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Das Frauen-Eishockey am Scheideweg

WM?Die Schweiz erreichte am Heimturnier nur Rang 6 – nun geht es um Olympia. Von Philipp Muschg Die gute Nachricht: Die Frauen-WM in Zürich und Winterthur mobilisierte überraschend viele Zuschauer und bot einen hochklassigen Abschluss mit Olympiasieger Kanada und Titelverteidiger USA, die auch im 13. Final seit der ersten WM 1990 untereinander blieben. Die schlechte Nachricht: Die Schweizerinnen erreichten trotz guter Leistung nur ihr Minimalziel. Sportlich fällt die Bilanz zwiespältig aus. Zwar gelang den Schweizerinnen erstmals an einer WM ein Sieg gegen Finnland; zwar zeigten Spielerinnen wie Lara Stalder, Phoebe Staenz oder Sara Benz, dass vielversprechender Nachwuchs vorhanden ist. Trotzdem verpassten sie es, den Erfolg zu erzwingen: Im Viertelfinal gegen Russland gaben sie eine 3:0-Führung preis, im Spiel um Rang 5 unterlagen sie Schweden nach Penaltys. In der Weltrangliste fallen sie auf den 6. Platz zurück.Für die Organisatoren bedeutete das vorzeitige Out ebenfalls einen Rückschlag. Auf 20 000 schätzt der Schweizer Verbandsdirektor Peter Lüthi die Anzahl verkaufter Tickets – bei einer Halbfinalqualifikation wären es wohl ein paar Tausend mehr gewesen. Nun lautet die Frage, wie gross das Minus schliesslich ist und wer wie viel davon übernimmt. Infrage kommen der internationale Verband, der nationale Verband Siha und Swiss Olympic. Trotzdem wertet das OK die WM als Erfolg: wegen der gelungenen Organisation, aber auch wegen der mitreissenden Stimmung bei den Schweizer Spielen, die sehr gut besucht waren.Die Frage lautet nun: Wie weiter? Peter Lüthi mutet gar optimistisch an, wenn er sagt: «Die Zuschauer, die hierherkamen, kommen wieder.» Tatsächlich findet das nationale Frauen-Eishockey seit Jahren im ganz kleinen Kreis statt, ob in der Liga oder beim Nationalteam. Diese familiäre Atmosphäre spiegelte sich auch im Umfeld der WM-Delegation: Der Schweizer Betreuerstab war der Einzige ohne einen einzigen Profi.Für die Konkurrenzfähigkeit ist das schlecht, für die Betroffenen aufreibend. Nationalcoach René Kammerer, voll berufstätig und Familienvater, kündigt darum an: «Wenn sich nichts ändert, war das meine letzte WM.» Ähnlich sieht es Teammanager Philipp Steiner, der seit Amtsantritt 2007 seine gesamten Ferien für das Nationalteam opfert. Gemäss Lüthi hat die Siha den Handlungsbedarf erkannt, doch ehe nächsten Monat über ihre Neustrukturierung abgestimmt wird, sind keine konkreten Massnahmen zu erwarten.Dabei ist ein konkurrenzfähiges Frauen-Nationalteam im Interesse des gesamten Schweizer Sports. Sollte das Leistungsgefälle nämlich so gross bleiben wie bisher, droht das Internationale Olympische Komitee das Frauen-Eishockey nach Sotschi 2014 aus dem Programm zu kippen. Das würde den Wegfall von 23 Betreuerplätzen bedeuten und sich auf andere Sportarten auswirken, die bisher davon profitierten, dass die Eishockeyanerinnen ihr Kontingent nur zur Hälfte ausschöpften.Swiss Olympic müsste sich schon darum am WM-Defizit beteiligen, weil ein starkes Frauen-Nationalteam auch der Betreuung von Lara Gut und Dario Cologna zugutekommt. Ein starkes Frauen-Nationalteam ist im Interesse des gesamten Schweizer Sports.

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