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Den Kopf in Aarau, das Herz in Zürich

GC-Präsident Urs Linsi muss Millionen einsparen. Deshalb verhandelt er über den zukünftigen Spielort des Rekordmeisters.

Von Peter Bühler, Ueli Kägi und David Wiederkehr Urs Linsi ist bestens gelaunt an diesem Montagnachmittag. «Alle meine Mitarbeiter in der Administration, die Spieler, der Trainer und auch ich arbeiten hart an der Zukunft von GC», sagt er. Der Präsident sitzt in einem Büro im 1. Stock des Campus in Niederhasli, unten auf dem Kunstrasen dreht das Team seine Runden. Linsi versprüht Zuversicht: Vom sportlichen Mindesterfolg, dem Klassenerhalt, ist er so überzeugt wie vom wirtschaftlichen Fortbestehen des Vereins. Bis März will er den Klub für die nächsten drei Jahre finanziell abgesichert wissen, das jeden Frühling wiederkehrende Feilschen mit der Liga um die Lizenz ist ihm zuwider. Er strebt eine langfristige und nachhaltige Gesundung an. Zum Stand der Mittelbeschaffung bei Gönnern bleibt er unverbindlich: «Wir sind auf gutem Weg, etwa in der Halbzeit.» Die Grasshoppers suchen mindestens 16 und lieber 20 Personen, die jeweils 250 000 Franken pro Saison einschiessen, um das strukturelle Defizit von gegen 5 Millionen Franken jährlich auszugleichen. Mietkosten: 2,375 Millionen Daneben muss GC sparen – bei den «grossen Brocken», wie Linsi sagt. Einer von ihnen sind die Kosten für den Letzigrund. 2,375 Millionen Franken für Miete und die Sicherheit im Stadion hat der Klub in der vergangenen Saison an die Stadt Zürich abgeliefert. Dazu kamen Beiträge an die Polizei für Einsätze ausserhalb des Stadions von mehr als den bisher kolportierten 700 000 Franken. «Wir können, wollen und werden uns diese Kosten nicht mehr leisten», sagt Linsi. Er hat den Vertrag mit der Stadt auf 30. Juni 2011 gekündigt. Die sich abzeichnende Entspannung bei den Polizeigebühren, die Gegenstand laufender Verhandlungen sind und auf 500 000 Franken pro Saison beschränkt werden sollen, bedeuten für GC keine entscheidende Verbesserung. Die Ausgaben im Letzigrund laufen für den finanzschwachen Klub aus dem Ruder. Die Zürcher haben bei anderen Vereinen der Super League Erkundigungen eingezogen und dabei festgestellt, dass sie viel höhere Kosten zu tragen haben als diese – «wir zahlen unverhältnismässig viel mehr», wie Linsi betont. Er muss sich dabei an einem Klub wie Sion orientieren, der für Heimspiele im Tourbillon inklusive Polizeikosten nur 600 000 Franken bezahlt. Anders geht es dem FC Basel, der pro Saison 5 Millionen Franken für die Miete des St.-Jakob-Parks und die Sicherheit im Stadion bezahlt – allerdings steht den Baslern ein grösseres und reines Fussballstadion mit einem bedeutenden Angebot an Logen zur Verfügung. Was die Stadionkosten angeht, erhält Linsi Unterstützung von Ancillo Canepa. Der Präsident des FCZ erklärt: «Die Kosten im Letzigrund sind extrem hoch.» Eine Kündigung des Stadionvertrags ist für ihn mangels Alternativen in Zürich dennoch keine Option. «Der FCZ ist der Stadtklub, er gehört zu Zürich.» Weil GC vertraglich verpflichtet ist, die Rückrunde noch im Letzigrund zu bestreiten, will Linsi zu kostensenkenden Sofortmassnahmen greifen. Er beabsichtigt, das Stadion vor den Spielen später zu öffnen und einzelne Sektoren zu schliessen. Mit diesen Massnahmen könnten Einsparungen im sechsstelligen Bereich gemacht werden. 