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«Die Alten sind ihnen wurst»

Sparen im AltersheimMehr Cervelats statt Filets,TA vom 6. 1. Schlecht für Körper und Seele. Für die Bewohner(innen) im Altersheim sind vollwertige Mahlzeiten nicht nur ein Muss für die Gesundheit, sie tragen auch zum psychischen Wohlbefinden bei, so wie die soziokulturellen Veranstaltungen, die ebenfalls abgespeckt werden. Diese Massnahmen wirken sich negativ auf die physische und psychische Gesundheit aus und verursachen vermehrte Arzt- und Medikamentenkosten. Unzufriedene, gelangweilte Bewohner sind aufwendiger in der Betreuung, doch beim Personal wird auch gespart; sogar weniger Aus- und Weiterbildung, das heisst: weniger qualifiziertes Personal. Durch Überforderung, Mangel an Weiterbildung des Pflegepersonals besteht vermehrte Gefahr von Misshandlungen betagter Menschen in Heimen, wie wir sie schon kennen, sie werden unter diesen Sparmassnahmen zunehmen. Können wir das verantworten? Ich werde mich gleich bei Exit anmelden. Marianne Mätzener, Affoltern a. A. An einer Hand abgezählt. Vor einigen Jahren starb mein Vater in einem Altersheim im Kanton Zürich. Das Heim war neu, sehr gut geführt und das Essen gut bis sehr gut. Aber die Filetstücke im Verlauf eines Jahres hätten an einer Hand abgezählt werden können (was gar kein Vorwurf ist!). Ich frage mich, wie ein Altersheim-Direktor so dumm reden kann: «Vielleicht sind vermehrt Cervelats statt eines zarten Filets auf dem Teller.» Heidi Meichtry-Moser, Münchwilen Wer kein Heimplatz braucht. In einem Land, in dem rund 3 Prozent der Einwohner über 90 Prozent des Gesamtvermögens verfügen, muss am Essen und Mobiliar in Altersheimen gespart werden? Das kann nur fordern, wer sicher sein kann, dass er auf keines dieser Heime angewiesen sein wird. Alex Vorburger, Zürich Zugunsten der Heimbewohner. Als Angehörige eines Heimbewohners erlaube ich mir folgende Bemerkungen: Sicher ist es richtig, wenn die Stadtverwaltung mit den ihr anvertrauten Geldern – seien sie aus Steuermitteln, seien sie von Bewohnern städtischer Einrichtungen – sorgfältig und sparsam umgeht. Wenn aber bei den von Heimbewohnern vollumfänglich bezahlten Kosten für die Hotellerie gespart werden soll, dann bitte zugunsten der Heimbewohner, beispielsweise durch Reduktion der Taxen und nicht zur Verschönerung des Budgets! Eva Wagner, Zürich Wenig «Alter» bei den Parteien. Als ehemalige Heimleitung des Zürcher Altersheimes Dorflinde, Leiter der Zentralstelle Spitex und Alt-Kantonsrat bin ich entsetzt, dass nach dem Umbau des Oerliker Altersheimes von den 120 Plätzen 30 Plätze wegen der (aus finanziellen Gründen) fehlenden Stellen nicht belegt werden können. Nach dem Entscheid des Stadtrates, auf das fixfertig geplante Altersheim Köschenrüti zu verzichten, ist dies der nächste Tiefschlag für die ältere Bevölkerung von Zürich-Nord. Die jahrelangen Wartezeiten für einen Altersheimplatz in den Stadtquartieren 11 und 12 verlängern sich damit nochmals um Jahre. Eine Gesellschaft definiert sich nicht zuletzt daran, wie sie mit den Schwächsten der Gesellschaft umgeht. Es wird offensichtlich schamlos ausgenützt, dass die alten Menschen gerade in der Stadt Zürich nicht gut organisiert sind. Bei Wahlveranstaltungen wird grossmundig versprochen, dass den Parteien die ältere Bevölkerung am Herzen liegt. Die Praxis zeigt jedoch, dass sich die Parteien kaum mit Altersfragen auseinandersetzen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, wie selten auf den Homepages der Parteien der Begriff «Alterspolitik» existiert und Positionen dazu dargestellt werden. Hans-Rudolf Winkelmann, Zürich Iss und wähle! Eigenartig, zu welch Purzelbäumen der vermeintlich notwendige Sparzwang allenthalben animiert. Die bürgerlichen und rechtskonservativen Kreise haben jedes Augenmass verloren. Ihnen ist der Mittelstand ohnehin wurst. Schade nur, dass ihre Klientel nicht langsam merkt, dass sie bloss als tumbes Abstimmungsvolk herhalten soll und sich dabei mit ihrer Stimmabgabe selber ins Fleisch schneidet. Spätestens im Altersheim merken sie es. Unseren älteren Miteidgenossen ist beim Genuss der Cervelats zu wünschen, dass sie bei der nächsten Wahl merken, wem sie ihre Stimme geben! Hans Lenzi, Adliswil Höhepunkte im Heimalltag. Seine letzten Tage in einem Altersheim zu verbringen, ist nicht unbedingt der Wunschtraum eines Menschen. Aber es gibt auch dort jeden Tag vielleicht einen kleinen Höhepunkt. Eine gute Mahlzeit ist oft eine der wenigen Freuden für einen alten Menschen. Ausgerechnet diese kleine Freude soll ihm nun vergällt sein. Es muss gespart werden, um begüterten Bürgern Steuerermässigungen zu gewähren, damit sie sich in ihrem Überfluss suhlen können. Diese gleichen Bürger reden uns täglich ein, dass wir in einem Paradies leben. Die Schweiz sei eine Insel des Wohlstands, sagen sie. Dieser Wohlstand soll aber nicht allen zugutekommen, wie mir scheint. Ein Zeichen von Egoismus und eine Schande! Hans Peter Weber, Fahrwangen Macht und Ansehen. Sparen, sparen, sparen! Bei den Alten, bei der Jugend, bei der Sicherheit ... Dabei geht es doch ausschliesslich um Macht und politisches Ansehen. Wie lange lässt sich das die Zürcher Bevölkerung noch bieten? Gehen wir doch endlich auf die Strasse und demonstrieren jeden Mittwoch vor dem Zürcher Rathaus, um dieser politisch motivierten Sparwut ein Ende zu setzen. Vreni Diserens, Zürich Armer Finanzvorstand. Der Stadtzürcher Finanzvorstand ist sehr zu bedauern. Er zieht jetzt – auf Kosten der Schwachen – durch, was ihm das Parlament eingebrockt hat. Mein Vorschlag: die Entschädigungen und Sitzungsgelder der Parlamentarierinnen und Parlamentarier streichen! Hanspeter Brüstle, Baar Cervelat am Puurezmorge. Wie wärs, wenn die SVP ihr Wahlkampfgeld für Filets im Altersheim einsetzen würde? Da wären viele Stimmen zu holen; die Bewohner der Altersheime wären zufrieden, für den Landschaftsschutz wäre etwas getan, und der Cervelat stünde für den Puurezmorge zur Verfügung. Peter Ender, Zürich Dies ist der Artikeltext. Er wiederholt sich jetzt mehrfach. Ein Die Seniorin wartet auf das Essen aus der Heimküche.Foto: Meinrad Schade (Keystone)

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