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Der Zufall bittet zur Dopingkontrolle Nulltoleranz in der Schweiz

An den Fehraltorfer Osterrennen wartet Remo Meringer nach dem Zieleinlauf auf die Rennpferde. Das Los entscheidet, wer beim Doping-Experten vortraben muss. Der Markt für Pferdedoping ist klein, das sagt der Tierarzt Peter Attinger aus Gockhausen.

Doping Von Michael von Ledebur Fehraltorf – Um 13.30 Uhr steht an diesem Ostermontag in Fehraltorf das zweite Rennen auf dem Programm, ein Flachrennen über 2000 Meter. Pferde und Reiter liefern sich einen Kampf um 7000 Franken Preisgeld, donnern im vollen Galopp an der Zuschauertribüne vorbei. Unter dem Dach der Tribüne wartet ein Mann mit Schnauz und Schirmmütze geduldig auf den Ausgang des Rennens. Wer Sieger wird, interessiert ihn nicht. Es ist das zweitplatzierte Pferd, das beim Dopingkontrolleur Remo Meringer nach dem Rennen antraben muss. Das hat der Zufallsgenerator vor dem Rennausgang entschieden. Königsdame mit der Startnummer 4 überquert als Zweite die Ziellinie. Remo Meringer vollzieht seine erste Amtshandlung und hält ein oranges Schild mit der Zahl 4 in die Luft. Seine Helfer an der Rennbahn wissen, was nun zu tun ist. Fortan hat Königsdame einen steten Bewacher, der dem Pferd nicht von der Seite weicht, ehe es auf verbotene Substanzen getestet wurde. Kontrolleur im Ehrenamt Mindestens eine halbe Stunde dauert es, bis sich die Tiere nach einem Rennen so weit beruhigen, dass sie die Dopingkontrollbox betreten können. Remo Meringer hat Zeit und bewegt sich gemächlich in Richtung Box. Wer sich ihn als Fahnder vorstellt, irrt. Meringer hofft bei jeder Kontrolle auf eine negative Probe. Der Thurgauer ist von Beruf Coiffeur und versieht seine Aufgabe ehrenamtlich, lediglich die Spesen werden ihm vergütet. Er ist an mehreren Wochenenden im Jahr unterwegs, etwa auch in Aarau oder Dielsdorf. «Vor zwanzig Jahren haben sie einen gesucht, und ich habe mich gemeldet.» Ihm gehe es um die Fairness im Sport, sagt Meringer. Selbst besitzt er zwei Rennpferde. «Ich konnte es immer schon kaum verwinden, wenn meine Pferde im Rennen behindert wurden», sagt Meringer. Das sei eine Frage der Prinzips. Um jeden Preis zu gewinnen – das ist eine Philosophie, die ihm zuwider ist. «Mir ist es wichtiger, dass bei meinen Tieren die Bewegung stimmt und sie das Rennen unverletzt überstehen.» Königsdame nähert sich der Box. Dem Tier ist die Höchstleistung noch immer anzusehen. Remo Meringer wendet sich zuerst der Besitzerin zu und füllt Formulare aus. Jedes Pferd verfügt über einen Pass. Darin sind Merkmale notiert, die dem Kontrolleur helfen, das Tier zweifelsfrei zu identifizieren. Verzeichnet wird auch jede Dopingprobe. Im Falle von Königsdame ist es heute das erste Mal. Die Stute ist bereit für die Probe, und Remo Meringer entfernt die Plastikfolie um den Urinbecher. Nicht er selbst betritt die Box, sondern sein Gehilfe sowie die Besitzerin des Pferdes, die danach mit ihrer Unterschrift bezeugen muss, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Manche Pferde haben Mühe damit, nach einem Rennen Wasser zu lassen. Dann wird ein Tierarzt aufgeboten und Blut anstatt Urin genommen. Königsdame jedoch begreift rasch, was von ihr erwartet wird. Nach knapp zwei Minuten ist die Prozedur vorüber. Tests nach Paris ins Labor Meringer giesst den Urin in zwei Behälter um – den einen für die A-Probe, den anderen für eine allfällige B-Probe. Er verpackt und versiegelt die Proben und wird sie am kommenden Tag in ein Pariser Labor schicken. Das Resultat wird erst in ein bis zwei Monaten bekannt werden. Im Fall einer positiven Probe muss der Besitzer das Preisgeld zurückgeben; zudem wird er mit mehreren Tausend Franken Busse bestraft. Damit hat Meringer nichts mehr zu tun. Für dieses Rennen hat der Dopingkontrolleur seine Schuldigkeit getan. Von Michael von Ledebur Fehraltorf – Der Dopingkontrolleur ist bei seiner Arbeit nicht auf sich allein gestellt. Auf der Tribüne wacht ein ganzes Team darüber, dass sich keiner der Teilnehmer unlauter einen Vorteil verschafft. Da gibt es Experten, die schauen, ob die Pferde im Trabrennen nicht zu Galoppieren beginnen. Andere achten auf die Zahl der Peitschenhiebe oder darauf, ob ein Reiter mit seinem Pferd das andere unerlaubterweise behindert. Bezüglich Doping gibt es zwei Fälle, in denen kontrolliert wird – per Losentscheid oder wenn ein Tier auffällige Leistungen erbringt. «Ich kenne die Pferde genau», sagt Traber-Rennleitungspräsident Rolf Zundel. Klassiere sich ein Pferd deutlich besser als erwartet, werde er hellhörig. Zundel ist überzeugt, dass Doping im Pferdesport kein Problem ist. «Letztes Jahr hatten wir in der Schweiz nur zwei Fälle.» Meistens gehe es nicht um Leistungssteigerung, sondern um Nachwirkungen medizinischer Behandlungen. Gehe das Pferd zu früh an den Start, sei das Medikament nachweisbar.Laut dem Gockhauser Tierarzt und Pferdespezialisten Peter Attinger habe man das Pferde-Dopingproblem tatsächlich im Griff. Dies nicht zuletzt, weil der Markt viel kleiner sei. Attinger: «Heute kann jede Substanz nachgewiesen werden.» Dabei gelte der Nulltoleranz-Grundsatz. Beim Dopen würden vor allem Schmerzmittel angewandt.Doping sei auch aus einem anderem Grund nicht weiter verbreitet. «Der Pferdekörper ist wie ein hochgetunter Motor, der sich über die Jahrtausende entwickelt hat. Man weiss nicht genau, was die Substanzen anrichten. Schlimmstenfalls droht der Totalschaden.» Nicht immer endet ein Rennen mit heiterem Sonnenschein – wer sein Pferd dopt, muss das Preisgeld zurückgeben. Foto: David Kündig

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