Zum Hauptinhalt springen

Der etwas andere Frauenversteher

Der Zürcher Oliver Bless ist seit 13 Jahren im Frauenfussball tätig. Zurzeit behauptet er sich mit dem FC Staad gegen die Grossklubs der NLA. Morgen Samstag spielt sein Team gegen die Grasshoppers.

Von David Schweizer Er sieht sein Team gerne in der Rolle der Gallier. «Die Römer haben alles zur Verfügung», sagt Oliver Bless. Der 41-Jährige meint damit die übermächtige Konkurrenz von GC, YB, Basel und FCZ. Bless hat vor eineinhalb Saisons die Frauen des FC Staad übernommen. Nach dem Aufstieg in die NLA. Zuvor war der Provinzverein bei seinen letzten zwei Aufenthalten in der höchsten Schweizer Liga abgestiegen (2002/04). Auch jetzt geniessen die Ostschweizerinnen wenig Kredit in der Liga. Doch Staad schaffte im letzten Frühjahr den Klassenerhalt und ist nun auf dem besten Weg, die neu geschaffene Finalrunde mit den besten 8 NLA-Klubs zu erreichen. Zuletzt bezwang es im Direktduell das mitabstiegsgefährdete Zuchwil 2:0. Das siegsichernde zweite Tor erzielte Karin Raymann in der 85. Minute per Foulelfmeter. Der frühere Captain hatte zwei Tage zuvor erstmals seit sieben Monaten wieder mit dem Team trainiert. Und wurde dann von Bless extra für den Penalty eingewechselt. Eine Massnahme, die zum nicht alltäglichen Staad-Trainer passt. Seit 13 Jahren trainiert der Zürcher ausschliesslich Frauenteams. Er betreute Dietikon (1. Liga), die Blue Stars (NLA/NLB/1. Liga), LUwin.ch (NLA) und Malters (NLB). Unlängst lobte ihn Trainerkollege Per Camenisch, der Frauenverantwortliche bei Rapperswil: «Überall wo du bist, geht es aufwärts.» Doch auch er war nicht von Rückschlägen gefeit. Bei LUwin.ch hatte Bless 2006 das schwierige Erbe von Meistertrainer Beat Naldi angetreten. Der Luzerner Verein hatte ihn kurzfristig vom Kantonsrivalen abgeworben. Nur wenige Monate später trat er nach dem Ausscheiden im Cup-Halbfinal zurück. Die Chemie im Team habe nicht gestimmt. Das könne er nicht akzeptieren, blickt Bless zurück. Er wolle nicht Platz 3 oder 4 erreichen. 25 000 km für den FC Staad Bei LUwin.ch coachte der Versicherungsberater die heutigen Schweizer Nationalspielerinnen Gaëlle Thalmann, Rahel Graf, Isabelle Meyer, Martina Moser und Ramona Bachmann. In Staad gibt es keine grosse Namen im Kader. Die Herausforderung ist es, überhaupt im Konzert der Top-Klubs mitzuhalten. «Ich wollte nochmals auf höchster Stufe zeigen, was ich drauf habe. Die NLA ist wie ein Haifischbecken. Wir versuchen mit Cleverness und Taktik zu überleben», sagt Bless. Und um sein Können zu zeigen, ist dem Trainer auch kein Weg zu weit. Rund 25 000 km legt er für den Verein im Jahr zurück. Der Weg zum Training dauert – je nach Verkehr – bis zu zwei Stunden. Dass Staad nicht für den attraktivsten Fussball der Liga steht, stört Bless indes wenig. «Unsere Gegner trainieren bis zu fünfmal in der Woche. Diese mit Auswahlspielerinnen gespickten Teams müssten doch so einen Zwerg mit lauter Handwerkerinnen an die Wand spielen», stellt er nüchtern fest. Rücktritt zum Ende der Saison Morgen, Samstag, wartet auf die Staaderinnen mit den Grasshoppers einer dieser vermeintlich übermächtigen Gegnern (GC/Campus Niederhasli, 17 Uhr). «Ich spiele gerne gegen GC», sagt Bless. Die Zürcherinnen taten sich in den letzten Vergleichen immer schwer gegen den am Bodensee beheimateten Klub. Im November verloren sie sogar 0:1. «GC hatte in dieser Phase viele Verletzte. Wir konnten dies ausnützen», wiegelt er ab. Mittlerweile hat sich bei den Grasshoppers aber die personelle Situation entspannt. Und der Start ist mit Siegen über Basel (2:0) und St. Gallen (4:0) gelungen. «Ich erwarte ein starkes GC», sagt der Trainer. «Wir sind klarer Aussenseiter.» Bless gefällt es in der Provinz. Dennoch wird er zum Saisonende bei Staad aufhören. Der U-18-Trainer des Vereins hegt Ambitionen auf seine Position. Damit habe er kein Problem, bekräftigt der Zürcher, der nur noch dank einer Sonderbewilligung des Schweizerischen Fussballverbandes eine Frauen-Equipe in der Nationalliga A betreuen darf. Ihm fehlt das neuerdings nötige A-Diplom. Ohnehin weiss Bless, dass es nach dem möglichen Ligaerhalt in der nächsten Saison noch schwerer würde. «Jetzt geht es noch. Aber du kannst nicht immer nur das Ventil aufmachen. Dann ist auch wieder frisches Blut im Team nötig.» Sprintübungen der alten Schule Bless ist im Frauenfussball bekannt für seine klare Ansprache. Im Gegensatz zu anderen Trainern ist er dezidiert der Meinung, keine Unterschiede zwischen Frau und Mann im Fussball zu machen. «Meine Trainingsmethodik ist anders. Und die Sprintübungen sind von der alten Schule. Wie bei Felix Magath.» Von der mittlerweile weitverbreiteten Laufschule will er nichts wissen. «Wir müssen die Zeit sinnvoll nutzen», stellt er klar. Mit seinen Ansichten würde er beim FC Zürich oder GC anecken. Deshalb sei er dort auch trotz seines grossen Erfahrungsschatzes nie ein Thema als Trainer gewesen, ist er sich sicher. Er sei schonungslos ehrlich, bekräftigt Bless. «Ich würde die Jungen härter drannehmen. Doch in diesen Mannschaften muss man mit den Spielerinnen wohl anders umgehen. Dort hat es mehr Divas.» Den Lebensmittelpunkt in Zürich – das Traineramt in der Provinz:Oliver Bless betreut die NLA-Fussballerinnen des FC Staad.Foto: Tom Kawara

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch