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Der Pizzabäcker, der die besten Kebabs rollt

Ararats Döner verdiente einen eigenen Namen. Er hat nichts mit den Kebabs gemein, welche in Zürich sonst serviert werden. Und er schmeckt fantastisch.

Gott, sagt die Bibel, deponierte Noahs Arche nach der Sintflut auf dem Berg Ararat. Ferzende Özcan spülte bloss der Zufall an den Fuss der Lochergut-Hochhäuser. 13 Jahre sind es her, seit der heute 35-jährige Kurde den Namen seiner Imbissbude ins Handelsregister eintragen liess: Ararat Pizzeria GmbH. «Und hier bekommst du den besten Kebab»: So stellten wir während des Studiums neuen WG-Mitbewohnern die Badenerstrasse vor. Um zu testen, ob dem immer noch so ist, nehmen wir an einem der beiden Tische vor dem kleinen Lokal Platz und öffnen eine Dose Efes-Bier (4 Franken). Es zischt.

Viel hat sich verändert: Farbige Leuchtbuchstaben, die das Wort «Lochergut» bilden, flimmern vis-à-vis über der renovierten Ladenpassage. Die Barriere zur noch zu beruhigenden Weststrasse ist weg, und der ein paar Schritte entfernte Idaplatz ist jetzt Szenetreffpunkt.

Blaukohl macht glücklich

Der Döner (7.50 Franken) aber ist immer noch verdammt fein. Ferzende Özcan sagt, es sei der Brotteig, den er jeden Tag selber mache. Älter als 24 Stunden dürfe der nicht sein, und in die Masse knete er nur die besten Zutaten, spezielles Mehl zum Beispiel, 2.30 Franken das Kilo. Vielleicht ist es auch nur der Blaukohl (siehe Box). Das Gemüse macht den Ararat-Kebab aus, es macht die würzige Mischung aus Kalbfleisch, Salat, Tomaten, Zwiebeln, Joghurt- und Cocktailsauce knackig. Hat man das Ding runtergeschluckt, fragt man sich: War das jetzt ein Kebab? Egal. Es macht definitiv satt und glücklich.

Ferzende Özcan kam vor 20 Jahren in die Schweiz. Nach drei Monaten brach er die Berufsschule ab, er musste Geld verdienen, um seiner Familie zu helfen. Ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, fand er einen Aushilfsjob als Tellerwäscher in einer Pizzeria in Rümlang. Nach fünf Jahren wusste er, wie Pizza im Holzofen gelingt, wie das Feuer zu organisieren ist, «damit am Ende nicht eine Hälfte der Pizza schwarz, die andere ungekocht ist.» Nach sechs harzigen Monaten beim Lochergut nahm Özcan die Pizza auf die Karte im Ararat - und die Erfolgsstory begann. Heute verkaufen er und sein Bruder Mahir, die das Restaurant als Familienbetrieb führen, an einem guten Tag, wenn der FCZ ein Heimspiel austrägt etwa, 120 Pizze.

«Ich lebe gut, mache Ferien und helfe der Familie», sagt Özcan. Expandieren will der Vater von zwei Söhnen dennoch nicht. Dafür, glaubt er, fehle ihm die schulische Bildung. Und darum sagt er seinem zweieinhalbjährigen Sohn, der Pizzaiolo werden möchte: «Geh studieren!» Würde er nochmals geboren, würde er «lernen, lernen, lernen» wollen. «Es ist harte Arbeit. Aber diesen Beruf müssen auch welche machen», sagt Ferzende Özcan und verabschiedet sich mit unserer Bestellung nach drinnen.

Dort, über der Bar, läuft im Fernseher immer nur MTV. Musikvideos ohne Ton und Pimp my Ride. Gesprächsstoff für den Stammstehtisch: «Achtung, jetzt möbeln die wieder eine Schrottlaube auf.» Der das sagt, gehört fast schon zum Inventar. Täglich trinkt er mit seinen Freunden im Ararat ein Feierabendbier. Man redet über Politik, übersetzt das Ganze für den japanischen Bankmanager in gebrochenes Englisch und bestellt noch ein Grosses.

Als Özcan die Margherita (10 Franken, perfekt) serviert, sagt er: «Pro Tag sehe ich im Schnitt höchstens einen Fremden.» Alle, die im Ararat einkehren, sind oder werden Stammkunden. Er meint, es sei wegen des Brots. Wir sagen: Es ist der Blaukohl. Ararat Pizzeria, Bertastrasse 1, 8003 Zürich. Telefon 044 451 52 22. Tram Nr. 2 oder 3 bis Lochergut. Mo-Do und So 10-24.30 Uhr. Fr und Sa 10-2 Uhr. Kein Nichtraucherbereich.

Meister des Kebabs: Mahir Özcan hinter dem Tresen im Ararat. Unbedingt vom lila Gemüse unten links probieren!

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