fällen können die Rollen auch vertauscht sein.» Wenn ein Schuldner die Beträge bezahlen könnte, dies aber verweigert, kann die Alimentenhilfe Strafanzeige erstatten. Das wird aber selten getan, da es schwierig ist, diesen Tatbestand nachzuweisen. Hemmschwelle ist hoch Gaby Hedinger geht davon aus, dass es im Bezirk Meilen auch Frauen gibt, die zwar Anrecht auf eine Bevorschussung hätten, diese aber nicht bezögen. «Die Hemmschwelle, bei der Alimentenhilfe anzuklopfen, ist bei manchen hoch», sagt Hedinger. Wer die Bedingungen für eine Bevorschussung erfüllt (siehe Kasten), muss unter Umständen trotzdem mit finanziellen Abstrichen rechnen. Der maximale Beitrag pro Kind beträgt nämlich 650 Franken pro Monat. Damit gehört der Kanton Zürich zu den Kantonen mit den tiefsten Beiträgen der Schweiz. Das könnte sich jedoch bald ändern. Gegen den Widerstand der bürgerlichen Parteien hat der Kantonsrat Mitte März ein neues Kinder- und Jugendhilfegesetz verabschiedet. Dieses sieht vor, den maximalen Beitrag an den Betrag der höchstmöglichen Waisenrente zu koppeln und damit auf 912 Franken anzuheben. Wer Alimente zugute hat, diese aber nicht oder nur unregelmässig bekommt, kann sich an die Alimentenhilfe des Bezirks Meilen wenden (Tel. 044 934 55 55, www.ajb.zh.ch/ost). Hier wird geprüft, ob ein Anrecht auf eine Bevorschussung besteht. Vorschüsse gibt es für Alleinerziehende, die weniger als 41 600 Franken verdienen und deren Vermögen maximal 130 000 Franken beträgt. Ehepaare dürfen maximal 54 000 Franken Einkommen haben, ihr Vermögen darf höchstens 156 000 Franken betragen. Der maximale Beitrag pro Kind beträgt 650 Franken. (jsu)

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