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Der Marihuana-Geruch stieg dem Nachbarn in die Nase

In Wohnungen in Adlikon und Effretikon hat die Polizei drei Hanfplantagen ausgehoben.

Von Rolf Haecky Regensdorf – Töpfchen neben Töpfchen, schön aufgereiht und im grellen Licht: 2000 Hanfpflanzen hat ein Unterländer im Verborgenen gezogen – nicht etwa in einer Fabrikhalle oder in einem abgelegenen Treibhaus, sondern in ganz gewöhnlichen Wohnungen. So etwa im Regensdorfer Ortsteil Adlikon. Hier mietete er eine Viereinhalb-Zimmer-Attika-Wohnung und wandelte drei Zimmer in eine Plantage um. Bald aber fiel einem Nachbarn der intensive Geruch der blühenden Hanfpflanzen auf, der aus der Wohnung drang. Er schaltete umgehend die Kantonspolizei ein. Denn aus den Pflanzen lässt sich das berauschende Tetrahydrocannabinol (THC) gewinnen – der Wirkstoff der Drogen Marihuana und Haschisch. Die Beamten begannen, gegen den Mann zu ermitteln, und fanden bald heraus, dass er eine weitere Wohnung in Adlikon und noch eine dritte in Effretikon gemietet hatte. Am Montagmorgen schlugen die Kantonspolizisten schliesslich zu – und wurden in allen drei Miethäusern fündig. Beschuldigter weilt im Ausland Insgesamt beschlagnahmten die Polizisten 2000 Pflanzen. In der zweiten Attika-Wohnung in Adlikon mit fünfeinhalb Zimmern und in einer Viereinhalb-Zimmer-Wohnung in Effretikon hatte der Mann je vier Zimmer zu Plantagen für den Hanfanbau umfunktioniert. Der Betreiber selbst ist der Polizei vorerst entwischt. Er hält sich zurzeit im Ausland auf. Hanfpflanzen für die Drogenproduktion lassen sich inzwischen dank ausgereifter Technik auf immer engerem Raum ziehen. «Heute kann jeder die hierzu nötigen Mittel und technischen Geräte einfach über das Internet kaufen», sagt Martin Sorg vom Mediendienst der Kantonspolizei. Allerdings erfordert das Aufziehen der Hanfpflanzen ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem. Die Pflanze braucht auch viel Licht und Wärme; geeignete Lichtsysteme und deren Unterhalt sind teuer. «Aber wer zur richtigen Zeit die Hanfpflanzen anbaut, sie richtig bewässert und pflegt, der kann eine Plantage so effizient bewirtschaften, dass er pro Jahr mehrmals ernten kann», sagt Martin Sorg. Ein einträgliches Geschäft Mit Haschisch und Marihuana lässt sich heute gut verdienen. Deshalb lohnt es sich für die Betreiber gar, teuren Wohnraum zu mieten, um in diesem ihre Plantagen einzurichten. So bietet ein Zimmer Platz, um 150 bis 180 Hanfpflanzen aufzuziehen. Auf einem halben Quadratmeter lässt sich pro Ernte der Rohstoff für rund 1 Kilogramm Marihuana gewinnen. Der Zwischenhändler zahlt pro Gramm 6 bis 8 Franken. Pro Kilogramm Marihuana bringt das dem Plantagenbesitzer im Schnitt 7000 Franken ein. Bei drei Ernten im Jahr hat der Unterländer mit seinen rund 200 Quadratmeter Plantagenfläche also mit Einnahmen von mehreren 100 000 Franken rechnen können – und im direkten Verkauf an die Kunden hätte er gar Millionen verdient. Denn der Händler löst im Weiterverkauf an den Konsumenten pro Kilo Marihuana zwischen 10 000 und 12 000 Franken, was einer Marge von etwa 60 Prozent gleichkommt. Je nach Schwere seiner Tat, das heisst nach der Menge bereits verkaufter Drogen, drohen dem Betreiber nach seiner Rückkehr in die Schweiz mehrere Monate oder gar mehrere Jahre Haft. 2000 Hanfpflanzen fand die Polizei in einer Regensdorfer Wohnung. Foto: Kapo

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