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Der Mob des politisch Korrekten

Militanz?Demodrohungen und ein Anschlag verhindern die Antifeministen-Tagung in Uitikon – muss das sein? Mehr Gelassenheit fordert Thomas Widmer. Das Prinzip der Meinungsfreiheit ist hierzulande anerkannt. Wird die Sache aber konkret, zeigt sich, wie schlecht Leute die Meinung anderer Leute ertragen. Auf den kommenden Samstag wollten in Uitikon gut 150 Personen zum «1. Internationalen Antifeminismus-Treffen» zusammenkommen. Dann gab es einen Farbanschlag auf das Gemeindehaus und eine Demodrohung von Linksaktivisten (der TA berichtete). Der Druck, insbesondere auch gegen den Lokalbesitzer und den Caterer, hat Folgen: Man trifft sich jetzt anderswo, an einem geheimen Ort. Seltsam. Eigentlich haben wir im Land Versammlungsfreiheit. Gilt sie für Antifeministen nicht? Und wer entscheidet, welche Vereinigungen sich versammeln dürfen und welche nicht? Irgendein nächtlicher Stosstrupp? Ku-Klux-Klan ist anders Natürlich darf man mit diesen Antifeministen Mühe haben. Oberorganisator René Kuhn hat sich mit seinem Gerede über «Vogelscheuchen-Emanzen» diskreditiert. Anderseits sind die Menschen, die das Treffen besuchen wollen, keine Nazis, keine Skinheads, keine Ku-Klux-Klanler. Und es ist auch nicht geplant, dass an dem Anlass Frauen Schreckliches angetan wird. Weder in Form wirklich bösartiger Ideen noch direkter Gewalt. Oder doch? Eine Blogschreiberin zieht von der Versammlung zu Uitikon eine direkte Linie retour zu den Hexenverbrennern von einst. Aber dann müsste man beispielsweise auch den kommunistisch geprägten Waadtländer Nationalrat Josef Zisyadis als Erben von Sowjetdiktator Stalin denunzieren. Beides ist auf dieselbe Weise schwammig und halbhistorisch. Das Programm von Uitikon wirkt nachgerade harmlos. Die Vortragsthemen verraten Männernöte, geboren zum Grossteil wohl aus Scheidungsfrust: «Schweizer Väter werden täglich betrogen» – «Gleichstellung ist tot, Richtigstellung tut not» – «Weshalb wir in der Schweiz das männerfeindlichste Familienrecht der Welt haben». Der Feminismus ist längst gesellschaftlicher Mainstream und Teil des Staates, man denke an die Gleichstellungsbüros. Er hat die Frauen mittlerweile ein gutes Stück vorangebracht. Der Antifeminismus ist im Vergleich bloss eine belächelte Ministrömung. Ein Reaktiönchen. Ein Auffangbecken für empörte Geschiedene. Die Machtverhältnisse sind nicht so, dass in Uitikon der «Tipping Point» der Demokratie erreicht wird, also die Mehrheiten des sozialen Fortschrittes ins Kippen geraten. Das ist das, was an dem Protest irritiert: Er geriert sich als Notwehr der Unterdrückten; dabei sind Frauenanliegen mehrheitsfähig und ein permanentes Parlamentsthema. Gnadenlose Hysterie Ein Mob der politischen Korrektheit hat sich da formiert. Eine Eintreibertruppe der richtigen Haltung. Was und wer von ihren Vorstellungen abweicht, wird niedergeschrien. Wird gnadenlos hysterisiert nach dem Prinzip «Wir wollen es gar nicht genauer hören». Wäre bitte mehr Gelassenheit möglich? Die Gewissheit, im Recht zu sein, gibt keinem das Recht, andere am Sprechen zu hindern. Die Freiheit des Andersdenkenden ist ein linkes Motto, muss aber für beide Seiten des Politspektrums gelten. Antifeministen sind kurios, aber keine Monster. Die Freiheit des Andersdenkenden, ein linkes Motto, muss für beide Seiten des Politspektrums gelten.

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