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Angst um die Goldküsten-Pendler

In den Zürcher S-Bahnen gibt es künftig ab 21 Uhr nur noch stichprobenartige Kontrollen. SP-Kantonsrat Peter Schulthess fürchtet, dass die Linien am See zu kurz kommen, weil sie als sicher gelten.

Von Lorenzo Petrò Der Stäfner Kantonsrat Peter Schulthess (SP) macht sich Sorgen um die Sicherheit der Zugreisenden am rechten Seeufer. Dies weil der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) auf Anfang 2011 die bisherige durchgehende Begleitung aller S-Bahn-Züge nach 21 Uhr abschafft (TA vom 1. 9.). «Das ist verheerend», sagt der Pendler. Er befürchtet eine Zunahme des Vandalismus. Schulthess sagt, er habe auf späten Heimfahrten – etwa von Sitzungen des Kantonsparlamentes – schon kritische Situationen erlebt, in denen Zugbegleiter angetrunkene Passagiere zurechtweisen mussten. Tatsächlich sind Pöbeleien und Raufereien im Zug sind vor allem an Wochenenden auch an der Goldküste keine Seltenheit. Weil der ZVV Kontrollpersonal und Bahnpolizei in Zukunft «flexibel und sachgerecht» einsetzen will, befürchten Schulthess und Kantonsratskollegen, dass die als unproblematisch geltenden Goldküstenlinien vernachlässigt werden. Die ständige Begleitung wird abgelöst von stichprobenartigen Grosskontrollen, wie sie in der Stadt Zürich in Bussen und Trams bereits Realität sind. Im Fokus dieser Aktionen dürften, so sagen Bahnkenner, die «problematischeren» Linien S 3, S 5, S 9 und S 12 sein. In einer Anfrage an den Zürcher Regierungsrat wollen Schulthess sowie die Regensdorfer und Richterswiler SP-Ratskollegen Marcel Burlet und Renate Büchi-Wild wissen, wie dieser zum neuen Sicherheitskonzept des ZVV steht. Kritik an «Rambo-Kontrollen» Schulthess und seine Kollegen glauben, dass das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste unter dem neuen Konzept leiden wird. «Wir wollen nicht, dass die Leute deshalb wieder lieber das Auto nehmen. Uns liegt der öffentliche Verkehr am Herzen», sagt der Sozialdemokrat. Zudem leide das Image der Bahn: Die Pendler hätten heute immer mehr das Gefühl, sie würden vom Zugpersonal eher wie Betrüger als wie Kunden behandelt. Dieses Problem haben sich die SBB bei der Abschaffung der Billettkontrolleure eingehandelt, sagt Schulthess. Er werde aber noch lieber von einer Zugbegleiterin nach dem Ticket gefragt und wisse, dass deren Team auch für die Sicherheit verantwortlich sei, «als dass ich von einer achtköpfigen Kontrolltruppe überfallen werde. Diese Rambos sind noch viel unangenehmer.» Am liebsten wären Schulthess Zugbegleiter, die sich ausschliesslich als Dienstleister verstehen. «Die Billettkontrolle muss gar nicht sein, das Personal könnte einzig für Sicherheit sorgen und für Fahrplanauskünfte oder Ähnliches zur Verfügung stehen.» Die SBB und der ZVV würden nicht zwischen problematischen und unproblematischen Linien unterscheiden, sagt Beatrice Henes, Informationsbeauftragte des ZVV. «Wo mehr und wo weniger kontrolliert wird, kann sich von Woche zu Woche ändern, je nach Erfahrungen der Teams.» Das Konzept sei zwar noch in der Entwicklungsphase, die Befürchtung, dass der ZVV den Vandalen am Zürichsee freie Hand lässt, sei aber unbegründet. Die neue Transportpolizei werde dafür sorgen, dass jede Linie mindestens ein Mal zwischen 21 Uhr und Betriebsschluss Besuch von Zweierteams des Sicherheits-, des Präventions- oder des Kontrolldienstes erhält, so Beatrice Henes. Bei Nachtzügen bleibt die ständige Begleitung erhalten. Notrufknöpfe für Fahrgäste Um sich jederzeit ein Bild von der Sicherheitslage in den Zügen zu machen, können die Verantwortlichen beim ZVV ab dem kommenden Jahr auf Videoüberwachung bei allen Linien zählen. Für ein gesteigertes subjektives Sicherheitsgefühl dürften zudem – zumindest bei einigen Fahrgästen – die ab kommendem Januar in allen Zügen installierten Notrufknöpfe sorgen. All diese Massnahmen überzeugen den Stäfner Kantonsrat Peter Schulthess aber nicht. Sicherheitsgefühl und Komfort der S-Bahn-Reisenden würden unter der Reduktion der Zugbegleitung leiden, ist er überzeugt. In den S-Bahn-Zügen werden ab 2011 mehr Videokameras, dafür weniger Personal zur Verfügung stehen. Foto: Alexandra Wey

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