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«Das Phänomen Demenz wird nicht spurlos an uns vorbeigehen»

Die folgenden Unterländer Institutionen verfügen in ihren Demenzabteilungen noch über freie Plätze: Pflegezentrum im Spitz Kloten, Pflegezentrum Rotacher Dietlikon, Zentrum für Gesundheit und Pflege Dielsdorf, Alterszentrum Wehntal Schöfflisdorf und Pflegezentrum Kloten. In Regensdorf wird im kommenden Jahr eine neue Abteilung für Demenzkranke eröffnet. Sie sollen in zwei Wohngruppen ihren Alltag so weit wie möglich mitgestalten. Seit diesem Monat gibt es die neugegründete Aktivierungs- und Gesprächsgruppe für Menschen mit Gedächtnisschwierigkeiten in Regensdorf. Im «Gipfeltreffen» des Forums für angewandte Gerontologie gibts jeden Dienstag ein Mittagessen und Gruppenarbeit im Altersheim Furttal in Regensdorf. Gesprächsgruppen für begleitende und betreuende Angehörige bietet das Alterszentrum Grampen in Bülach, jeweils am letzten Mittwoch im Monat zwischen 14.30 und 16.30 Uhr, an. In der Geriatrischen Tages- und Nachtklinik in Dielsdorf treffen sich die Gesprächsgruppen jeweils am ersten Dienstag des Monats zwischen 14 und 16 Uhr. Die Memory-Clinic in der Bülacher Gartenmatt bietet nach Anmeldung durch den Hausarzt eine Gedächtnissprechstunde und ambulantes Gedächtnistraining an.(ssi) Mit Marlies Petrig sprach Sarah Sidler Wie entwickeln sich die Zahlen der an Demenz Erkrankten? Die Alzheimervereinigung schätzt, dass in der Schweiz heute rund 104 000 Menschen betreut werden. Sei dies von Angehörigen, Spitex-Mitarbeitern oder in Pflegezentren. Das Risiko einer Erkrankung steigt mit zunehmendem Alter. Wenn man bedenkt, dass sich zwischen dem Jahr 2000 und 2025 die Anzahl an über 80-Jährigen verdoppelt, wird das Phänomen Demenz nicht spurlos an uns vorbeigehen. Wie reagiert man im Zürcher Unterland auf die zunehmende Anzahl Erkrankungen? Wir im KZU haben vor drei Jahren unseren Demenzbereich vergrössert. In Embrach werden seither 34 spezielle Betreuungsplätze angeboten und in Kloten 37. Die Tages- und Nachtkliniken im Zentrum für Pflege in Dielsdorf und im KZU sind ein Glücksfall für diese Region, denn dort gibt es ein ausgereiftes Angebot. Dennoch warten aus den 21 KZU-Trägergemeinden 16 Personen auf einen Platz in der geeigneten Abteilung. Deshalb baut der KZU auf dem Areal des Psychiatriezentrums Hard in diesem Bereich weiter aus. Vorgesehen sind 34 Plätze in einer stationären Abteilung und 12 Plätze in einer Tages- und Nachtklinik. Je nach Nachfrage können diese Plätze aber auch ausgebaut werden. Und die Gemeinden? Die Gemeinden sind laut Pflegegesetz für die Langzeitpflege zuständig. Während einige Gemeinden im Zürcher Unterland wie beispielsweise Nürensdorf ausgereifte Konzepte vorlegen, wissen andere noch nicht so recht, wie sie mit der steigenden Anzahl von Demenzerkrankungen umgehen wollen. Für viele Gemeinden steht zudem ein weiterer Ausbau der Spitex an. Wer wird das bezahlen? Die Abgeltung der Krankenkassen an die Pflegekosten ist relativ klein. Diese Beiträge sind nicht kostendeckend. Die steigenden Kosten im Gesundheitswesen werden für Private und die öffentliche Hand zunehmend zum Problem. Besonders Gemeinden stehen mit der Einführung der neuen Pflegefinanzierung im Januar 2011 vor einer Herausforderung. Für die Betroffenen selbst sind gewisse Steuerentlastungen, Ergänzungsleistungen zur AHV und die Hilflosenentschädigung entlastend. Was wäre die Lösung? Die kostengünstigste Lösung wäre, wenn die Erkrankten so lange wie möglich zu Hause betreut werden könnten. Das bedeutet jedoch, dass die Angehörigen gut begleitet und entlastet werden. Die Pflege von demenzerkrankten Personen ist Arbeit rund um die Uhr. Ab wann braucht eine an Demenz erkrankte Person professionelle Betreuung? Das ist sehr individuell. Der Zeitpunkt hängt beispielsweise auch davon ab, ob die erkrankte Person alleine lebt und vom wem sie unterstützt wird. Ferner spielt der Krankheitsverlauf eine entscheidende Rolle. Sehr viele Betroffene werden engagiert und kompetent von ihren Angehörigen betreut. Es gilt aber zu bedenken, dass der Partner oder die Partnerin selbst oft die 80 weit überschritten hat. Eine Präsenz rund um die Uhr ist in solchen Situationen für sie nicht mehr machbar, ohne sich selbst übermässig zu strapazieren. Gibt es ein Betreuungskonzept für Demenzkranke? Nein, ein einziges Konzept würde der Komplexität der Krankheit nicht gerecht. Vielmehr sind es verschiedene Konzepte und Fachbereiche, welche Hand in Hand zusammenarbeiten. Wenn ich jedoch zurückblicke, hat sich der Umgang mit Demenzkranken stark verändert: Während man früher eine erkrankte Person immer wieder an gewisse Dinge erinnert hat – wie die Zeit, den Tag oder den Aufenthaltsort –, steht das bei einer fortgeschrittenen Erkrankung nicht mehr im Vordergrund. Die so vermittelten Informationen können nicht mehr aufgenommen werden. Heute versuchen wir, den Bezug zur aktuellen Befindlichkeit der Person herzustellen und darauf einzugehen. Mit welchen Schwierigkeiten ist man als Angehöriger im Umgang mit Demenzkranken konfrontiert? Es ist für die Angehörigen im Kontakt mit Erkrankten etwas vom Anspruchsvollsten, sich mit dem Verlust der Fähigkeiten des Erkrankten auseinanderzusetzen: Die Betroffenen verstehen nicht mehr, was sie lesen, wissen nicht mehr, wo sie sind, waschen sich nicht mehr oder aber erkennen ihr Gegenüber nicht wieder. Gibt es Empfehlungen? Wenn der Verdacht auf Demenz besteht, sollte dieser von Fachpersonen gut abgeklärt werden. Weiter sollte man sich gut über das Phänomen Demenz und mögliche Entlastungs- und Pflegeangebote informieren. In diesem Prozess der Auseinandersetzung hilft die Erkenntnis, dass viele Menschen davon betroffen sind und es zahlreiche Vernetzungs- und Unterstützungsmöglichkeiten gibt. Kann man Demenz vorbeugen? Bewegung, gesunde Ernährung und soziale Kontakte wirken in einem gewissen Mass vorbeugend. Dass der Forschung auf diesem Gebiet aber der Durchbruch noch nicht gelungen ist, zeigt, wie kompliziert das Problem ist. Marlies Petrig Marlies Petrig ist Geschäftsführerin des Krankenheimverbands Zürcher Unterland (KZU).

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