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«Da spende ich lieber an ein kleines Hilfswerk»

Sammeln auf Vorrat Spendenorganisationen horten Hunderte von Millionen Franken, TA vom 5. Dezember Spenden sind oft projektgebunden. Im Artikel wird ein entscheidender Punkt für das Anwachsen von Mitteln bei Hilfs- und Entwicklungsorganisationen ausgeblendet. Dies ist der Trend hin zu projektgebundenen Spenden. Spenderinnen und Spender wählen aus, welchem Projekt einer Organisation ihre Spende zukommen soll. Richtigerweise dürfen diese Spenden nur dort eingesetzt werden, wo es die Spendenden beabsichtigt haben. Wenn nun in einem Jahr zu viele Spenden für ein bestimmtes Projekt eingehen, werden diese Mittel in die erwähnten Fonds eingespeist. Diese Fondsmittel werden dann in den folgenden Jahren für das entsprechende Projekt eingesetzt. Diese Mittel sind jedoch nicht flexibel, das heisst, sie können nicht für andere Projekte verwendet werden, welche beispielsweise zu wenig projektgebundene Spenden erhalten. Für solche Fälle muss das Eigenkapital respektive das erarbeitete freie Kapital verwendet werden. Spendende können diese Ansammlung von Kapital vermindern, indem sie den Organisationen freie Spenden zukommen lassen. Anders liegt der Fall der Stiftung Myclimate, welche keine Spenden sammelt, sondern Vorauszahlungen von Firmen entgegennimmt, welche gemäss vertraglicher Abmachung zu einem späteren Zeitpunkt in Projekten eingesetzt werden. So werden CO2-Emissionen kompensiert, und die Firma erhält als Gegenleistung ein entsprechendes Zertifikat. Urs Egger, Zürich Aus dem Zusammenhang gerissen. Als Mitglied der Heilsarmee bin ich von diesen Vorwürfen im TA direkt betroffen: Ich stehe als Topfwächter regelmässig draussen in der Kälte, um Passanten ein wenig Weihnachtsfreude zu schenken und sozial Benachteiligten Spenden zu vermittlen. Jetzt erscheine ich als Spendensammler als dumm und ausnützbar, liegen laut dem TA-Bericht doch Millionen in den Tresoren der Heilsarmee. Als ehemaliger Buchhalter kann ich dazu nur sagen, dass die Angaben im TA zur Bilanz der Heilsarmee gänzlich aus dem Zusammenhang gerissen sind. Als monatlicher Spender überprüfe ich die Aufgaben und Ausgaben der Heilsarmee regelmässig und kann sagen, dass kein einziger Angestellter des «Tages-Anzeigers» zu den Bedingungen und dem Bedürfnislohn eines Heilsarmee-Offiziers arbeiten würde. Die Topfkollekte kommt voll und ganz der Region zugute, in der gespendet wurde. Ein Sozialbüro der Heilsarmee betreut und verteilt am jeweiligen Ort die eingegangenen Gelder an Bedürftige. Daneben wird viel Freiwilligenarbeit geleistet. Unter anderem haben beispielsweise meine Frau und ich in den letzten Jahren in Frauen- und Männerheimen Gäste persönlich betreut und Liederabende und kleine Feste organisiert. Markus Blum, Reinach Falsches Signal. Die kleinen Hilfswerke sitzen ganz sicher nicht auf Hunderten von Millionen Franken, sondern arbeiten sehr oft ehrenamtlich oder zu kleinen Löhnen und sind sehr auf Spenden angewiesen. Daher ist es sehr frustrierend, wenn im Artikel dies nicht erwähnt wird. Dieser Artikel suggeriert, dass es überflüssig ist zu spenden. Wer weiss, wie viel Not mit dem gespendeten Geld weltweit gelindert werden kann, wird hoffentlich auch weiterhin spenden und sich nicht abschrecken lassen. Christine Jäggi, Nidau Lokale Organisationen unterstützen. Ich bin entsetzt und schwer enttäuscht über diese Organisationen. Zukünftig werde ich nur noch lokale Spendenorganisationen unterstützen. Max Schenk, Effretikon Glückskette zahlt in Raten. Der TA-Journalist spricht im Zusammenhang mit der Glückskette von einem «operativen Gewinn» von 69 Millionen Franken für 2010. Dieser Betrag entspricht effektiv nur dem Netto-Inkasso, das heisst den Spendeneinnahmen und Projektausgaben. Die Zuteilung für kurzfristig oder langfristig geplante Projekte im Rahmen einer bestimmten Sammlung oder Fonds sowie die damit verbundene Auflösung für Projektausgaben bleiben unerwähnt. Die Glückskette sammelt nur ein einziges Mal kurz nach einer Katastrophe und erhält alle Spenden zur Katastrophenhilfe innert weniger Wochen. Sie setzt ihr Geld bei grossen Ereignissen dann sinnvollerweise über mehrere Phasen ein: rund 15 Prozent Nothilfe, rund 70 Prozent Wiederaufbau/Rehabilitation und 15 Prozent für nachhaltige Absicherung/Entwicklung. Mit der Annahme eines Hilfsprojekts durch die Projektkommission geht die Glückskette gegenüber ihren Partnerhilfswerken eine finanzielle Verpflichtung ein. Die effektive Zahlung erfolgt in Raten, die mit dem Fortschritt der Projektarbeit verbunden sind. Bei den noch nicht ausgegebenen Spendengeldern handelt es sich deshalb auch nicht um Reserven, wie im Artikel dargestellt wird. Diese Gelder werden im Interesse der Betroffenen einer Katastrophe aber auch im Interesse der Spender und Spenderinnen nicht anderweitig eingesetzt. Eine Zuteilungsänderung muss in jedem Fall vom Stiftungsrat der Glückskette bewilligt werden. Die Glückskette sammelt keine Spenden auf Vorrat. Wenn der Journalist von 41 Millionen Tsunamigeldern schreibt, bezieht er sich auf «verfügbare und bereitgestellte Fonds» am 1. 1. 2010. In der gleichen Kolonne wird weiter hinten ausgewiesen, dass Ende 2010 nur noch 9 Millionen Franken (3,9 Prozent der Sammelgelder von 227 Millionen Franken) verfügbar waren. Priska Spörri, Bern Glückskette, Leiterin Kommunikation Jeder Franken kommt an. «Geldbeschaffung ist kein Problem.» Diese Aussage hörte ich von einem Verantwortlichen eines bekannten Hilfswerks. Als Aussenstehende schliesse ich daraus: Wo viel reinkommt, wird auch grosszügig ausgegeben. Da spende ich lieber an ein kleines Hilfswerk, wo ich weiss, dass jeder Franken bei den Bedürftigen ankommt. So finanziert Little Bridge Schweiz – Nothilfe in Armenien kleine Projekte, beispielsweise die Sanierung von Toiletten in Schulen, die Reparatur oder Verlängerung von Trinkwasserleitungen, den Ersatz von Fenstern in einer Musikschule, einen Mittagstisch für Betagte, Augenoperationen etc. Die Verantwortlichen zahlen ihre Reisekosten nach Armenien aus der eigenen Tasche. Wohl kein anderes Land in Europa lebt in solcher Armut, zurückzuführen auf Krieg, Erdbeben und Korruption. Ruth Fischer, Horgen «Spendende können diese Ansammlung von Kapital vermindern, indem sie Organisationen freie Spenden zukommen lassen.» «Wer weiss, wie viel Not mit dem Geld gelindert werden kann, wird hoffentlich auch weiterhin spenden.» Viele Spendensammler leisten Freiwilligenarbeit. Foto: Andy Müller (Reuters)

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