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Angst vor dem Slum rund um den Turm

In Dübendorf, an der Strecke der Glattalbahn, soll ein 114 Meter hohes Haus entstehen. Der Gemeinderat heisst die Pläne zwar gut, äussert jedoch zahlreiche Bedenken und Vorbehalte.

Von Manuel Reimann Dübendorf – Es wäre weitherum sichtbar: 114 Meter hoch soll das Gebäude werden, das im Dübendorfer Giessen geplant ist. Gerade mal 12Meter niedriger als das höchste Bauwerk in der Schweiz, der Zürcher Prime Tower. Dübendorfs Stadtrat hatte im vergangenen Herbst dem privaten Gestaltungsplan bereits zugestimmt. Vorgestern Montag folgte ihm nun auch der Gemeinderat. Allerdings erst nach angeregter Diskussion. Bereits in der Kommission für Raumplanungs- und Landgeschäfte (KRL) war man sich nicht einig, was man vom Projekt halten soll, das mehrere Gebäude rund um die Glattalbahn-Haltestelle Giessen sowie einen kleinen Park umfasst. «Die Mehrheit der KRL schätzt den interessanten und zukunftsgerichteten städtebaulichen Aspekt», meinte Gemeinderat Orlando Wyss (SVP). Der Grüne Peter Jann hingegen äusserte die Bedenken einer KRL-Minderheit: «Das Projekt weist grundlegende Mängel auf. Es besteht die Gefahr der Verslumung.» Wenn man die Hotellerie ausklammere, käme man auf einen Wohnanteil von 30 Prozent, Familienwohnungen seien keine vorgesehen, und längerfristige Perspektiven hinsichtlich Nutzungs- und Bevölkerungsstrukturen würden fehlen. «Auch die versprochene Qualität als Erholungsraum gibt es nicht. Abends besteht Verödungsgefahr.» Keine Gegend für Familien Stadtpräsident Lothar Ziörjen entgegnete, dass ein Hochhaus für Familien grundsätzlich nicht geeignet sei: «Hier geht es um ein etwas anderes Publikum.» In der ganzen Region sei entlang der Glattalbahn höhere Häuser geplant. Auch auf dem Zwicky-Areal. «Die Alternative zu Hochhäusern wäre ein flächigeres Bauen. Der Stadtrat favorisiert die Hochbauvariante», sagte er. Dübendorf solle nicht im Abseits stehen: «Auch die anderen Gemeinden entlang der Glattalbahn planen Bauten mit urbanerem Charakter.» Kritischer äusserte sich Thomas Maier im Namen der GEU-Fraktion: «Der Stadtrat scheint sämtliches Augenmass verloren zu haben.» Die Schmerzgrenze sei bei 80 Meter Höhe erreicht, so Maier. Auch der Park würde auf dem Papier zwar schön aussehen, aber nichts taugen. «Kann man auf einem kleinen Grundstück, umringt von sechs- bis achtspurigen Strassen und einem wahnsinnig schönen Parkhaus im Blickfeld, wirklich Erholung finden?» So sei der Park nichts als eine Baulandreserve für die Zukunft.Diese Befürchtungen teilt Jacqueline Hofer (SVP) nicht. Sie erklärte, dass keine Rede von einer Verslumung sein könne. «Gerade solche Projekte sind doch wirtschaftlich ein Gewinn.» So wie Hofer sah es letztlich eine Mehrheit des Gemeinderats: 23 Mitglieder stimmten dem Gestaltungsplan zu, 13 lehnten ihn ab. In Dübendorfs Westen soll ein Hochhaus entstehen, dass zwar etwas niedriger ist als der Zürcher Prime-Tower, architektonisch jedoch mindestens so auffällig. An der Giessenkreuzung, an der sich die viel befahrene Überland- und Ringstrasse und ab Dezember die Glattalbahn in die Quere kommen, will das Zürcher Planungs- und Architekturbüro K-Werkstatt einen Gebäudekomplex mit einer Nutzungsfläche von 47 250 m2 errichten. Markantes Wahrzeichen ist der Geschäfts- und Wohnturm gleich an der Kreuzung.Er wird von zwei je 30 Meter hohen Gebäuden flankiert, die als Lärmschutz für die dahinter liegenden Wohnbauten dienen: Drei Hochhäusser im Inneren. Die Bauten wirken wie aus überdimensionalen Bauklötzen zusammengesetzt und erinnern mit ihren markanten Zwischenräumen an den Computerspielklassiker Tetris. (TA) Bildlegende. Foto: Vorname Name, Agentur Im kleinen Park sei es unmöglich, Erholung zu finden, kritisieren Gegner des Hochhauses im Giessen. Und weil Familienwohnungen fehlen, drohe ein Ghetto . Visualisierung: pd

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