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Der liebe Herrgott hat seinen eigenen Parkplatz

Die reformierte Kirche Stäfa hat einen Kunstwettbewerb ausgeschrieben. Zu sehen ist das Ergebnis auf dem Kirchbühl.

Stäfa. - Die Linien leuchten in frischem Gelb, und jeder Platz ist mit einer Beschriftung versehen. «Father», «son» und «holy ghost» sind da zu lesen. Auf dem Platz vor dem Forum Kirchbühl der reformierten Kirche Stäfa befinden sich neuerdings drei markierte Parkfelder.

Diese sind das Resultat eines Projektwettbewerbs für Kunst im öffentlichen Raum / Kunst am Bau, den die reformierte Kirchgemeinde Stäfa ausgeschrieben hat. Wie dem Bericht der Jury zu entnehmen ist, haben vier Vorschläge von vier Kunstschaffenden zur Auswahl gestanden. Gewählt wurde das Projekt von Barbara Mühlefluh aus Neuheim ZG. Wie die Jury schreibt, habe es die Künstlerin am besten verstanden, die Vorgaben umzusetzen. Das Konzept mit den «Parkplätzen der Trinität» besteche durch Einfachheit und ergänze den Aussenbereich zwischen Kirche, Pfarrhaus und Forumsgebäude in passender Form.

Im Schatten der Laterne

Das Kunstwerk wurde aus Mitteln des Kunstfonds der Kirche finanziert. Bei genauem Hinsehen fällt auf, dass diese Parkplätze eigentlich gar nicht genutzt werden können. Eine Lichtstele und Bäumchen erschweren die Zufahrt. Auch ein geübter Fahrer wird es daher nicht schaffen, sein Gefährt korrekt zu parken.

Die Farbe Gelb signalisiert, dass die Plätze für bestimmte Fahrzeuge oder gar explizit für ein einziges Auto reserviert sind. Wieso sind die Felder in englischer Sprache beschriftet? Pfarrer Rolf Kühni kennt die Antwort: «Englisch ist heute die Sprache, die uns den Zugang zur Welt öffnet.» Aber so einfach ist die Sache nicht: «Wenn wir dieselben Worte in Deutsch angebracht hätten, würde jeder meinen, er verstehe sie. Nun sind sie in Englisch, und jeder muss überlegen was sie bedeuten.» Das schaffe Distanz und solle zum Nachdenken anregen, sagt Pfarrer Kühni.

Grosses Interesse für die Parkplätze stellt Kühni bei den Konfirmanden fest. Mit der Frage «Was soll das, Herr Pfarrer?» sei bereits der Denkprozess ausgelöst. Das regt an, das sei Kunst, erklärt er. Für seinen Amtskollegen Roland Brendle ist die Verwendung der englischen Ausdrücke das Element, das den gewöhnlichen Parkplatz zur Installation erhebt.

Das Thema «Parkplätze der Trinität» werde er in diesem Jahr noch häufiger in seiner Arbeit aufgreifen, sagt Kühni. So frage er sich, ob allenfalls doch eines Tages ein Parkplatz durch ein Auto besetzt sei. «Da interessiert es mich dann, welcher es sein wird» sagt der Pfarrer, «schliesslich ist es doch so, wo für Gott ein Parkplatz reserviert ist, wird ein anderer Platz frei.» Beide Pfarrer sind sich einig, dass Kunst mit Humor und Augenzwinkern präsentiert werden soll.

Am 1. November, dem Reformationssonntag, wird das Werk offiziell eingeweiht werden.

Der Vater, der Sohn und der heilige Geist regen in allen Sprachen zum Nachdenken an.

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