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«Davos musste zuerst auch scheitern»

Flyers-Präsident Jürg Bircher (46) spürt, dass in Kloten ein Erfolgsteam heranwächst.

Mit Jürg Bircher sprachen Silvan Schweizer und Etienne Wuillemin Jürg Bircher, haben Sie die Finalniederlage schon verdaut? Noch nicht. Es ist ein zwiespältiges Gefühl: Wir können sehr zufrieden sein, wir haben vom ersten bis zum letzten Tag attraktives Eishockey gezeigt. Aber wenn man im Final steht . . . (bricht ab). Wir haben ein Déjà-vu erlebt. Wie 2009 im siebten Spiel konnten wir am Dienstag unsere Chancen bei 5 gegen 3 nicht nutzen. Und Bednar machte dann für Davos den Unterschied. Das hätte ich bei uns von Rintanen erwartet. Hat Sie das im Entscheid bestätigt, mit Rintanen nicht zu verlängern? Ja. Er war in all den Jahren ein unglaublicher Spieler, ein überdurchschnittlicher Ausländer. Aber im Playoff ist aus ihm ein durchschnittlicher geworden. Was hat sonst zur Krönung gefehlt? Wenig. Ronnie Rüeger hat es mir bei einem Bierchen in der Garderobe richtig gesagt: Der zweite Match entschied diese Serie. Dieses Heimspiel hätten wir nicht verlieren dürfen. Aber ich sage: Ausser im ersten Match waren wir immer auf Augenhöhe. Anders gefragt: Was hatte der HCD, was Kloten nicht hatte? Die Davoser wissen im entscheidenden Moment, wie man Meister wird, und sie haben mit Rizzi, Von Arx und Forster auch die Spieler dazu. So einen Kern haben wir noch nicht. Aber in Davos kam das nicht vom einen Tag auf den anderen. Die mussten zuerst auch scheitern. Sind die Flyers nun im Lernprozess, wie man Meister wird? Das kann man nicht lernen. Der SCB versucht es ja seit zehn Jahren, und es ist ihm nur zweimal gelungen. Wir lernen derzeit, erfolgreich zu werden. Welche positiven Aspekte nehmen Sie in die Sommerpause? Wir haben den Fans etwas geboten: Wir haben bewiesen, dass Schnelligkeit erfolgreicher ist als Rumpel-Eishockey. Nun müssen wir noch etwas schneller werden. Und den letzten Match der Saison gewinnen. (lacht) Wie beurteilen Sie die Entwicklungen der Spieler? Es hat sich keiner zurückentwickelt. Bodenmann und Kellenberger waren stark, Walser stieg auf. Und Steiner wird eine feste Grösse – mit den Anlagen, ein zweiter Forster zu werden. Dann gibt es noch die Junioren Marti, Leoni, Hoffmann . . . Das klingt, als planten Sie die Rückkehr zur Vernunft. Wir waren nie unvernünftig. Sie hatten 2010 kräftig investiert. Blum, Bieber, DuPont und Lemm waren wohl nicht gerade günstig. Und? Hat einer nicht eingeschlagen? Wir waren immer ein Ausbildungsklub, aber diese Spieler haben wir gebraucht. Der Klub hatte zuvor eine Generation um Suri, Schlagenhauf und Grossmann verloren. Heute bleiben die Jungen gerne in Kloten. Wir sind ehrlich und transparent in den Gesprächen, zeigen ihnen ihre Aufstiegsmöglichkeiten auf. Wenn Sie sehen, wie nahe Kloten dem Titel ist: Wollen Sie da immer noch mit drei Ausländern in die nächste Saison starten? Wenn Von Gunten nicht gehen würde, stellte sich diese Frage für uns nicht. Ich wusste, dass er mit Frölunda verhandelte, war aber etwas überrascht, dass er den Transfer durchzog. Wenn sich nun in der Defensive einer der Leistungsträger verletzen würde, wären wir dünn besetzt. Nun müssen wir