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Der FCZ – eine tunesische Macht

Mit Chermiti, Zouaghi und Chikhaoui stellen die Nordafrikaner die zweitgrösste FCZ-Fraktion.

Von Anna Baumgartner und Peter Bühler Nach der enttäuschenden Rückrunde mit dem siebten Schlussrang und zum Teil demütigenden Niederlagen hat sich der FC Zürich in allen Mannschaftsteilen verstärkt. Für die Defensive wurden der portugiesische Abwehrchef und Tihinen-Nachfolger Jorge Teixeira sowie der tunesische Nationalspieler Chaker Zouaghi verpflichtet. Im Mittelfeld soll das Thuner Talent Stjepan Kukuruzovic für neuen Schwung sorgen. Den prominentesten Zuzug verzeichnen die Zürcher in der Offensive. Von Bundesliga-Absteiger Hertha Berlin konnten sie Amine Chermiti ablösefrei übernehmen – er gilt als torgefährlicher Stürmer und ergänzt die Tunesier-Fraktion um Yassine Chikhaoui und Zouaghi. Chaker Zouaghi: Sanfter Riese Chaker Zouaghi ruhe in sich selbst, sagt FCZ-Sportchef Fredy Bickel über den neuen Defensiv-Allrounder, er sei von stoischer Gelassenheit. Zouaghi lacht und fragt zurück: «Was ich an Zürich am meisten mag?» Lange braucht er nicht zu überlegen. «Die Ruhe.» Er war erst 20-jährig, als er seinen Stammklub Etoile Sportive du Sahel im tunesischen Sousse Richtung Moskau verliess. Dreieinhalb Jahre hielt er es in der russischen Metropole und beim Klub Lokomotive aus, besonders gefallen hat es ihm dort nicht. «Es war mir zu laut und zu hektisch in diesem riesigen Moloch Moskau.» Er kehrte zurück nach Tunesien. Im vergangenen Herbst lud ihn sein Freund Yassine Chikhaoui nach Zürich ein, Zouaghi machte ein paar Trainings beim FCZ mit. Der Kontakt riss seither nie ab. «Ja, und jetzt bin ich hier.» In Kilchberg hat der sanfte Riese mit dem Gardemass von 1,90 m eine Wohnung gefunden, «ganz in der Nähe von Yassine». Dieser Tage reisen seine Frau und seine dreimonatige Tochter aus Tunesien nach. «Sie werden die Stadt, den See und die nahen Berge schätzen», glaubt Zouaghi. Er hat vor, länger in Zürich zu bleiben. Sein Vertrag läuft bis 2013. Für diese Zeit setzt sich der mittlerweile 25-jährige Kopfballspezialist klare Ziele: «Ich will mit dem FCZ Meister und im Nationalteam Stammspieler werden.» Amine Chermiti: Wunschstürmer Vor gut zwei Jahren reisten FCZ-Präsident Canepa, Verwaltungsrat Strittmatter und Sportchef Bickel nach Tunesien. Der Grund für den Trip der Delegation aus Zürich: der beabsichtigte Transfer von Amine Chermiti von Etoile Sportive du Sahel zum FCZ. Der damals 20-jährige Stürmer hätte gern in die Schweiz gewechselt. Es wurde verhandelt und gefeilscht, und die drei Zürcher wurden sogar bei Chermitis Eltern vorstellig. Zum Schluss verloren sie den Kampf um das Talent, zumindest vorläufig. Chermitis Stammklub setzte die Transfersumme bei 2,2 Millionen Euro fest, einen Betrag, welchen der FCZ nicht zu bezahlen bereit war, wohl aber Hertha Berlin mit seinem Trainer Lucien Favre. In der deutschen Hauptstadt wurde Chermiti allerdings nicht glücklich. Eine Knieverletzung warf ihn zurück, in seiner ersten Saison mit Hertha kam er nur auf zehn Einsätze. Das letzte Jahr wurde er von den Berlinern an al-Ittihad nach Saudiarabien abgegeben, für sagenhafte 900 000 Euro Leihgebür. Wegen des Abstiegs der Hertha kam Chermiti nun ohne Ablöse aus seinem eigentlich bis 2012 laufenden Vertrag heraus und wurde doch noch frei für den FCZ. In der Schweiz kennt man ihn kaum, in seiner Heimat aber ist der 22-jährige Stürmer mit seinen 5 Toren in 18 Länderspielen eine feste Grösse. Mit Etoile du Sahel gewann er 2007 die afrikanische Champions League und war mit acht Treffern bester Torschütze des Wettbewerbs. Im gleichen Jahr wurde er zum tunesischen Fussballer des Jahres gewählt. Seine grösste Qualität fasst der leidlich Ddeutsch sprechende Chermiti in aller Kürze zusammen: «Tore schiessen.» Jorge Teixeira: Reisender Die Karriere von Jorge Teixeira ist eine Reise. 