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Alles Lügen half dem falschen «Geheimagenten» nicht

Das Bezirksgericht Bülach hat gestern zwei 35-jährige Männer zu bedingten Strafen verurteilt. Sie hatten Aluminium von der Deponie in Lufingen gestohlen.

Von Sandra Zrinski Bülach/Lufingen – «Ihre Geschichte mit dem Geheimagenten, der Diebstähle verhindern wollte, geht logisch nicht auf», sagte gestern der vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung am Bezirksgericht Bülach. Seine Worte richtete er an den angeklagten Albaner aus Mazedonien. Der kleine, korpulente Mann, den man sich so gar nicht als smarten Agenten vorstellen kann, hatte im November 2007 und im März 2008 insgesamt dreimal Aluminium auf einen Laster geladen und durch den Fahrer an eine Metallhandelsfirma in Regensdorf verkaufen lassen. Tonnenweise weggekarrt Das kiesförmige Material gehörte aber nicht dem Mazedonier, sondern seinem Arbeitgeber, einer Firma, die in der Deponie Leigrueb in Lufingen Metalle aus den angelieferten Schlacken extrahiert. 20 Tonnen wurden in einem Monat illegal weggebracht. Den Erlös von total 15 000 Franken steckte der Mazedonier in die eigene Tasche. Nur der Lastwagenfahrer, der gestern wegen Gehilfenschaft vor Gericht stand, erhielt für die Fuhren 2500 Franken. Bei der dritten Lieferung im März 2008 wurde man bei der Metallhandelsfirma stutzig und informierte die Polizei. Der Schweizer Fahrer war von Anfang an geständig. Er habe sich schon beim ersten Transport für den mazedonischen Vorarbeiter Gedanken wegen der unüblich hohen Bezahlung gemacht, sagte er gestern vor Gericht. Als selbstständiger Transporteur erhielt er für eine solche Fahrt üblicherweise 300 bis 500 Franken. Das Gericht hielt ihm vor, dass er spätestens beim zweiten Auftrag des Mazedoniers die Polizei hätte verständigen müssen. Er wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 110 Franken und einer Geldbusse von 1000 Franken verurteilt. «Als Jugo beschimpft» Der Hauptangeklagte stellte sich auch gestern auf den Standpunkt, dass er nicht der Drahtzieher der krummen Geschäfte gewesen sei. Vielmehr habe er vermutet, dass der Lastwagenfahrer das Aluminium stehle und verkaufe. Im März habe er dem Fahrer deshalb eine Falle stellen wollen, um seinem Chef zu beweisen, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zu- und hergehe. «Er hat mir einfach nicht geglaubt und mich sogar als Jugo beschimpft», sagte der selbst ernannte Geheimagent. Über seine geheime Aktion hatte er aber weder die Polizei noch seinen Chef informiert. Sein Verteidiger erklärte im Plädoyer: «Den Verkaufserlös hätte er seinem Arbeitgeber als Beweis übergeben.» So weit kam es aber nicht mehr. Das Gericht verurteilte den Mazedonier zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 9 Monaten und einer Busse von 2000 Franken. Zudem muss er seinem ehemaligen Arbeitgeber Schadenersatz von rund 9000 Franken zahlen. Der Schweizer hat seinen «Anteil» von 2500 Franken bereits dem bestohlenen Firmeninhaber zurückbezahlt. Der Fall ist bereits im Januar dieses Jahres ein erstes Mal verhandelt worden (der TA berichtete). Damals kam das Gericht aber zum Schluss, dass die Anklage an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen werde. Mehrere Zeugeneinvernahmen mussten nachgeholt werden.

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