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Der Kanton bittet den Hausherr auf dem Uetliberg zur Kasse Kanton bittet den Hausherrn auf dem Uetliberg zur Kasse

Die neue Gestaltung des Aussichtsplateaus auf dem Uto Kulm kostet Privateigentümer Giusep Fry eine halbe Million Franken. Die neue Gestaltung des Aussichtsplateaus auf dem Uto Kulm kostet Privateigentümer Giusep Fry eine halbe Million Franken.

Von Silvio Temperli Stallikon/Zürich – Wer darf was auf dem Zürcher Hausberg? Welche Rechte hat Hotelier Giusep Fry, dem das Grundstück gehört, welche haben Wanderer und Bikerinnen im beliebten Naherholungsgebiet? Mit einem Gestaltungsplan will die kantonale Baudirektion den Dauerstreit auf dem Uto Kulm entschärfen. Dieser hat zum Ziel, die kommerziellen Interessen des Unternehmers mit den Ansprüchen der Öffentlichkeit in Einklang zu bringen. Künftig soll sich der Gastro- und Eventbetrieb auf dem Gipfelplateau sichtbar vom Ausflugsbereich abgrenzen (siehe Grafik). Der Privateigentümer hat dabei Einschränkungen auf seinem Territorium in Kauf zu nehmen. Er muss jenen Spaziergängern, die nicht im Restaurant Platz nehmen wollen, den freien Zugang zur Aussichtskanzel gewähren, wo sich der Blick auf Stadt, See und Alpen öffnet. Fry muss Regeln akzeptieren Ausserdem wird Giusep Fry verpflichtet, für Wanderer und Velofahrer einen Kiosk mit einfacher Verpflegung zu führen und von ihnen keine Gebühren für die Benutzung von Turm und Toilette zu verlangen. An Spitzentagen befördert die Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn rund 10 000 Passagiere zur Bergstation. Ende Sommer wird die Baudirektion die planerische Neugestaltung auf dem Reissbrett abgesteckt haben. Sie kommt aber nur dann zum Tragen, wenn Fry sich einverstanden erklärt, die vom Kanton vorgeschlagenen Spielregeln zu respektieren. Diese sind in einem Nutzungsvertrag festgeschrieben, den der Eigentümer mit den angrenzenden Gemeinden Stallikon, Uitikon sowie der Stadt und dem Kanton Zürich abschliesst. Saftige Rechnungen Giusep Fry kommen die Änderungen teuer zu stehen. Allein die Arbeiten am Gestaltungsplan belaufen sich nach Auskunft der Baudirektion auf rund 80 000 Franken, jene für den Nutzungsvertrag machen 40 000 Franken aus. Beide Posten gehen zulasten der Uto Kulm AG. Obendrein fallen für die Umgestaltung des Plateaus inklusive Beleuchtung Kosten in der Grössenordnung von 300 000 Franken an. Auch diese Rechnung geht an den Hausherrn. Darüber hinaus hatte ihn das Bezirksgericht Affoltern Ende Dezember 2010 angewiesen, dem Kanton Zürich 100 000 Franken abzuliefern. Dieser Betrag ist als Abgeltung zu verstehen, weil der Unternehmer seit Jahren Gäste auf jenen Terrassen bewirtet, welche er ohne baurechtliche Bewilligung überdachen und einglasen liess – womit er sich bereichert. Auch weiterhin. Wäre es jedoch nach dem Statthalteramt gegangen, hätte er ungleich tiefer in den Sack greifen müssen: Das Statthalteramt wollte von ihm 400 000 Franken einziehen. Der Hotelier focht den Entscheid an, worauf das Bezirksgericht den Betrag um drei Viertel reduzierte. Fry akzeptierte das Verdikt. Trotzdem profitiert der Unternehmer auch vom Kanton. Fry darf seine illegal erstellten Bauten voraussichtlich stehen lassen. Dank der bürgerlichen Mehrheit des Kantonsrats. Angeführt von SVP und FDP sowie Teilen der Grünliberalen hatte sie Ende Juni 2010 auf Antrag von Regierungsrat Markus Kägi (SVP) einer Richtplanänderung für dieses Landwirtschaftsgebiet zugestimmt. Neu ist der Uto Kulm jetzt dem Erholungsgebiet zugeschlagen. Damit könnte der Kanton die rechtswidrigen Erweiterungsbauten wie etwa die überdachte Rondoterrasse und die eingekapselte Südterrasse des Hotels bewilligen. Kägi spricht von einem Weg, der durch den Entscheid des Parlaments «demokratisch legitimiert ist». Anders SP und Grüne. Für sie wurde der Grundsatz «Gleiche Rechte für alle» mit Füssen getreten – Ausdrücke wie «Uto Berlusconi», «Lex Fry» und «Bananenrepublik» machten die Runde. Eine Richtplanänderung zugunsten eines Unternehmers, der die Gesetze mehrfach missachtete, ist im Kanton Zürich historisch einzigartig. Bis sich indes auf dem Uetliberg die Situation beruhigt, dürften noch mindestens drei Jahre vergehen. Parallel zum Gestaltungsplan und zum Nutzungsvertrag muss Giusep Fry für alle Anlagen, die er widerrechtlich errichten liess, ein Baubewilligungsverfahren durchlaufen. Und bei einer positiven Beurteilung durch den Kanton sind wiederum Einsprachen zu erwarten. Seit sieben Jahren keine Lösung Den Nutzungskonflikt vom Zaun gebrochen hatte Giusep Fry selber, weil er sich wiederholt über die Bauvorschriften hinwegsetzte. Die Gemeinde Stallikon, auf deren Boden sein Anwesen steht, liess ihn dabei gewähren. Vor bald sieben Jahren, es war im Sommer 2004, veranstaltete Fry ein Open-Air-Kino auf dem Uetliberg-Gipfel. Das war der Auftakt zu den endlosen Rechtsstreitigkeiten, mit denen sich schon unzählige Juristen und Gerichte sowie drei Regierungsräte herumschlagen mussten. Zunächst lag das Dossier Uto Kulm bei Dorothée Fierz (FDP), dann übernahm es Ursula Gut (FDP), und aktuell ist Markus Kägi (SVP) dafür verantwortlich. Eine Lösung lässt noch immer auf sich warten. Bis sich die Situation auf dem Uetliberg beruhigt, dürften noch mindestens drei Jahre vergehen. Mit dem «Kino am Berg» fing der ganze Streit vor sieben Jahren an. Foto: Alessandro Della Bella

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