23 ist er erst, doch für sechs Klubs hat er bereits gespielt. Der FC Zürich ist seine siebte Station. «Es ging in meiner Karriere immer in kleinen Schritten aufwärts», sagt Teixeira. In Lissabon ist er aufgewachsen, Sporting war sein Klub. In seiner Jugend spielte er mit Cristiano Ronaldo und Nani. Doch während diese den Sprung in die erste Mannschaft und ins Ausland schafften, wurde Teixeira in die zweite und dritte Liga abgeschoben. «In Portugal suchen die Klubs immer zuerst Spieler im Ausland, bevor sie in ihrem eigenen Land schauen», findet Teixeira. Im Sommer 2008 ging er nach Zypern und ein Jahr darauf zog er weiter nach Israel. Mit Maccabi Haifa qualifizierte er sich für die Champions League und spielte in fünf von sechs Spielen der Gruppenphase. «Die Champions League war ein grosses Erlebnis», sagt Teixeira. In Israel bleiben wollte er trotzdem nicht: «Die Kultur, die Mentalität, die Sprache, alles ist da völlig anders.» Zu heiss war es ihm auch. Und weil im Winter durchgespielt wurde, konnte er nur einmal im Jahr nach Portugal. Auch wegen der Nähe zur Heimat hat sich Teixeira jetzt für Zürich entschieden. Der FCZ sieht im 1,90 m grossen Innenverteidiger den Nachfolger von Hannu Tihinen. Dass die Erwartungen deshalb gross sind, weiss Teixeira. Er traut sich eine Führungsrolle zu: «Ich kann ein Abwehrchef sein. Ich kommuniziere auf dem Platz. Das ist wichtig.» Teixeiras Reise könnte länger unterbrochen sein. Beim FCZ hat er einen Vierjahresvertrag unterschrieben. Stjepan Kukuruzovic: Talent Er ist gebürtiger Kroate, kommt aber aus dem Berner Oberland. Die Challenge League war seine Heimat. Jetzt ist Stjepan Kukuruzovic in Zürich und beim FCZ angekommen und hat festgestellt: «Die Unterschiede sind gross.» Allein ist der 21-Jährige in die Stadt gekommen und hat in Oberengstringen seine erste eigene Wohnung bezogen. Die Eltern blieben mit dem zwei Jahre jüngeren Bruder in Lerchenfeld, einem Stadtteil von Thun. «Es ist schon ein wenig seltsam, wenn du nach Hause kommst und niemand auf dich wartet», sagt er. Die Erfahrung, selbstständig zu werden, macht er trotzdem gerne. Kukuruzovic hat eine kaufmännische Lehre abgeschlossen. Im vergangenen Sommer hatte sich auch YB für ihn interessiert. Kukuruzovics Entscheid für den FCZ stand aber schnell fest, weil er in den Gesprächen mit den Zürchern mehr Vertrauen gespürt hat. FCZ-Sportchef Fredy Bickel sagt: «Er ist eines der grössten Talente in der Schweiz.» Im offensiven Mittelfeld fühlt sich Kukuruzovic am besten platziert. In Thun war er ein Schlüsselspieler und erzielte in der vergangenen Saison sieben Tore – darunter das 1:0 gegen Lugano, das der Mannschaft die entscheidende Chance zum Aufstieg zurückgab. Seine alten Teamkollegen spielen jetzt wie er in der Super League. Die FCZ-Führung überlegte deshalb, Kukuruzovic noch ein weiteres halbes Jahr in Thun spielen und reifen zu lassen. Der Spieler aber wollte nicht. Er glaubt daran, seinen Aufstieg auch in Zürich fortsetzen zu können. Frisches Lachen beim FC Zürich: Die vier Neulinge Chaker Zouaghi, Amine Chermiti, Jorge Teixeira und Stjepan Kukuruzovic (von links). Foto: Reto Oeschger

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