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Der Flugplatz – ein Biotop

Tribüne Von Markus Gisel* Auf der Website des Forums Biodiversität Schweiz (www.biodiversity.ch) ist Folgendes nachzulesen: «Für den gesetzeskonformen Schutz und die Pflege der Biotope von nationaler Bedeutung wären jährlich 148 bis 183 Millionen Franken nötig, wie neueste Berechnungen von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL, Pro Natura und dem Forum Biodiversität Schweiz zeigen. Dies ist gut doppelt so viel wie der Bund und die Kantone jährlich für diese Aufgabe ausgeben.» Paradoxer könnte die Situation nicht sein. Da werden auf der einen Seite jährlich Millionenbeträge ausgegeben, um die biologische Vielfalt in der Schweiz zu erhalten. Und auf der andern Seite werden wertvolle Lebensräume zerstört, indem Landwirtschaftsland umgezont und zubetoniert wird. Dass sich dies nicht immer verhindern lässt, obwohl heute gesamtschweizerisch Bauland für zweieinhalb Millionen weitere Menschen rechtmässig eingezont ist, dürfte allgemein bekannt und akzeptiert sein. Problematisch, um nicht zu sagen skandalös wird es aber dann, wenn selbst Behörden und Raumplaner nicht davor zurückschrecken, weitgehend naturbelassenes Landwirtschaftsland und Trockenwiesen dem Götzen «maximale Wertschöpfung» zu opfern. Solches zeichnet sich ab im Fall Flugplatz Dübendorf, sollte dieser tatsächlich nach 2014 nicht mehr als Luftwaffenbasis benützt werden. Bei diesem Objekt der Begierde handelt es sich um ein Areal von 2,6 Quadratkilometern inmitten des Glattals. Abgesehen von den Pisten und Rollwegen sowie eines schmalen Streifens an der Peripherie, auf welchem Werkhallen und Hangars stehen, handelt es sich um Landwirtschaftsland und Trockenwiesen. Diese grüne Lunge im dicht besiedelten Gebiet der S-5-Stadt bietet vielen Tier- und Pflanzenarten einen idealen Lebensraum. Zwar ist nicht bekannt, ob allenfalls seltene oder gar vom Aussterben bedrohte Spezies in diesem Gebiet heimisch sind – so zumindest die Auskunft der Fachstelle Naturschutz. Aber es darf wohl angenommen werden, dass hier ähnliche Verhältnisse vorzufinden sind wie im übrigen von Feuchtgebieten durchmischten Glattal. So befindet sich zum Beispiel auf dem Areal des Flughafens Zürich-Kloten ein 0,74 Quadratkilometer grosses Naturschutzgebiet. Seltene Pflanzen und Tierarten finden dort Lebensräume, wie sie ursprünglich im ganzen Mittelland grossflächig vorhanden waren. Auf oder über dem Areal des Militärflugplatzes kann der interessierte Beobachter zudem im Wechsel der Jahreszeiten nebst einer wundervollen Flora auch Störche, Graureiher und Greifvögel beobachten. Durchziehende Zugvögel, wie zum Beispiel der Kiebitz, nutzen jeweils die weiträumigen Flächen als Rastplatz. Im «Glattaler» vom 21. Mai findet sich ein Bericht, wonach in der Flugplatzanrainergemeinde Volketswil 65 verschiedene Brutvogelarten kartiert wurden. Dabei sticht folgender Vermerk ins Auge: «Die kantonal besten Vorkommensplätze der seltenen Arten Wachtel, Kiebitz, Feldlerche und Grauammer finden sich im extensiv genutzten und von Erholungsdruck befreiten Flughafengelände.» Funkstille bei den Grünen So vehement Naturschützer sich oftmals bemerkbar machen und in den politischen Entscheidungsprozess eingreifen, wenn es darum geht, die Natur vor dem Übergriff der Urbanisierung zu schützen, so still bleibt es im Fall Flugplatz Dübendorf aus dieser Ecke. Ja, man zeigt sich sogar kompromissbereit und könnte mit der Realisierung eines Innovationsparkes auf dem Flugplatz leben, wenn dieser nur langsam Fortschritte machen würde und damit der Freiraum für mindestens eine Generation gewährleistet bliebe. In diesem Sinne hat sich jedenfalls Nationalrätin Brigit Wyss (Grüne), Rechtsberaterin von Pro Natura Schweiz, kürzlich geäussert. Dafür kann es meiner Meinung nach nur einen Grund geben. Den Naturschützern ist nicht bekannt, welchen Stellenwert der Flugplatz Dübendorf in Sachen Biodiversität hat. Offenbar haben sie noch nicht erkannt, wie das Beispiel Zürich-Kloten (und viele mehr) zeigt, dass Natur und Technik durchaus eine Symbiose bilden können. Dass solche Nutzungen wie der eines Flugplatzes sogar Garant dafür sind, dass, ganz im Gegensatz zu anderer zivilisatorischer Verwertung, zwischen den Pisten- und Rollwegsystemen überdurchschnittlich viel grüne Freiräume verbleiben. Weil Flugplätze, ob zivil oder militärisch, eingezäunt sein müssen, sind diese Grünflächen auch weitgehend vor menschlichem Zugriff und Haustieren, so Hunden, geschützt, was ideale Voraussetzungen für einen natürlichen Lebensraum mancher Arten bietet. Es ist kein Widerspruch, als Flieger gleichzeitig auch Naturfreund zu sein – im Gegenteil: Viele lernen fliegen, gerade weil sie Freude an der Natur und deren Urkräften haben. Den Flugplatz Dübendorf zu erhalten, bedeutet, ein einmaliges Biotop zu erhalten. * Markus Gisel ist Vorstandsmitglied des Vereins Forum Flugplatz Dübendorf und Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit der Task Force Flugplatz Dübendorf. Gisel wohnt in Kindhausen. Markus Gisel

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