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Chinesische Firmen finden Gefallen am Standort Schweiz

Zuerst war es nur eine Handvoll, heute haben sich 50 Firmen aus China in der Schweiz niedergelassen. Die Kooperation der Kantone könnte besser sein.

Von Andreas Flütsch Als Bundesrätin Doris Leuthard 2007 in China für den Standort Schweiz warb, waren chinesische Firmen mit Sitz in der Schweiz – darunter China Tobacco und der Internethändler Alibaba – an einer Hand abzuzählen. Jetzt reist die Wirtschaftsministerin erneut durch China und preist die Vorzüge der Schweiz an. In den drei Jahren, die zwischen Leuthards Besuchen liegen, hat die Ansiedlung chinesischer Firmen in der Schweiz nach harzigen Anfängen Tritt gefasst. «Wir hatten uns zu Beginn mehr erhofft», sagt Beat Rhyner von der Wirtschaftsförderung des Kantons Zürich, «es hat sich aber einiges zum Guten verändert.» Eine Erhebung der Osec, die im Auftrag des Bundes im Ausland für den Standort Schweiz wirbt, kam vor einiger Zeit auf 28 China-Firmen mit Sitz in der Schweiz. Inzwischen sind es deutlich mehr. Bis heute haben sich rund 50 Unternehmen aus China in der Schweiz angesiedelt, sagt Martin Elbel von Osec. Genauere Zahlen gibt es nicht, weil nicht alle Kantone Ansiedlungen melden. Gut läuft es derzeit in der Greater Zurich Area (GZA), in der acht Kantone sowie Zürich und Winterthur zusammengeschlossen sind. Die Organisation begann 2007, das Riesenland zu bearbeiten. «Seither siedelten sich 14 chinesische Firmen in diesem Wirtschaftsraum an, davon allein 5 im ersten Halbjahr 2010», sagt Claudia Magri von GZA. Die Namen der Firmen, die zunächst 20 und mittelfristig 50 Stellen in der Region schaffen, könne man nicht nennen, aber sie seien in den Bereichen Informatik, Maschinen, Handel, Chemie und Bildung tätig. Im Grossraum Zürich bauen die Zuzüger aus China ihre Europasitze auf, so etwa der Verpackungskonzern Tralin Pak in Winterthur oder Chinas Solarriese Suntech in Schaffhausen. Andere bauen Vertriebs- oder Entwicklungszentren auf. Die Firma Pixcir etwa entwickelt in Zürich – und in Yverdon – Chips für Touchscreens. Die Wirtschaftsförderer der Stadt Zürich haben ebenfalls mehrere Eisen im Feuer, können aber noch keine Namen nennen. Von Genf aus China erobern Einen dicken Fisch hat Appenzell Innerrhoden an Land gezogen. Dort installierte der 1991 gegründete Informatikdienstleister Neusoft mit heute 16 000 Mitarbeitenden seinen Europasitz – nur zwei Monate nach dem ersten Kontakt. Weitere China-Firmen liessen sich in Basel, in den Kantonen Bern, Freiburg und Waadt nieder. Ein zweiter Schwerpunkt neben Zürich ist Genf. Geduld zahlt sich aus im Ansiedlungsgeschäft. Vier Jahre dauerte es, bis die Bank of China 2008 in Genf eine Privatbank gründete, mitten in der Finanzkrise. Die Chinesen haben ehrgeizige Pläne. Sie wollen den Schweizer Erfahrungsschatz nutzen, von Genf aus die rasch wachsende Zahl Millionäre in China bedienen und ein Leader in diesem Geschäft werden. Die Ansiedlungen könnten indes noch besser laufen, wenn die einzelnen Kantone nicht nur für sich schauen würden. Eifersüchteleien sind an der Tagesordnung. Das ging so weit, dass dem überaus erfolgreich auf Mandatsbasis arbeitenden Wirtschaftsförderer des Kantons Schaffhausen vorgeworfen wurde, der Kanton Schaffhausen profitiere übermässig davon, dass er gleichzeitig die nationale Ansiedelungswerbung machen dürfe. Worauf dieser den Auftrag zurückgab; die nationale Dachwerbung macht seither die Osec. Eine Meldepflicht haben die Kantone nach wie vor nicht, was den nationalen Überblick über Ansiedelungen erschwert. Während der Wirtschaftskrise eröffnet: Schweizer Niederlassung der Bank of China in Genf. Foto: Martial Trezzini (Keystone)

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