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Die Ausgrabungen sind fertig – als Nächstes folgt die Baustelle

Archäologen haben in Regensdorf nahe dem Nordportal des Gubristtunnels zahlreiche Schätze zutage gefördert. Wegen der geplanten dritten Röhre wird das Gebiet zum Umschlagplatz.

Von Alexander Lanner Regensdorf – Vor rund einem Jahr hat die Kantonsarchäologie mit den Ausgrabungen in Regensdorf begonnen. Im Vorfeld des Ausbaus des Gubristtunnels sollte damit sichergestellt werden, dass keine Kulturgüter zerstört werden. Vor wenigen Tagen sind die Archäologen verschwunden. «Ende Juli haben wir die Arbeiten in Regensdorf abgeschlossen», sagt Beat Horisberger, Leiter Römische Epoche bei der Kantonsarchäologie. Derzeit seien letzte Eindeckungsarbeiten im Gang: Die Grabungsflächen werden zugeschüttet und wieder angesät. Sieben Ausgräber sowie ein Grabungstechniker standen zu Spitzenzeiten zugleich im Einsatz. Mit den Resultaten der Ausgrabungen auf dem Regensdorfer Acker ist Horisberger sehr zufrieden. «Wir konnten zahlreiche Gräber finden, die sehr wahrscheinlich verschiedenen Epochen zuzuordnen sind», erklärt er. So nimmt er an, dass mehrere Brandgräber aus der Spätlatène-Zeit – etwa Mitte 2. bis Mitte 1. Jahrhundert vor Christus – stammen. Bei einzelnen rechteckigen Gruben könnte es sich um die Überreste von älteren Körpergräbern handeln. Vor allem die Grabstätten aus der Spät-Latènezeit seien aus archäologischer Sicht wertvoll: «Solche Funde sind in der Schweiz sehr selten.» Römische Siedlung gefunden Für Horisberger war die Zeit der grossflächigen Ausgrabungen spannend: «Wir waren sehr überrascht, dass wir mehr Strukturen gefunden haben, als wir ursprünglich erwartet hatten.» Darunter befinden sich auch Pfostengruben von römischen Holzbauten sowie die Überreste einer römischen Strasse. Zu Beginn der Ausgrabungen hofften die Archäologen, auf einen römischen Gutshof zu stossen. «Wir haben zwar eine römische Siedlung gefunden», sagt Horisberger, «diese zeigt aber nicht die Form, die für einen Gutshof typisch ist.» Insgesamt wurden bei den Ausgrabungen zahlreiche Hinweise zutage gefördert, die auf eine Besiedlung dieses Gebiets von der Stein- über die Bronze- und Eisenzeit bis in die römische Epoche deuten. Die ältesten Funde sind Werkzeuge aus Feuerstein – auch Silex genannt. Dieses äusserst harte Material wurde zur Herstellung von Messerklingen und Werkzeugen wie Bohrer oder Schaber verwendet. Auch wenn die Ausgrabungen mittlerweile beendet sind, geht Horisberger die Arbeit noch lange nicht aus. «Einige Fundstücke werden nun gesäubert und genauer untersucht», sagt er. Die definitive Auswertung dauere sicherlich noch eine gewisse Zeit. Dritte Gubriströhre erst 2012 Die Anwohner werden sich nach dem Abzug der Archäologen bald auf eine grössere Baustelle einstellen müssen. Auf dem Gebiet, das bis vor kurzem noch für die Ausgrabungen zur Verfügung stand, soll für die Zeit des Baus der dritten Gubriströhre ein Installationsplatz erstellt werden. Diese Arbeiten erfolgen voraussichtlich zwischen Ende 2011 und Ende 2012. «Bestandteil des Auflageprojekts ist ein SBB-Verladebahnhof mit Gleisanschluss auf der gegenüberliegenden Portalseite in Richtung Affoltern», erklärt Bojan Josifovic vom Bundesamt für Strassen (Astra). Die Erstellung des Verladebahnhofs erfolge zeitgleich mit dem Installationsplatz. Damit soll ermöglicht werden, dass der grösste Teil des Materials auf der Schiene anstatt auf der Strasse transportiert werden kann. Im Moment läuft noch das Plangenehmigungsverfahren durch das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek). «Der Abschluss des Verfahrens wird für Sommer 2011 erwartet», sagt Josifovic. Nach heutigem Stand werde mit dem Baustart für die dritte Gubriströhre frühestens 2012 begonnen. Je nach Verlauf des Verfahrens und eventuellem Weiterzug an das Bundesverwaltungsgericht könne es zu Verschiebungen kommen. Gegen das Projekt sind über 100 Einsprachen eingegangen. Bis die Autolenker die dritte Röhre befahren können, müssen sie sich bis auf Weiteres in Geduld üben: 2008 wurden auf der Nordumfahrung 2794 Staustunden verzeichnet. An 278 Tagen im Jahr staute sich der Verkehr im Bereich des Gubristtunnels. «Besonders wertvoll sind die Gräber aus der Spät-Latènezeit. Solche Funde sind in der Schweiz sehr selten.» Beat Horisberger, Kantonsarchäologie Während die Archäologen ihre Ausgrabungen in Regensdorf abgeschlossen haben, werden bald die Arbeiten für die dritte Gubriströhre beginnen. Foto: Daniel Kellenberger

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