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Der Kreuzzug des Elefantino

Italiens profiliertester Rechtsintellektueller Giuliano Ferrara plädiert nun täglich für Silvio Berlusconi – zur besten Sendezeit.

Von Oliver Meiler Fünf Minuten Monolog werden reichen, um die Italiener zu bewegen, sie je nach politischer Gesinnung heillos zu enervieren oder hell zu begeistern – fünf Minuten mit Giuliano Ferrara, von Montag bis Freitag, 20.30 Uhr, RAI Uno. «Qui Radio Londra», so heisst die Sendung in Hommage an die Verdienste der BBC während des Zweiten Weltkriegs, wird immer gleich nach den Abendnachrichten ausgestrahlt: ein gesprochener Kurzkommentar zum Tagesthema, vorgetragen vom schärfsten und polemischsten Denker der italienischen Neokonservativen, dem stark übergewichtigen Direktor der kleinen, aber einflussreichen Tageszeitung «Il Foglio», der seine Artikel selbstironisch mit einem roten Elefäntchen zeichnet statt mit seinem Namen: «Elefantino» – so nennen sie ihn. Giuliano Ferrara (59), früher Kommunist und heute feuriger Antikommunist, mag es, wenn es laut und direkt wird. «Ich hoffe sehr, dass ich für Polemik sorgen werde, dass ich den Bleideckel der Heuchelei sprengen kann», sagte er der «Repubblica». Und die Heuchelei, die ortet er vor allem in der moralisierenden Berichterstattung über seinen Freund Silvio Berlusconi und über dessen Erkundungen im Land des «Bunga Bunga». Er sieht ihn als Opfer einer Hexenjagd. «Der Skandal ist doch nicht‹Bunga Bunga›, sondern dass wir so viel wissen über das Privatleben Berlusconis. Dieser neopuritanische Kreuzzug ist die wahre Schande Italiens.» Man darf also erwarten, dass Ferrara auf seinem Konterkreuzzug im Staatsfernsehen für 3000 Euro pro Sendung oft die Reflexe einer angeblich heuchlerischen, von der Linken und von linken Staatsanwälten angeführten Elite geisseln wird, die nichts anderes im Sinn hatte, als das Privatleben der Italiener auszuspionieren und zu bevormunden. Ein ständiges Plädoyer für Silvio B. und dessen Lebenswandel, während in Mailand die Prozesse gegen diesen laufen. Zuweilen wird er Berlusconi auch kritisieren. Ferrara ist kein Höfling, eher ein Hofnarr – ein Querdenker, der auch mal auf den Tisch haut, wenn ihm die Claqueure Berlusconis dümmlich servil vorkommen. Für Ferrara ist das ein Comeback. Zwischen 1988 und 1994 hatte er auf Berlusconis Privatsendern schon einmal eine Sendung mit demselben Namen und demselben Format. Als Berlusconi dann die Wahlen gewann, wurde Ferrara Minister für die Beziehungen zum Parlament. Nur für kurze Zeit. Seither schreibt er: für Bushs Krieg im Irak, gegen die Abtreibung, für Ratzinger, gegen alle möglichen Konformismen. Sein «Foglio» gehört der Familie Berlusconi. Bis vor drei Jahren machte er daneben auch noch die beste politische Talkshow im Land, «Otto e mezzo» auf dem kleinen Sender La 7, nervte und begeisterte mit intellektuellen Provokationen, forderte und überforderte seine Gäste mit seinem belesenen Geist. Nun redet das Elefäntchen wieder ganz alleine, den Kopf nach vorne gebeugt, mit wuchtiger Präsenz und garantiertem Echo. «Qui Radio Londra», werktags um ca. 20.30 Uhr auf RAI Uno. Giuliano Ferrara.Foto: Getty

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