Zum Hauptinhalt springen

Der frühere City-Präsident erfindet sein Reich an der Peripherie neu

Robert Ober scheint der Rückzug aus Zürich geglückt zu sein. Sein zweiter Küsnachter Laden hat sich etabliert, und in Meilen ist ein neuer dazugekommen.

Von Marius Huber Küsnacht – Sein grosses Zürcher Modehaus ist längst Geschichte, aber hoch über der Sihl und den Dächern der Stadt prangt noch immer sein Name in mannshohen Lettern: Ober. Dort wird er auch bleiben – dafür hat nicht etwa Robert Ober selbst gesorgt, sondern der Zürcher Stadtrat, der den prägnanten Schriftzug unter Schutz gestellt und so quasi in den Rang eines Wahrzeichens erhoben hat. Weit weniger auffällig ist die Miniaturversion des Signets, das an einer Hausfassade an der Zürichstrasse in Küsnacht angebracht ist. Dafür ist dieses hier nicht ein Relikt aus vergangenen Zeiten, sondern es ziert den Eingangsbereich eines Modegeschäfts, das seine Kundschaft offenbar gefunden hat. Sechs der Kundinnen, Frauen mittleren Alters, promenieren an diesem Donnerstagnachmittag in neuen Kollektionen über einen roten Teppich, während ihnen die kritischen Blicke der anderen folgen. Es ist Modeschau, und weil der Laden sein 5-jähriges Bestehen feiert, tragen die Frauen, die sich sonst hier beraten und bedienen lassen, mit sichtlichem Vergnügen zum Jubiläum bei. Familiärer und viel kleiner als früher ist das alles, aber das bekümmert den Chef, Robert Ober, zumindest gegen aussen hin gar nicht. «Mir macht das Spass, und das Geschäft läuft gut», sagt der Ur-Küsnachter. Hier, an der Peripherie, hat er seine Marke neu erfunden, seitdem er seine Geschäfte in der Stadt aufgegeben hat. Einst das grösste Modehaus Abschied nehmen sei immer schwierig, sagt Ober, und vor allem das Ende des grossen Modehauses an der Sihl vor 16 Jahren dürfte ihn geschmerzt haben. In den Dreissigerjahren errichtet, war es einst das grösste der Stadt gewesen – Textilien und Mode auf vier Etagen – und Robert Ober hatte es in dritter Generation übernommen. Doch der Konkurrenzdruck von internationalen Ketten und Shoppingcentern nahm zu, und die Lage abseits der Bahnhofstrasse erwies sich als grosses Manko. Später verabschiedete sich Ober auch von den Subway-Läden im Shop-Ville und vom Posten als Präsident der City-Vereinigung. Heute betreibt er zwei Geschäfte in Küsnacht – die ebenso edle wie teure Boutique Selezione an der Florastrasse und das Ober Due an der Zürichstrasse, wo es etwas sportlicher zu- und hergeht. Zudem hat er kürzlich in Meilen das Modegeschäft Myrta übernommen. «Ich bin meinen Kunden gefolgt», sagt der 57-Jährige. Die jüngste Expansion ist ein Indiz dafür, dass er den Gang aufs Land ernst meint, wie er es auch selbst bekräftigt, und dass er den Modeverkauf vor der eigenen Haustür nicht einfach als Hobby pflegt. Er mache zwar mit den drei Läden «nur noch einen Bruchteil» des Umsatzes von früher, räumt er ein, aber was den Ertrag angehe, sei die Goldküste ein sehr interessantes Pflaster. Robert Ober. Eine Kundin führt zum Jubiläum des Ladens Ober Due-Kleider vor. Foto: Silvia Luckner

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch