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«Die Atomenergie gehört ins Museum»

Die Zukunft der AtomenergieAngst vor einer Atomkatastrophe in Japan; Nuklearer Alarm in Fukushima,TA vom 12. März Auch in der Schweiz möglich. Und wieder werden unsere Freunde der Nuklearenergie, vorab unsere treuherzig auftretende Umweltministerin, beteuern, dass wir alle Lektionen lernen wollen, die Japan uns lehrt. Man müsse in aller Ruhe abklären, was dort falsch gelaufen sei. Das Resultat dieser Abklärungen kennen wir alle jetzt schon: Bei uns könnte so etwas nicht geschehen. Dabei geht es doch auch jetzt wieder nicht um fachtechnische Analysen: In Japan wurde entweder technisch oder menschlich versagt (obwohl Experten auch dort stets behaupteten, gegen alle Eventualitäten gewappnet zu sein.) Beides ist bei uns stets auch möglich. Mag die Wahrscheinlichkeit einer auslösenden Naturkatastrophe, oder etwa eines Sportfliegers, der sich auf ein AKW stürzt, auch noch so gering sein: Was in der Folge ablaufen würde, könnte den Ereignissen in Japan durchaus gleichen. Atomenergie gehört ins Museum. Walter Fischer, Zürich Wohin die Schweizer evakuieren? Eine Naturkatastrophe entsetzlichen Ausmasses hat Japan getroffen. Nach Tod und Zerstörung durch Erdbeben und Tsunami droht eine Atomkatastrophe. Wunder Punkt der japanischen AKW ist die wegen des Stromausfalls zusammengebrochene Kühlung. Unvorhergesehene Naturereignisse – wie das Erdbeben, das im Jahr 1356 Basel zerstörte – oder ein weiträumiger Zusammenbruch der Stromnetze könnten auch bei uns auftreten. Die Vorgänge in Japan zeigen einmal mehr, wie gefährlich Atomenergie ist. Gerät sie ausser Kontrolle, sind die Folgen enorm: Vor 25 Jahren waren in Tschernobyl «nur» 32 Menschen sofort tot. Doch bis heute starben rund 100 000 Menschen an den Langzeitfolgen der Verstrahlung. Wegen der Gefährlichkeit der Atomenergie dürften in der Schweiz keine neuen AKW gebaut und die Laufzeit nicht verlängert werden. Um den baldigen Ausstieg aus der Atomenergie zu ermöglichen, muss jetzt sofort in Massnahmen für mehr Energieeffizienz und erneuerbare Energien investiert werden. Denn wohin sollte die Bevölkerung des dicht besiedelten Mittellands evakuiert werden, wenn eines der Schweizer AKW ein Leck hätte? Anita Huber, Olten AKW Mühleberg abstellen. Gemäss Interview mit Hans Wanner, Direktor des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi), in der Sendung «10 vor 10» am 11. März müssen die Vorkehrungen in Schweizer AKW auch für sehr starke Erdbeben Sicherheit garantieren. 2004 ergab eine Studie für Schweizer AKW ein etwa doppelt so hohes Erdbebenrisiko als bisher angenommen. 2007 wurden die Bernischen Kraftwerke (BKW) vom Ensi beauftragt, für das heute 39 Jahre alte AKW Mühleberg sicherheitsrelevante Punkte aufzuarbeiten, darunter auch Erdbeben betreffende. Die BKW hat diese Pendenzen nicht erledigt und den Nachweis für die Erdbebensicherheit nicht erbracht. Wie Fukushima wieder zeigt: Mit der Atomenergie lässt sich nicht spassen. Ich nehme Hans Wanner beim Wort. Das AKW Mühleberg muss abgestellt werden. Matthias Ragaz-Morlet, Zürich Erneuerbare Energie fördern. Leider haben sich die besten Wahrscheinlichkeitsrechnungen von Atom-Lobby, Nuklear-Forum und des bürgerlichen Establishments als Makulatur erwiesen: Reihenweise trat der für unmöglich gehaltene Ausfall von Sicherheitssystemen in japanischen AKW ein. Es hat sich gezeigt: Das Restrisiko ist das Risiko, das uns eines Tages den Rest gibt. Das Versagen technischer Kontrollsysteme in Fernost weist auf die Grenzen hin, wie weit der Homo Faber gehen soll. Mit dem unerschütterlichen Glauben an die Unfehlbarkeit der Atomtechnologie sind wohl auch wir zu weit gegangen. Noch ist es Zeit, von neuen Schweizer Grosskraftwerken Abstand zu nehmen, die alten abzuschalten und mit der Förderung der erneuerbaren Energie und der Energieeffizienz endlich vorwärtszumachen. Reto Miloni, Wettingen Man hat uns angelogen. Schweizer AKW sind sicher. Sie sind nach den höchsten Sicherheitsstandards gebaut und wurden immer wieder nachgerüstet. Dies wurde uns von der AKW-Lobby über Jahrzehnte eingehämmert. Wer auf Tschernobyl hinzuweisen wagte, erntete ein müdes Lächeln. Diese russischen Schrottmühlen seien doch nicht mit unseren AKW vergleichbar, hiess es. Nun tönen die bürgerlichen AKW-Verwaltungsräte angesichts der Katastrophe in Japan plötzlich anders: Die Standards müssen überprüft und erhöht werden. Wie das? Ich dachte, die Werke erfüllten die höchsten Sicherheitsnormen? Die Antwort liegt auf der Hand: Man hat uns angelogen. Jürg Keller, Oerlingen Wir spielen Atom-Lotto. Die Situation in Japan zeigt, dass entgegen allen Versprechungen die Atomenergie eben doch keine sichere Energiequelle ist. Die Schweiz kam 1969 glimpflich davon, als im Versuchsreaktor bei Lucens eine partielle