besprechen, ob wir eben doch einen zusätzlichen Ausländer verpflichten wollen. Im Playoff spielen wir dann sicher mit vier. Wie stehen Sie zu einer Rückkehr von Roman Wick? Wir haben per Handschlag bis 2014 abgemacht. Die Hälfte seines Lohns ist im Budget eingeplant. Für ihn persönlich hoffe ich aber, dass er es noch einmal probiert in Nordamerika. Es wäre ein schlechtes Zeichen, wenn ein Schweizer Stürmer aufgibt. Was erhoffen Sie sich von den Zugängen für den nächsten Winter? Schelling soll physische Präsenz zeigen und sich bei uns weiterentwickeln. Berger soll ein starker fünfter oder sechster Verteidiger werden, vielleicht mehr. Und Nordgren muss die Flügelfräse sein, welche Kraft ins Spiel bringt. Er war der Wunschtransfer von Trainer Eldebrink. Wie werten Sie Eldebrinks Arbeit? Eldebrink verfügt über eine hohe Sozialkompetenz, kann das Beste aus der Mannschaft holen. Er ist besonnen, ehrlich und hat klare Vorstellungen: Als wir uns im November zu den Vertragsgesprächen trafen, hatte er eine Liste dabei mit den Spielern, mit denen er künftig arbeiten möchte und mit jenen, die er lieber nicht mehr dabei hätte. War immer klar, dass Sie mit ihm verlängern? Für mich schon. Kontinuität ist enorm wichtig. Schauen Sie nur die Trainer der Finalteams an oder nach Genf, das immerhin zweimal im Final stand. Eldebrink hat an den richtigen Schrauben gedreht, indem er Stancescu zum Captain machte, Lemm und Du Bois zu dessen Assistenten. Diese Spieler sind mental sehr stark. Im Sommer gaben der hohe Verlust und unbezahlte Rechnungen unter Ex-Präsident Peter Bossert zu reden. Wie ist die Finanzlage jetzt? Diese Rechnungen sind erledigt. Es sieht danach aus, als ob wir den Turnaround schaffen. Ich habe immer gesagt: Ich mache drei Jahre als Präsident, dann sollte der Klub selbsttragend sein. Nun steht noch eine letzte Hypothek in der Bilanz: die hohen Spielerwerte. Aber die haben wir auch von 3,6 Millionen Franken auf 3 Millionen senken können. Welchen Einfluss hat das Erreichen des Finals auf die Bilanz? Mit den zehn Playoff-Heimpielen konnten wir 1,9 Millionen Franken einnehmen, mussten aber auch Prämien von 400 000 Franken ausschütten. In dieser Saison verbuchten wir einen Rekord: 3,4 Millionen an der Tageskasse und 3,5 Millionen bei den Saisonkarten, also fast 7 Millionen Ticketeinnahmen. Das sind 500 000 Franken mehr als budgetiert. Trotzdem: Kann Kloten mit seinen Möglichkeiten den Anspruch haben, längerfristig ein Spitzenklub zu sein? Ohne Catering nicht. Andere Vereine wie Zug oder Fribourg könnten sonst auch nicht überleben. Wir verhandeln derzeit darüber, das Catering von der Gaho AG für die Saison 2012/13 zu übernehmen. Die Chancen stehen nicht schlecht. Und wenn wir in diesem Bereich dereinst 700 000 Franken pro Jahr erwirtschaften könnten, wäre das toll.Die Davoser Meisternacht, Seite 51 «Diese Rechnungen sind erledigt. Es sieht danach aus, als ob wir den Turnaround schaffen.» Der bittere Abgang einer Legende: Kimmo Rintanen verlässt Kloten ohne Titel nach einer dürftigen Leistung im Final. Foto: Valeriano di Domenico (Fresh Focus) «Heute bleiben die Jungen gerne in Kloten. Wir sind ehrlich und zeigen ihnen ihre Aufstiegsmöglichkeiten.»

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