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Auf der Suche nach der Forch

Die meisten fahren an ihr vorbei, ohne einen Gedanken an sie zu verlieren: die Forch. Was macht für die Förchler die Forch aus? Zu welcher Gemeinde gehört sie? Ein Reporter machte sich auf, die Fragen zu beantworten.

Die Forch ist sowohl eine Ortschaft als auch ein Übergang über den Höhenzug des Pfannenstiels zwischen Zürichsee und Greifensee (Passhöhe 682 Metern über Meer). Aber die Forch ist keine eigene Gemeinde. Vielmehr teilt sich das Siedlungsgebiet Forch politisch auf: Die östlichen Quartiere Aesch und Scheuren zählen zur Gemeinde Maur, die westlich der Passhöhe liegenden Weiler Kaltenstein, Wangen und Neue Forch gehören zu Küsnacht. Die Waldlichtung Guldenen auf dem Pfannenstiel im Süden des Forchpasses wird auch noch zur Forch gezählt – die Häuser von Hinter Guldenen gehören zur Gemeinde Maur, Vorder Guldenen zur Gemeinde Egg.(di) Von Tim Frei Forch – Wer die Ausfahrt «Forch» nimmt, verlässt mehr als nur die Autostrasse, die den Namen des Gebietes trägt. Hier lässt er die Goldküste hinter sich, und die Stadt Zürich ist nicht mehr sein Ziel. Stattdessen findet er sich in einer anderen Welt: einer ländlichen. Das ist der erste Eindruck der Forch. Aber was ist die Forch denn eigentlich? Nur ein Denkmal, das alle kennen? Dort, wo an die Wehrmänner des Ersten Weltkriegs erinnert wird, beginnt die Spurensuche. Dutzende Wanderer und Biker haben das gleiche Ziel: Das Forchdenkmal ist als Aussichtspunkt und Wanderziel beliebt. Das Wahrzeichen sieht aus wie eine Pyramide, auf der eine riesige Flamme lodert. Die Aussicht ist grossartig: Vor einem liegt die Forchlandschaft, weit hinten glitzern Glarner und Berner Alpen im Schnee. Geschichtsträchtige Höhle Die Ausflügler, die beim Forchdenkmal ankommen, geniessen aber auch die Ruhe. «Wir wandern sehr gerne hier, denn dieses Gebiet ist glücklicherweise nicht überbaut», sagt ein Passant. Ein anderer schildert eine Begebenheit, die man sich auf der Forch erzählt: Die Höhle, in der im Winter Fledermäuse schlafen, ist beim französisch-russischen Krieg 1799 gebaut worden und soll damals bis nach Zürich gereicht haben. Bertil Hitz, ehemaliger Parteipräsident der FDP in Zumikon, weiss eine andere, spannende Forch-Geschichte: Menschen sollen die Kriegskasse der Russen am Eingang der Höhle gefunden haben. Und mit diesem Geld sollen sie das Gasthaus Krone gebaut haben. Mit diesem Stichwort geht es weiter. Beider «Krone» bläst der Wind heftig. «Wenn man aus dem Haus kommt, bläst es einem oft gewaltig entgegen», sagt Hans Schiess. Schwierig zu verstehen für Nicht-Einheimische sei die Gemeindegrenze, sagt der Kronenwirt. Die Ortschaft Forch liegt nicht nur auf Küsnachter, sondern auch auf Maurmer Gemeindeboden. Die Grenze verläuft kompliziert mitten durch das Dorfzentrum und hat Einfluss auf den Alltag. Zum Beispiel für die Tochter des Wirts: Während ihre Freundin in der Gemeinde Maur zur Schule geht, drückt sie in Limberg in Küsnacht die Schulbank. Diese politische Grenze stellt somit auch eine «Freundschaftsgrenze» dar. «Beide Mädchen haben nun in der Schule andere Freundinnen, und sie können ihre Freundschaft nur noch in den Ferien pflegen», sagt Schiess. Seine Lehrtochter Priscilla Schönthal, die in Wiesenholz aufgewachsen ist, ging auch in die Schule Limberg. «Man kennt sich auf der Forch. Zudem ist die Ruhe auf dem Land im Vergleich zur Hektik in der Stadt sehr angenehm», sagt sie. Obwohl Wiesenholz zu Küsnacht gehört, kann sie sich nicht mit dieser Gemeinde identifizieren. Denn das an der Goldküste liegende Küsnacht passe überhaupt nicht zum ländlichen Wiesenholz. Sie weist auf das zweite Wahrzeichen der Forch hin. «Ohne die Forchbahn wäre die Forch völlig vom öffentlichen Verkehr abgetrennt.» Auch beim Hotel Wassberg, von dem man eine prächtige Aussicht auf den Greifensee und das Zürcher Oberland hat, tummeln sich Dutzende Wanderer. Den Autonummern nach kommen Gäste aus dem Wallis, aus Graubünden und sogar aus Deutschland. Neben dem Hotel liegt ein Bauernhof. Für die Receptionistin des Wassbergs birgt das sowohl einen Vorteil wie auch einen Nachteil. «Einerseits können wir die Eier vom Bauernhof beziehen. Andererseits beklagen sich die Gäste oft, dass es nach Mist riecht», sagt sie. Einmal Land, immer Land Während die Ortschaften Forch und Aesch stark besiedelt sind, weisen die Gebiete Wangen, Chaltenstein und Limberg nur dünne Besiedelungen auf: Es gleicht einer schönen Berglandschaft im Zürcher Oberland. Es riecht intensiv nach Natur. Ein Bauer, der mit dem Traktor angefahren kommt, sagt, er sei hier aufgewachsen, habe den Hof seines Vaters übernommen und sein ganzes Leben auf der Forch verbracht. Die Forch ist seine Welt. Er könnte sich nicht vorstellen, in eine Stadt zu ziehen. «Ich liebe das Ländliche, denn es ist so ruhig hier.» Dass es auf der Forch keinen Laden gibt, stört ihn nicht, «denn wir haben uns mit der Zeit damit abgefunden». Früher sei ein Migros-Wagen vorbeigekommen. Aber das habe nicht mehr rentiert. Der Reporter macht sich bei prächtigem Sonnenuntergang auf die Heimreise. Die Forchbahn fährt vorbei, sie ist rollende Botschafterin für dieses Gebiet. Ob die Passagiere zwischen Stadelhofen und Esslingen wissen, was alles hinter dem Namen Forch steckt? Es ist viel mehr als nur eine Ausfahrt auf der gleichnamigen Strasse, mehr als nur ein Denkmal und eine Bahn. Die Forch ist eine kleine Welt für sich. Das Forchdenkmal. Die Forchbahn ist eine rollende Botschafterin für das Gebiet.Foto: Tim Frei

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