3 Franken Defizit pro Zuschauer Der Präsident möchte zudem bei der Sicherheit im Letzigrund sparen. Er sieht nicht ein, «weshalb das Stadion durch acht Personen an Monitoren videoüberwacht wird, wenn Xamax mit seinen 30 Fans in den Letzigrund kommt». Er rechnet vor, dass GC pro Spiel 8Franken an Sicherheitskosten für jeden Zuschauer im Stadion bezahle; er erklärt, dass der Klub im Letzigrund pro verkauftem Ticket im Durchschnitt gerade mal 2Franken einnehme, dass aber nach dem Abzug von 5Franken pro Zuschauer für polizeiliche Leistungen ausserhalb des Stadions ein Defizit von 3 Franken resultiere – der FC Basel nimmt im Vergleich pro Zuschauer rund 25 Franken ein. Für GC kämen Geisterspiele im Campus günstiger als Partien im Letzigrund. Linsis Fazit: «Das kann es ja nicht sein.» Viele aus dem GC-Umfeld sind verärgert, weil ihnen nach dem Auszug aus dem alten Hardturm versichert worden war, der Klub werde bald wieder in seine Heimat, den neu erstellten Hardturm, zurückkehren können. Es werden bis dahin noch viele Jahre vergehen. Linsi hat sich deshalb darangemacht, nach alternativen Spielorten zu suchen. Er verhandelt mit dem FC Aarau und der Aargauer Kantonsregierung darüber, ab der kommenden Saison im Brügglifeld und später im neuen Stadion im Torfeld Süd beim Aarauer Bahnhof zu spielen. Weil für das neue Stadion bereits eine Baueingabe eingereicht wurde, wäre für GC nach Linsis Meinung eine mehrjährige Übergangslösung im Brügglifeld mit den Reglementen der Liga konform. Die Vision von der Rückkehr Gleichzeitig führt Linsi mit dem FC Luzern sowie den Behörden in Emmenbrücke und des Kantons Luzern Gespräche über einen allfälligen Umzug ins Stadion Gersag, das der FCL im Sommer verlassen wird. «Der Traditionsklub GC wäre in Aarau wie in Emmenbrücke willkommen», sagt Linsi. Die Mietkosten in beiden Stadien würden nur einen Bruchteil der Letzigrund-Miete betragen (vgl. Text unten). Und GC könnte in beiden alternativen Spielorten das Stadion selber vermarkten und höhere Erträge erzielen, wie Linsi überzeugt ist. Er glaubt nicht an bedeutend kleinere Zuschauerzahlen im Exil als im Letzigrund. Als Drohgebärde gegenüber der Stadt Zürich will er seine Verhandlungen mit den beiden anderen Standorten nicht verstanden wissen. «Unser Verhältnis zur Stadt Zürich ist intakt, die Gespräche über einen Verbleib von GC im Letzigrund laufen ebenfalls weiter.» Um wie viel die Stadt dem Klub bei den Miet- und Polizeikosten entgegenkommen müsste, mag er nicht quantifizieren. Doch er macht keinen Hehl daraus, dass er als Zürcher und Zunftmeister der Zunft Hard mit seinem Klub am liebsten in Zürich spielen würde. Urs Linsis Herz schlägt für Zürich, der Kopf denkt an Aarau – und Emmenbrücke. Falls es mit der Stadt Zürich zu keiner Einigung kommen sollte, hat er eine klare Vision: Nach einer Übergangszeit im Gersag oder im Brügglifeld würde er mit seinem Klub zunächst ins Aarauer Stadion im Torfeld Süd umziehen – und später zurück in den neuen Hardturm. Oder wie es Linsi ausdrückt: «Zurück in die GC-Heimat – aber zu einem vernünftigen Mietpreis.» Brügglifeld III: Erleichterung hinter dem schützenden Bretterverschlag, Das Brügglifeld in Aarau: Ein in die Jahre gekommenes Kleinstadion inmitten eines Wohnquartiers mit vielen Einfamilienhäusern.Fotos: Nicola Pitaro Visualisierung des geplanten Stadions im Torfeld Süd beim Aarauer Bahnhof. Brügglifeld II: Die Stehrampe – und das erste GC-Emblem am Gitterzaun (links). Urs Linsi. Brügglifeld IV: Die Haupttribüne – wenig Komfort auf Schalensitzen aus Plastik.

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