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Die Geschichte des Glattals wird neu geschrieben

Zwei aufsehenerregende Funde aus dem Glattal zeigen, dass das Gebiet viel früher besiedelt war als bisher angenommen.

Von Alexander Lanner Wangen/Wallisellen – Albert Grimm spricht von einer Sensation. Der ehemalige Lehrer und Dorfchronist von Wallisellen ist auch Leiter der Ortsmuseumskommission. Geschichte hat ihn seit frühester Kindheit fasziniert – auch die Geschichte des mittleren Glattals. Und dass diese nun um mehrere Jahrtausende weiter zurückdatiert werden kann, lässt sein Herz höher schlagen. Anhand von zwei archäologischen Funden könne man beweisen, dass bereits in der Mittelsteinzeit – also vor 10 000 bis 6000 Jahren – Menschen im Glattal lebten, sagt er. Zum einen ist im Walliseller Langachermoos zwischen der Neuen Winterthurerstrasse und der Autobahn A 1 unverkohlter Leinsamen gefunden worden. Die Pollen und Samen von kultiviertem Leinen sind in 2,20 Meter Tiefe bei Bohrungen der ETH Zürich zutage getreten. In verschiedenen Tiefen zeigten sich immer wieder Holzkohlevorkommen. Diese legen nahe, dass es rund um das Langachermoos häufig brannte. Grimm und Forscher der ETH gehen davon aus, dass die Menschen damals mittels Bränden das Gebiet rodeten, um Raum für Felder und Tiere zu gewinnen.Der nur 3,1 Millimeter grosse Leinsamen aus dem Langachermoos ist auf einer Schicht gefunden worden, die auf ein Alter von rund 7850 Jahren geschätzt wird. Zum Vergleich: Die berühmte Gletschermumie Ötzi stammt aus der späten Jungsteinzeit und ist etwa 5300 Jahre alt.Im Langachermoos seien damit bis jetzt die ältesten Funde menschlichen Einwirkens auf Pflanzen im Alpenvorland gemacht worden. Einzig ein Fundort am Soppensee in der Luzerner Gemeinde Buttisholz zeige noch etwa 100 Jahre ältere Getreidepollen. Der zweite Fund stammt aus dem Moor Wollwisli oberhalb von Wangen. ETH-Professor Frank Klötzli stiess bei Untersuchungen des ehemaligen Toteissees in 1,10 Meter Tiefe auf einen harten Gegenstand – einen handgrossen Stein, offenbar ein angeschliffenes nagelfluhartiges Stück Kalksandstein mit einem dunklen Kern. Ein Mensch soll ihn vor 8000 Jahren ins Moor geworfen haben. 8000 Jahre alt sollen der handgrosse Stein aus dem Wollwisli und der 3,1 Millimeter grosse Leinsamen aus Wallisellen sein. Fotos: PD

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