Kernschmelze stattfand. AKW-Befürwortern ist es erfolgreich gelungen, diesen schweren Zwischenfall aus den Köpfen der SchweizerInnen zu löschen. Ebenso wird verheimlicht, dass sich in den Jahren 2000 bis 2009 im Schnitt monatlich ein meldepflichtiger Störfall in den Schweizer Atomanlagen ereignete. Die Atomlobby und mit ihr die gekauften bürgerlichen Parteien haben es geschafft, dem Volk die Kernenergie als absolut sichere und umweltfreundliche Energie zu verkaufen. Auf nationaler und kantonaler Ebene wird die Atomkraft teils mit direkten Zahlungen gefördert. Ebenso wird der Bau eines neuen AKW vorangetrieben. Auf kommunaler Ebene, also auch in vielen Zürcher Gemeinden, wird die Atomenergie gefördert, indem die öffentliche Hand den grössten Teil ihres Strombedarfs aus der Kernenergie bezieht. Die Förderung von erneuerbaren Energiequellen wird dabei völlig vernachlässigt. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit eines GAUs in einem Schweizer AKW deutlich grösser als ein Sechser im Lotto. Wieso also spielen wir privat Zahlen-Lotto für den grossen Geldgewinn und unterstützen gleichzeitig das staatliche Atom-Lotto mit dem Einsatz unserer gesamten existenziellen Grundlage? Dario Schai, Stäfa Zwei neue AKW sind nötig. Die alten zwei AKW sollten so rasch wie möglich abgeschaltet und durch zwei neue, welche den neusten Anforderungen genügen, ersetzt werden. Es kann doch nicht sein, dass die Schweiz sich erlaubt, im Ausland Strom einzukaufen, und die Umweltverschandelung und die Endlager anderen überlässt. Vergessen unsere AKW-Gegner, dass wir immer mehr Menschen in der Schweiz haben und somit auch mehr Strom verbrauchen. Kommt dazu, dass die Ökobefürworter ja auch die Elektromotoren fördern wollen. Doch von wo sollen wir den Strom beziehen, wenn die Alternativen auch gegen Staumauererhöhungen der Wasserkraftwerke sind? Bauen wir also zwei neue AKW. Dann können wir beruhigt in den nächsten rund 30 Jahren ein AKW in der Schweiz abschalten und – wenn dann vorhanden – die weiterentwickelte Alternativenergie einsetzen. Christian Klambaur, Rüti Sicherheit verteuert Atomstrom. Die Natur hat uns am Beispiel Japan einmal mehr gezeigt, wer die Erde beherrscht. Die Folgekatastrophe zeigt, dass auch die friedliche Atomtechnologie-Nutzung technisch nicht wirklich beherrschbar ist. Erfreulicherweise haben nun auch schon hiesige Atomkraftwerkbefürworter zu einem Marschhalt aufgerufen. Leider gibt es aber noch zu viele technikgläubige Atomlobbyisten wie CEO Heinz Karrer von der Axpo oder Nationalrat Bischof, die den Lauf der Zeit einfach nicht zur Kenntnis nehmen. Ob alte oder neue Atommeiler, diese unglückselige Technik wird immer teurer. Als minimale Reaktion auf die Vorkommnisse in Japan werden den hiesigen AKW zumindest höhere Sicherheitsauflagen verpasst, was zu höheren Kosten führen wird. Dies gilt auch bei neuen Kraftwerken. Der im Bau befindliche «Vorzeigemeiler» in Finnland mit den jetzt schon explodierenden Kosten lässt grüssen. Dort wird der berechnete Preis für eine Kilowattstunde jetzt schon teurer sein als eine Kilowattstunde aus einem heutigen Windparkkraftwerk Andreas Dreisiebner, Seuzach Fischen mit dem Geigerzähler. Der Wind bläst die Atomwolke von Japan auf das Meer hinaus. Bleibt zu hoffen, dass die Fischindustrie den Konsumenten gegenüber in Zukunft nicht nur deklariert, wo genau ein Fisch gefischt wurde, sondern auch, welchen Weg dieser bisher zurückgelegt hat. Am besten fischt man in Zukunft mit dem Geigerzähler. Sikander von Bhicknapahari, Zürich AKW auslaufen lassen. Eine Katastrophe unglaublichen Ausmasses hat Japan getroffen. Besonders schlimm ist, dass offenbar mehrere AKW ausser Kontrolle geraten sind. Keine Frage, auch Anlagen zur Stromerzeugung mittels erneuerbarer Energie wären und sind betroffen: Windkraftanlagen können umkippen, Staudämme können brechen, und Solaranlagen für Wärme- und Stromnutzung könnten mitsamt den Häusern fortgeschwemmt werden. Dabei wären auch Verletzte und Tote zu befürchten. Der entscheidende Unterschied zum AKW-Unfall: kein Austritt von lebensbedrohender radioaktiver Strahlung, keine Verseuchung von ganzen Landstrichen auf lange Zeit. Lernen wir daraus und lassen die AKW auch bei uns auslaufen. Trotz millionenteurer Kampagnen unser AKW-Lobby, welche wir notabene als Stromkonsumenten bezahlen: Nutzen wir das grosse Potenzial der erneuerbaren Energien, die Verbesserung der Energieeffizienz und die vielfältigen Sparmöglichkeiten. Paul Müri, Gränichen «Auch wir sind mitdem Glauben an dieUnfehlbarkeit der Atomtechnologiezu weit gegangen.» «Das Restrisiko ist das Risiko, das uns eines Tages noch den Rest gibt.» Sind die Schweizer Atomkraftwerke (im Bild das AKW Mühleberg) auf einen Unfall wie im AKW Fukushima vorbereitet?Foto: Keystone

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